Ferne . Einzelne Sterne blinkten dort über den Hügeln . Und dort in unermessenen Weiten , dahinter dem allem , wo kein Stern mehr kreist , waltet , was die Myriaden Stäubchen aufleuchten , erglühen , wirbeln macht , alle zu sich emporzwingt , und zu dem aller Staub aufstrebt , der tote wie der belebte - jene alleinige Kraft und Macht , die auf öden Gestirnen die Steine klingen läßt und auf bewohnten den Hall atmender Kehlen weckt und die unmittelbar an uns rührt , wenn Hohes , Hehres , Gewaltiges uns in erschauernder Seele erfaßt , von dem wir nicht wissen , woher es uns komme , nur , daß es nicht des Staubes ist ! Aus solch innerster Lohe brach wohl die heilige Flamme der Offenbarung hervor , und für den , der getreulich ihre Wärme und Segnungen spendet , kommt die Stunde , da ein Funke ihrer Glut in seinem Herzen anglimmt und er sich einen Teil jener all-einen Kraft fühlt ! Der junge Priester breitete die Arme gegen den Himmel ; da raschelte etwas zwischen den Gräbern , eine Maus oder eine Eidechse , er schrak leicht zusammen und sah eine Weile nach dem welligen Rasen hinüber , dann faltete er die Hände und senkte demütig das Haupt . » Dem Herrn allein die Ehre und mir den Frieden des Wandels nach seinem Worte . « Ach , nur selten sind jene Augenblicke überwältigender Begeisterung , in denen der Mensch gleichsam einen Weg aus sich heraus und über sich hinweg findet ! Rasch zerrt das Alltägliche ihn wieder an sich und stopft ihn unter den gewohnten Hausrat , der fast zu einem Teil des Selbst geworden ist , und je niedriger ein Gerät , um so aufdringlicher erscheint dessen Dienstleistung ; es ist , als ob dasselbe spöttisch kicherte : Euer Herrlichkeit geruhten ein wenig Gott zu spielen , haben aber darüber meinen Gebrauch doch nicht verlernt . Schon am nächsten Nachmittage stak der Kaplan wieder in der dumpfigen Amtsstube . Vor der Türe derselben stand lauschend der Pfarrer . Von Zeit zu Zeit schallte innen ein klatschender Klaps . Als es dem alten Herrn zuviel ward , polterte er lachend hinein . » Lieber Herr Sederl , nein , das kann nit weiter so fortgehen , die Verantwortung nähm ich nit auf mich . Sie legen ja förmlich Hand an sich ! Gleich morgen früh schick ich zum Kramer um ein Fliegnpapier , wolln hoffen , daß mer bei dem Spitzbubn ein echts kriegt und wir die Racker loswerdn , denn wenn wir ' s mitm draufgstreuten Zucker nur füttern möchten , dann hättn mer uns rein noch welche dazukauft . « Helenens Schreck im Beichtstuhle war ein aufrichtiger , der Ausbruch ihres Jammers kein gemachter , berechneter . Sie fürchtete eine Verweigerung der Absolution , eine entehrende Bloßstellung vor den Leuten oder irgendein anderes , sie wußte selbst nicht , was , das ebenso all ihre Aussichten und Pläne für die Zukunft zernichten konnte . Sie vermochte auch auf dem Heimwege ihrer Aufregung noch nicht Herr zu werden und gelobte dankbaren Herzens , sich von Zeit ab brav und rechtschaffen zu halten , » weil nur diesmal alles gut ausgegangen « . Zur Stunde aber , wo Kaplan Fliegentöter vom Pfarrer überrascht wurde , musterte sie ihren Brautstaat , der über ihrem Bette ausgebreitet lag , und trällerte dabei und sang Schnadahüpfeln : » Kein Katz , was nit maust , Kein Spatz , was nit fliegt , Kein Bäurin , was haust Und ' n Mon nit betrügt . « Das war gestern eine Beicht gewesen ! Ei , wohl , eine schwere , harte Beicht . Gott sei Dank , daß es überstanden war ! Der alte Pfarrer kannte seine Beichtkinder und war überzeugt , daß einige von ihnen nur durch geänderte Verhältnisse , in die sie sich wohl oder übel schicken mußten , zur Vernunft zu bringen wären , darum sah er es wohl auch gerne , wenn die Zinshofersche Dirn unter die Haube kam , und darum sagte er bezüglich jener Beichte - da ihn ein leises Mißtrauen gegen einen beidteiligen , nachhaltigen Erfolg derselben beschleichen mochte - zu dem Kaplane : Sie können dabei was lernen ! Damit behielt er recht . XIV Wenige Tage vor der Hochzeit Muckerls mit Helenen legte sich die alte Kleebinderin krank zu Bette . Es bot dies willkommenen Anlaß , jede lärmende Feier , welche leicht zu bösartigen Späßen und gehässigen Ausschreitungen Gelegenheit geben konnte , zu unterlassen und sich mit einer stillen Trauung zu begnügen , ohne daß es aussah , als ob man sich durch Furcht vor den Leuten einschüchtern und im freien Willen beschränken ließe . Freilich fiel es dem jungen Weibe hart , so ohne Sang und Klang in sein neues Heim ziehen zu müssen . Helene hätte eher allem Spott und Hohn getrotzt als auf etwas verzichtet , das sie in eigenen und fremden Augen gegen andere Hochzeiterinnen zurückstehen ließ , da es sich aber schickte , daß sie sich mit der Lage ganz in der Weise abzufinden hatte , wozu jede andere der gleiche Fall verpflichtete , so war sie heimlich darüber froh . Am Abende des Hochzeitstages eilte sie hinüber nach ihrer Hütte , ihr » Sacherl « - wie sie ganz freimütig eingestand - » zurückzuholen « in das Haus , woher es gekommen . Die alte Zinshofer saß nachdenklich und gedrückt auf der Gewandtruhe , sie hatte den einen Arm über das nicht allzugroße Bündel gelegt , Helene zog ihr dasselbe darunter hinweg und sagte , in der Stube herumblickend : » Schau , jetzt hast ' n ganzen Raum für dich ; wird dir auch wohltun . Gute Nacht ! « Mit diesen Worten verabschiedete sie sich von der Stätte ihrer Kindheit und von der Mutter . Vom nächsten Morgen an schaltete sie im Kleebinderischen Heimwesen . Sie fragte nicht nach , wie die Schwiegermutter es bisher mit manchem gehalten habe und