geschlossenen Raumes und taumelte auf , um zu trinken . Die Zunge klebte ihm fast am Gaumen , seine Stirn brannte , Fieberdurst raste in allen seinen Adern . Er kroch durch die niedere Tür hinaus in den Vorraum und hob das dort stehende Gefäß mit Wasser zum Munde , um zu trinken . Aber wie kalt war der Wind , wie durchschauerte es ihn und trieb ihn zurück unter die schützenden Decken ! Er mußte krank sein , das fühlte er genau ! - - Schon wandte er sich , um wieder in die Höhle zu schlüpfen , als zufällig sein Blick die nächste Umgebung streifte . Er fuhr mit der Hand über die Augen . Dort , wo das Mondlicht , von Blättern und Zweigen gebrochen , zwischen den hohen Stämmen am Boden spielte , in der Nähe der aufgestapelten Kisten mit Wein , - bewegte sich nicht dort im Gebüsch eine menschliche Gestalt ? Nur Augenblicke dauerte die Erscheinung , nur wie ein Schatten glitt sie zwischen dem Grün dahin , aber dennoch - - Ein Schauer durchrieselte Roberts ganzen Körper . Wie gebannt , wie gelähmt blieb er stehen und starrte unverwandt hinüber . Nein , nein , es war unmöglich , er konnte sich nicht täuschen , er hatte deutlich einen Menschen , einen Mann in Seemannskleidung durch die Zweige schlüpfen sehen . Noch jetzt bewegten sie sich , wie von einer plötzlichen Berührung . Roberts geistige und körperliche Kräfte kehrten plötzlich zurück . Er trat auf den freien Platz hinaus und rief mit lauter Stimme : » Wer ist da ? « Aber nur der Nachtwind antwortete ihm . Kein Laut unterbrach die tiefe Stille . Robert lauschte , und dann rief er wieder , bis es ihm kalt über den Rücken herabrieselte und er sich selbst für wahnsinnig hielt , bis ihn in der weglosen Wildnis die eigene Stimme wie ein unheimliches Etwas erschreckte . Im dichten Gebüsch zu suchen wäre unmöglich gewesen , da die Dunkelheit jede Flucht begünstigt haben würde , da sich der Fliehende in nächster Nähe hätte verstecken können , ohne gesehen zu werden . Wer war er überhaupt ? - Ein Mensch oder ein Gebilde des wachen Traumes , ein Schatten , den die Mondstrahlen hervorgezaubert hatten ? - Robert wußte es nicht . Er glaubte bestimmt , die Erscheinung gesehen zu haben , aber woher sollte sie gekommen sein und warum sollte sie sich verbergen wollen ? Wenn die Piraten den Schlupfwinkel ihres entflohenen Opfers wirklich aufgespürt hätten , so würden sie keinesfalls zögern , sich mit offener Gewalt des Raubes zu bemächtigen und ihn als lästigen Zeugen dieser Unternehmung beiseite zu schaffen . Wen sollten sie auch fürchten ? Was sollte sie hindern , einen wehrlosen Jungen zu töten , nachdem sie schon eine ganze Schiffsmannschaft hatten verschwinden lassen ? Die Insel war klein , vielleicht eine bis anderthalb Meilen im Durchmesser , und kaum so lang wie breit . Robert hatte sich auf seinem letzten Ausflug völlig überzeugt , daß sich hier keine Ansiedlung befand , daß er der einzige Bewohner war , und daß das nächste benachbarte Eiland etwa auf Kanonenschußweite entfernt lag . Woher sollte also dieser Seemann gekommen sein ? Ein Unglücklicher , ein Schiffbrüchiger war er ja bestimmt nicht , da er doch sonst nicht geflohen wäre . Robert schüttelte den Kopf . Er hatte so lebhaft an das Schiff gedacht , daß sein Auge Gestalten erblickte , die in Wirklichkeit nicht vorhanden waren . Und doch berührte ihn dieser kleine Zwischenfall äußerst unangenehm . Er schob eine Kiste vor die Tür , ehe er sich zum Schlafen hinlegte , und konnte auch dann noch lange Zeit kein Auge schließen . Unwillkürlich horchte er , ob nicht irgendein Geräusch die Rückkehr des Unbekannten verriete , aber alles blieb still . » Hätte ich Pikas hier ! « dachte Robert , » hätte ich nur irgendein lebendes Wesen , und wäre es ein dummes kleines Vögelchen . Aber so ganz allein , das ist schrecklich . « Er wälzte sich unruhig auf seinem heißen Lager und schlief erst gegen Morgen ein . Als dann die Sonne hoch am Himmel stand , machte er sich daran , die ganze nächste Umgebung der Höhle genau zu untersuchen , aber ohne einen anderen Erfolg als am vorigen Abend . Es war keine Spur der Gegenwart eines Menschen zu finden , kein Anzeichen , daß jemand dagewesen war . Robert ging bis an den Strand , sah über das Meer nach allen Richtungen , forschte auch an der Küste des gegenüberliegenden Eilandes mit angestrengten Blicken nach einem Schiff oder Boot , aber nichts zeigte sich , kein Laut war zu hören . Robert wandte sich seiner Niederlassung wieder zu . Er war jetzt vollkommen überzeugt , in der vergangenen Nacht nur besonders lebhaft geträumt oder gefiebert zu haben und gab seufzend die letzte Hoffnung auf . Jetzt mußte er sich zuerst einen neuen Anzug nähen , daran allein hatte er zu denken , obgleich es ihm lieber gewesen wäre , sich wieder hinzulegen und in den Tag hineinzuschlafen . Er suchte aus dem reichlichen Vorrat aller möglichen Stoffe den dunkelsten und haltbarsten heraus , dann schnitt er einen langen Streifen Segeltuch ab , nahm an seinem eigenen Körper Maß und begann mit dem Taschenmesser auf einer Kiste zuzuschneiden . Anstatt der Knöpfe würde er Bindfaden verwenden müssen , das ließ sich nicht ändern , und Futter gab es auch nicht . Aber dennoch war alles besser als die Lumpen , die er jetzt trug . Als Robert die mühevolle Arbeit des Zuschneidens beendet hatte , nahm er eine Rolle Bindgarn , das er aufdrehte , bis der Faden zum Nähen geeignet schien ; dann holte er seine künstliche Nadel und fädelte ein . Aber an das Mittagessen mußte ja auch gedacht werden , obwohl er nur wenig Hunger verspürte . Er machte also Feuer , setzte Fleisch und Bohnen auf und war nun abwechselnd am Kochen