» Aushalten muß ich , aushalten ! « Als Fedko endlich kam , sagte er ihm genau das Gegenteil dessen , was er zuerst beabsichtigt : er sei ihm sehr dankbar und hoffe ihm diese Dankbarkeit bald zu beweisen . Der Greis nickte . » Binnen einer Woche « , sagte er nachdrücklich und entließ ihn auf die Straße . Dreizehntes Kapitel Die Tage vergingen ; die Antwort aus Czernowitz traf nicht ein ; eine andere Aussicht , etwas zu verdienen , ergab sich nicht . Von der Mutter ein Geschenk zu erbitten , wäre Torheit gewesen . Sie blieb in ihrem Benehmen gegen ihn stets gleich kalt , gab ihm nie ein schlechtes , aber auch nie ein gutes Wort , und nur zuweilen , wenn er unversehens den Blick erhob , fand er ihr Auge kummervoll und prüfend auf sich gerichtet ; namentlich in den letzten Wochen , wo sein Gesicht etwas spitzer geworden und er so viel hüstelte . Auch fragte sie ihn einmal , wo er sich so arg erkältet und ob er beim Husten ein Stechen in den Lungen verspüre . Aber es klang so gleichgültig , als hätte sie ihn gefragt , ob ihm ein Knopf am Kaftan fehle , und als er eifrig versicherte , er fühle sich ganz wohl , drang sie nicht weiter in ihn und stellte nur des Abends schweigend eine Tasse Eibischtee vor ihn hin . » Ich danke dir , Mutter « , sagte er und suchte ihre Hand zu fassen , da zog sie sie sachte zurück . Dies Benehmen und noch mehr das heimliche Bewußtsein seiner Schuld - er war ja fest entschlossen , sie zu verlassen , sobald er konnte - ließen ihn keinen Versuch wagen , sie zu begütigen . Stumm und gedrückt saß er ihr gegenüber und suchte , sobald er konnte , sein Kämmerchen auf . Auch sein Verhältnis zu Jossele Alpenroth hatte sich seit dem Abenteuer von Mielnica noch verschlechtert . Heftig zu werden oder gar Schimpfworte zu gebrauchen , lag nicht im Wesen des stillen , ruhigen Männchens . Auch seine Mahnreden wiederholte er nicht mehr . Aber der Lehrling schien für ihn kaum noch auf der Welt zu sein , und er gab sich mit seinem Unterricht keine Mühe mehr . Dennoch faßte sich Sender am Morgen des Tages , wo die Frist , die ihm Fedko gesetzt hatte , ablief , ein Herz und brachte seine Bitte vor . Der Meister blickte kaum von der Arbeit auf . » Nein ! « sagte er ruhig und leise wie immer . » Keinen Heller ! Es geschieht nicht aus Geiz oder Härte - frag ' nur in der Gasse nach , wenn du das glaubst . Aber du verdienst es nicht . Deine Arbeit taugt nichts ! Auch will ich dir nichts geben , denn dann bleibst du vielleicht noch länger bei mir als sonst ! « » Ihr wollt mich los sein ? « rief Sender . Der kleine Mann nickte . » Wie gern wär ' ich dich los ! Sehr , sehr gern ! « versicherte er treuherzig . » An dem Tag schenk ' ich den Armen fünf Gulden . Und fünf Gulden ist viel Geld , und ich verdien ' sie nicht leicht ! « » Warum ? Hab ' ich Euch was Böses getan ? « » Nein - was man so Böses nennt , nicht ! Das ist es ja eben . Wenn du mir einen Streich spielen würdest - und wer könnte das besser als du ? ! - so wär ' s zu Ende . Denn so habe ich es mit deiner Mutter abgemacht : An dem Tage , wo er gegen mich den Pojaz herauskehrt , darf ich ihn hinauswerfen ! Du tust es leider nicht , und ich muß deiner Mutter mein Wort halten . Denn sie ist ein braves Weib , und Gott hat sie ohnehin hart genug mit dir gestraft ; durch mich soll sie keine traurige Stund ' haben . Aber schwer fällt ' s mir ! « Sender fühlte den Zorn in sich aufsteigen , umso heftiger , mit je sanfterer Stimme das Männchen seine Reden vorbrachte . Aber er bezwang sich - ein Streit mit dem Meister , das war ' s just noch , was ihm zu seinen Bedrängnissen fehlte ! » Aber nun den Grund « , sagte er . » Ihr werdet einsehen , Meister , daß Ihr mir das schuldig seid ! « Der Uhrmacher nickte wieder . » Das ist wahr ! « sagte er . » Aber der Grund ? - ein Grund ... Komm ' her , Sender , hier an meinen Tisch ... Sieh dir das Werk von dem Ührchen da an , das ich eben reparieren tu ' - gehört dem Herrn Kreiskommissär . Ein feines Ührchen , ein schönes Ührchen « , fügte er mit fast zärtlicher Stimme bei und strich mit dem kleinen Finger liebevoll über den Rand , » es ist auch gottlob nicht ernstlich krank , sondern muß nur gereinigt werden ... Also , wie viel Rädchen siehst du da ? « » Vier ! « » Vier ! Richtig ! Was jeder Bauer sehen könnt ' , siehst du auch ! Aber mehr nicht ! Und viel mehr als ein Bauer verstehst du auch nicht und kannst du nicht machen . Schon das ist schlecht für mich ! Freilich bezahl ' ich dir nichts , aber auch einem anderen Lehrling würd ' ich nichts geben , und an dem hätt ' ich doch mit der Zeit eine Hilfe . Jeder Mensch darf doch auf seinen Vorteil sehen , nicht wahr ? ! Aber daß du mir Schaden bringst , weil alle meine Zeit und Müh ' an dir verloren ist , das ist nur ein Rädchen in der ganzen Sach ' , und zwar das kleinste . Das Rädchen ist da ! « Er wies mit dem Finger auf