. » Und die Maschin hat er auch repariert « , sagte der Schmied . 15 Um Mitternacht wanderte Pavel nach Hause . Es war kalt und sternenhell . In der Nähe der Kirche begegnete er dem Nachtwächter Much , der ihn mit einer gewissen scheuen Verbindlichkeit grüßte und zu ihm sagte : » Unsere Hunde haben just einen fremden Hund erbissen . Verfluchtes Vieh ; hat sich gerauft wie der Teufel . « Auch einer gegen eine ganze Menge , dachte Pavel , und als er beim großen Ziehbrunnen anlangte und über ein Ding stolperte , das auf dem Boden lag , freute er sich , als er es unter seinem Fußtritt wimmern hörte . Er zog den Hund aus der Blutlache , in der er lag , schöpfte Wasser und schüttete den vollen Eimer über ihn aus . Soviel er in der Dunkelheit wahrnehmen konnte , war der unvorsichtige Eindringling übel zugerichtet . Grausam hatte sich an ihm der tierische Patriotismus bewährt , dem der blinde Zug zum Einheimischen blinden Haß gegen das Fremde bedeutet . Der Hund gab kein Zeichen des Lebens mehr . Pavel ließ ihn liegen und setzte seinen Weg fort . Bald jedoch bemerkte er , daß das Tier ihm nachkroch , mühselig den Berg hinauf ; er wehrte ihm nicht , ließ sich seine Begleitung gefallen , und daheim angelangt , pflegte er es trotz des Abscheus und Ekels , den seine außergewöhnliche Häßlichkeit und seine klaffenden Wunden ihm einflößten . Am nächsten Tage ging er wie an jedem andern Wintertag hinüber in die Fabrik . Die Arbeit kam ihn heute schwer an ; in seinem Kopfe war es schwül , und der ganze Körper schmerzte . Bei der Heimkehr am Abend erwartete er eine Vorladung zum Bürgermeister zu finden ; sie war nicht da und kam auch später nicht . In der nächsten Zeit , sooft er an einem seiner Feinde vorbeikam , machte er sich auf einen Angriff gefaßt und bereit zur Gegenwehr . Aber jedesmal umsonst . Niemand schien Lust zu haben , mit ihm anzubinden . Fürchteten sie ihn ? Sie alle zusammen ihn allein ; waren sie so feig ? Oder gedachten sie nur , ihn sicher zu machen , und warteten auf eine Gelegenheit , sich zu rächen - waren sie so schlecht und tückisch ? Jedenfalls wollte er keinen Augenblick unterlassen , auf seiner Hut zu sein , nie vergessen , daß er unter lauter Gläubigern wandelte , die eine böse Schuld bei ihm einzukassieren hatten . Indessen verging der Winter , ohne daß es zum Ausbruch von Feindseligkeiten gegen ihn gekommen war . Er konnte unangefochten in seiner Hütte hausen - der Anblick derselben , der so lange und soviel Mißgunst erweckt hatte , ließ die Leute jetzt gleichgültig . Im stillen staunte sogar mancher über den Hauch von Wohlhabenheit , der sich allmählich über die kleine Ansiedelung breitete . Pavel hatte sein Haus ringsum mit einem Zaun aus kreuzweis gesteckten Weidenruten umgeben , hinter dem er Gemüse zog . Alles gedieh , dank seinem unermüdlichen , eigensinnigen , seinem eisernen Fleiße . Das Fichtenbäumchen , das einzige , das den Angriffen der Übelwollenden widerstanden , hatte es glücklich bis zum Soldatenmaße gebracht ; es guckte mit dem Wipfel in das Fenster an der Seite der Hütte hinein . Ein stämmiges Ding von einem Bäumchen , mit breiten Pisten , die es trotzig von sich streckte , und das sich , so jung es war , schon einen weißen Moosbart angeschafft hatte . Das ganze Anwesen , die Hütte mit ihrem schiefen Dach , der Fichtenbaum daneben , der Zaun davor , nahm sich aus wie ein Bildchen , das Kinder entwerfen bei ihren ersten Versuchen in der Zeichenkunst . Auf der Schwelle , unter welcher der Stein eingegraben war , der Pavel immer mahnen sollte an Haß und Verachtung gegen seine Mitmenschen , lag sein neuer Hausgenosse , sein bissiger Hund , den er in unbewußtem Humor l ' amour genannt . - L ' amour , nach Pavels Orthographie : Lamur , hatte die Größe eines Hühner- und den Knochenbau eines Fleischerhundes ; seine breite Nase war von Natur aus gespalten , was ihm etwas sehr Unheimliches gab ; beim geringsten Anlaß bleckte er die Zähne und sträubte sein kurzes schwarzes Haar . Ein bitterer Groll gegen alles Lebendige schien unablässig in seiner Seele zu gären . Nie ließ er sich in eine Liebesaffäre ein ; Hund oder Hündin waren ihm gleich verhaßt , und er wußte sich beiden Geschlechtern gleich fürchterlich zu machen . Nur eine tiefe , stille , an Äußerungen arme Anhänglichkeit kannte er , die an seinen Herrn . Stundenlang saß er vor dem Hause , ohne den Blick von dem Wege zu wenden , auf dem Pavel kommen mußte . Wurde er seiner endlich gewahr , so verrieten höchstens einige Freudenschauer , die ihm über die Haut liefen , und ein kümmerliches Wedeln des kurzen Schwanzes etwas von den Gefühlen seines Innern . So wenig Zärtlichkeiten Lamur spendete , so wenig wurden ihm zuteil ; aber sein Futter erhielt er gleich nach der Heimkehr seines Herrn , und bevor dieser noch einen Bissen zu sich genommen hatte . Aus der ungetrübten Gemütsruhe , in welcher Pavel seit einigen Monaten dahinlebte , wurde er durch die Ankunft eines Briefes seiner Mutter gerissen . Noch hatte er ihr letztes Schreiben nicht beantwortet , und nun kam dieses nach fast einjähriger Pause und enthielt weder eine Klage noch einen Vorwurf ; es wiederholte nur die Bitten , von denen schon das frühere erfüllt gewesen , Bitten um Nachrichten von den Kindern , und schloß ebenfalls wie jenes und wie alle seine Vorgänger mit den Worten : » Mir geht es soweit gut . « Dann folgte die Unterschrift und endlich eine Mitteilung , die von der Schreiberin bis zuletzt aufgespart und dann an den äußersten Rand des Papieres verwiesen worden , wo sie wie zagend und verschämt stand . » Heut