der Blumen , am Glanz der Steine . Sie passen zusammen . Aber Tubal erschrickt davor und wird nachdenklich , als ob er eine durch Broche und Nadel in ihrer Tugend bedrohte Epiciertochter zu hüten hätte . Und das heißt Sitte ! Sitte , Kindersinn , je les respecte , mais j ' en déteste la caricature . Und davon haben wir hierlandes ein gerüttelt und geschüttelt Maß . « » Ich glaube « , nahm jetzt Lewin das Wort , » Tubal empfindet wie du , wie wir alle . Sein Bedenken , wenn ich ihn recht verstehe , wurde nicht der Gabe , sondern des Gebers halber ausgesprochen . Graf Bninski nähert sich Kathinka , er bewirbt sich um ihre Hand . Vielleicht , daß ich mich irre , aber ich glaube nicht . « Die Tante war sichtlich überrascht . Dann fragte sie hastig : » Und der Vater ? « » Er steht dagegen , auch Tubal . Sie schätzen den Grafen persönlich , er ist reich und angesehen . Aber du kennst die Gesinnungen beider Ladalinskis oder doch des Vaters . Und Bninski ist Pole vom Wirbel bis zur Zeh . « » Und Kathinka selbst ? « Es blieb bei dieser Frage , denn ehe Lewin antworten konnte , wurden im Spiegelzimmer Stimmen laut , und dem zwei Doppelleuchter vorantragenden Jäger paarweis folgend , traten jetzt Krach und Bamme , dann Medewitz und Rutze bei der Gräfin ein . Nach kurzer Begrüßung wurde auf dem großen Sofa Platz genommen , und die Gräfin , abwechselnd an den einen oder andern ihrer Gäste sich wendend , teilte denselben mit , daß Baron Pehlemann wegen eines neuen heftigen Podagraanfalles abgeschrieben , Drosselstein aber - durch Geschäfte zurückgehalten - erst für 4 1 / 2 Uhr sein Erscheinen zugesagt habe . » Ich denke « , so schloß sie , » wir warten auf ihn . Der ersten Viertelstunde , die das Recht jeden Gastes ist , legen wir die zweite zu . « Alles verneigte sich , wenn auch unter geheimem Protest . Eine solche Wartehalbestunde pflegt der Unterhaltung nicht günstig zu sein . Die Schweigsamen schweigen mehr denn je , aber auch die Beredten halten ängstlich zurück , unlustig , ihre vielleicht nur noch des Abschlusses harrende glänzende Anekdote durch die Meldung des eintretenden Dieners unterbrochen und zu ewiger Pointelosigkeit verurteilt zu sehen . Bamme gehörte dieser letzteren Gruppe an , bezwang sich aber und war der einzige , der den ersichtlichen Bemühungen der Gräfin hilfreich entgegenkam . Freilich nur mit teilweisem Erfolg . Über eine sprungweise Konversation kam man nicht hinaus , und die Fragen drängten sich , ohne daß eine rechte Antwort abgewartet wurde . Das Baron Pehlemannsche Podagra gab den dankbarsten Stoff . » Warum mußte er beim letzten Dachsgraben wieder zugegen sein ? Ein Podagrist und zwei Stunden im Schnee ! Warum riß er wieder den Rauenthaler an sich ? Aber das ist so Pehlemannsche Bravour : ein freudiger Opfertod auf dem Altar der Gourmandise ! Im übrigen , wo blieb Cedo majori ? Warum hat er nicht seine Muse zitiert ? « » Er hat « , entgegnete die Gräfin und nahm aus einer vor ihr stehenden Alabasterschale ein zierlich zusammengefaltetes Billet . Aber die beiden Stutzuhren , auf deren gleichen Pendelgang Tante Amelie mit peinlicher Gewissenhaftigkeit hielt , schlugen eben halb , die gewährte Frist war um , und die Flügeltüren des hell erleuchteten Eßsaals öffneten sich pünktlich und lautlos nach innen zu . Die Gräfin und Krach führten sich . In demselben Augenblick trat auch Drosselstein ein . Mit der Linken hinübergrüßend , wie um anzudeuten , daß er die Tischprozession nicht zu stören wünsche , bot er Renaten seinen Arm . Bamme und Lewin folgten , dann Medewitz . Rutze machte den Schluß . Dieser , ein leidenschaftlicher Schnupfer , benutzte die Gelegenheit , um aus der stehengebliebenen Tabatiere der Gräfin zu naschen . Nicht ungestraft . Ehe er noch die Schwelle des Saales überschritten hatte , war schon das Gewitter herauf . Alles lachte , und Bamme rief : » Ertappt ! « Nur Krach bewahrte wie gewöhnlich seine Haltung . Fünftes Kapitel Le diner In dem Speisesaale herrschte , trotz Kaminfeuers , die im Eßzimmer sich ziemende niedrige Temperatur . An einem ovalen Tische war gedeckt . Die Gräfin saß , wie herkömmlich , zwischen Krach und Drosselstein , ihr gegenüber Renate . Jäger und galonierte Diener waren geschäftig ; ein Kronleuchter brannte . Der Graf überblickte , während er das Serviettentuch einknotete , den Saal , dessen architektonische Verhältnisse , durch einfache Ausschmückung unterstützt , auch heute wieder den angenehmsten Eindruck auf ihn machten . Es waren vier Stuckwände , gelblich getönt , von Goldleisten eingefaßt , am Plafond ein Deckenbild , das » Gastmahl der Götter « darstellend , eine Kopie nach dem bekannten Fresko der Farnesina . Krach und Rutze , wie sich klarmachend zum Gefecht , schoben die Gläser hin und her , Drosselstein aber wandte sich jetzt der Gräfin zu , um , nach einigen der Erbauerin des Saales und ihrem Geschmacke geltenden Verbindlichkeiten , nach dem Grafen Narbonne , dem ersten Adjutanten des Kaisers , zu fragen , der , wie die Zeitungen gemeldet , am Weihnachtsheiligabend auf seiner Rückkehr von Rußland beim Könige gespeist habe . » Ich hörte davon « , erwiderte die Gräfin ; » auch General Desaix war zugegen . Graf Narbonne , oh je me le rapelle très bien . Er gehörte dem alten Hofe an , war ein Liebling Marie Antoinettens und lancierte sich geschickt in das Empire hinüber , Wissen Sie , was ihm das Herz des Kaisers eroberte ? « Drosselstein verneinte . » Eine Sache der Etiquette . Also eine Bagatelle , ein Nichts , wie die Leute von heute sagen würden . Aber die Parvenus sind auf keinem Gebiete so bereitwillig , zu lernen und zu belohnen , als auf diesem . Ich habe die Anekdote aus Graf Haugwitz