nur versteckt , insgeheim , denn seine königliche Würde gewährt ihm einen Schutz , dessen sich andere Sterbliche nicht erfreuen . Er ist in dieser Welt des herrschenden Militarismus kein Kriegsfürst , kein Stechschrittfex ; er ist inmitten einer den sogenannten ritterlichen Passionen der Jagd und des Sports huldigenden Aristokratie nicht nur kein Liebhaber dieser grausamen Vergnügungen , sondern deren erklärter Feind : er ist bis zu einem gewissen Grade ein geistig überlegener Gegner unserer herrschenden Kunstzustände und schafft sich auf dem Gebiete des Schönen sein eigenes Phantasiereich . Das alles verletzt die anderen , die jeder Thorheit , Narrheit , Verkehrtheit und Stumpfheit grenzenlose Geduld und liebevolle Nachsicht erweisen , sofern sie in den überlieferten Kram passen , die aber durchaus nicht zugeben wollen , daß wir eigenartig wir selbst seien , wie es unserer individuellen Natur angemessen ist . Wir sollen mit diesen anderen im Einklange leben , wir sollen einschrumpfen , uns umgestalten , d.h. uns verunstalten . Welch ' eine barbarische Tyrannei ! Einem König ist nicht beizukommen . Aber dem Maler Effenbach war beizukommen . Wie hat man ihn gemartert ! ... « Im Verlaufe dieser Erzählung hatte sich Schlichting leise dem Sprecher genähert . » Ich glaube den Mann zu kennen , Herr Doktor , Ein sonderbarer Zufall ... ich glaube wenigstens ... « » Hat es nicht geklingelt ? « Doktor Trostberg erhob sich , tief aufatmend von der langen Rede . » Wir müssen leider abbrechen . Ich erwarte Besuch . Aber noch das : dieser Effenbach ist es wert , von Ihnen gründlich nach der Natur studiert zu werden . Ein Mensch , der noch niemand beleidigt hat , der in stiller Zurückgezogenheit seiner Liebe zur Kunst und zur Menschheit lebt , nicht wahr , das ist ein ausgesuchtes Original ? Schreiben Sie einmal seine Lebensgeschichte mit der Strenge des Gelehrten und mit der Zartheit des Dichters . Ihre Manuskriptblätter lassen Sie mir einstweilen da . Also nicht vergessen : was den modernen Gelehrten so hoch über die flunkernden Dichter und Künstler und schöngeistigen Salbaderer stellt , ist dies : er hat Ehrfurcht vor der Natur und ihrer Wahrheit , er ist kein Falschmünzer . Auch Sie sollen als angehender Schriftsteller dem Leben diese Ehrfurcht nicht versagen . Dies sei Ihnen heiliges Gesetz . Was Sie schreiben , schreiben Sie ' s als überzeugter Naturalist , aber - drucken lassen Sie ' s erst nach Ihrem Tode ! Auf Wiedersehen ! « Er war aufgesprungen und hatte Schlichting beide Hände gereicht . Und unter der Thür zum Vorzimmer , wo ein buckliges Männchen mit einem Pack unter dem Arm wartete : » Lassen Sie sich das gesagt sein : Nirgends kann man sich durch Wahrhaftigkeit mehr kompromittieren und mehr Unheil auf den Hals ziehen , als im heiligen römischen Reich deutscher Nation . Adieu . Gute Verrichtung . « Ohne den Wartenden eines Blickes zu würdigen , die Thürklinke in der Hand : » Herr Maximilian Schlichting , Schlichting ! Noch ein Wort ! Er hört nicht mehr . « An das Flurfenster eilend : » Wie er in Gedanken und Träumen dahinsteigt , ein junger , wie von der eigenen Saftfülle etwas schläfrig ermatteter Frühlingsgott ! Ein verdammt hübscher Bursch mit einem wahren Byronkopf . Dieser bebende Schwingungsreiz der jugendlich schlanken Glieder . Ich darf ihn nicht mehr ansehen , sonst mache ich ihm wirklich noch eine Liebeserklärung . Das gibt einen Leckerbissen für ein verliebtes Weib ... Schade ... Ich hätte ihm noch ein Wort über sein Auftreten gegen den Preßbanditen sagen und doch ein Glas Kognak aufnötigen sollen ... Göttin der Klugheit , strenge Pallas Athene , steh ihm bei ! « ... Mit hastigen schlurfenden Schritten eilte er an die Thür , die vom Flur ins Schlafgemach führt , und herrschte den bescheiden in der dunklen Ecke wartenden Handwerksmann an : » Treten Sie daherein ! Schnell , ich habe keine Zeit zu verlieren ! « Der kleine bucklige Schneider mit der spitzen Nase , den blitzenden Äuglein und einem wehenden flachsartigen Bart unter dem Kinn hinweg von Ohr zu Ohr , trippelte hinein und breitete den Inhalt seines Packets auf dem Bett aus . Es war ein neuer Frackanzug mit wattiertem Unterbeinkleid . » Hilf , alter Knabe , « rief Trostberg seinem Diener , dem halblahmen Gabriel , einem verunglückten Zirkusklown , den er vor einem Jahre auf einer Reise in der Schweiz aus Mitleid aufgelesen , » hilf , damit wir die Fetzen gleich anprobieren . « Gabriel humpelte heran , schnitt eines seiner fünfundzwanzig drolligen Gesichter , indem er die Augenbrauen im spitzen Winkel in die Höhe zog und die Unterlippe schwer herabsinken ließ . Er hatte wieder den ganzen Morgen über das » Ding an sich « gebrütet . Seit er in Trostbergs Diensten , hatte er so vielerlei philosophische Brocken aufgeschnappt , daß er sich des Nachdenkens darüber nicht mehr erwehren konnte . Und erst seit der Doktor ihm selbst einen Band Schopenhauer mit den Worten in die Hand gegeben : » Der sei Dein Erzieher ! « hatte der Exklown Anwandlungen tiefsinnigster Grübelei . Zirkus-Erinnerungen und Philosophie gaukelten in seinem Kopf gar wunderlich . » Du schielst ja wieder wie ein Haremstürke . Hier , zieh mir die Beinkleider aus und hilf mir in die neuen hinein . Erst das . « Und er griff nach den Wattons . » O da könnt ' man Blutwurst mit Kraut schwitzen , so eng ist der Schlauch , « ächzte der Diener und preßte seine Zunge in den rechten Mundwinkel . » Der gnädige Herr werden zufrieden sein , der Schnitt ist gelungen , die Polsterung am rechten Fleck - sehen Sie , jetzt ist Ihr Bein so gerade gewachsen wie ein spanisches Rohr , « beteuerte der Schneider-Gnom und streichelte und zupfte am Knie und an den Waden herum . » Da oben zwickt ' s , « bemerkte Trostberg und deutete auf die verfängliche Stelle . » Werden wir gleich