Verwandtschaft mit der Weisheit wir kennen . « Jetzt kam der Burggraf , pustend und sich den Schweiß von der Stirn wischend : » Keine Gefahr mehr ! ... Wir haben alles gerettet ! « » Ihr habt ! Ihr habt ! - Der liebe Herrgott hat ! - Ihr habt nichts getan als Unsinn , mir meinen Baum verstümmelt ... Gibt es denn keine Feuerspritze ? Hat keiner von den Dummköpfen an eine Feuerspritze gedacht ? « rief der Graf zornig - in diesem Augenblicke war das nächstliegende Auskunftsmittel ihm selbst eingefallen . » Die Feuerspritze ist noch nicht zurück von dem Waldhof , wohin sie gestern geschickt wurde , weil ein paar leere Bauernscheunen brannten - ganz unnötigerweise - ich hab es gleich gesagt « , versetzte der Burggraf . Sein Herr fuhr ihn an : » Da haben Sie etwas Sauberes gesagt ! ... Aber lassen Sie das jetzt gut sein . Kümmern Sie sich auch ein wenig um mich - sorgen Sie dafür , daß endlich aufgetragen werde . Meine ganze Hausordnung ist gestört ... Wo bleibt Peter ? « Trotz aller Eile , mit der man nun das Auftragen des Mittagsmahles betrieb , wurde es vier Uhr , bevor die Herrschaften sich zu Tische setzen konnten . Der Gewitterregen war in einen dichten , anhaltenden Landregen übergegangen , man mußte den Rest des Tages im Zimmer zubringen , was die üble Laune des Grafen nicht wenig erhöhte . Er hatte Ronald mit den Worten empfangen : » Trop de zèle , mein guter Ronald - trop de zèle « , und sah ihn , schmollend wie ein Kind , entweder verdrießlich oder gar nicht an . Der Nachmittag drohte langweilig zu werden ; die Gesellschaft hatte sich in den großen Saal begeben . Regula dachte im stillen darüber nach , ob Ronald sie wohl verstehe . Der Graf vertiefte sich in die erstaunlichen Kombinationen eines Kapuzinerspieles , auch die Gräfin und Ronald schwiegen . Da sagte Röschen , die bisher ganz still und nachdenklich gewesen war , plötzlich : » Es war schrecklich , das Gewitter ! « » Haben Sie Angst gehabt ? « fragte Ronald . » O sehr « , erwiderte Röschen , » um Sie ! « Regula warf ihrer Nichte einen mißbilligenden Blick zu , der Graf jedoch hob den Kopf empor , und ein schalkhaftes Lächeln erhellte sein altes Gesicht . Seine Liebe zu seinen Kindern kam ihm augenblicklich zum Bewußtsein , sobald andere ihnen Teilnahme zeigten . Mit unnachahmlicher Liebenswürdigkeit sagte er zu Röschen : » Erlauben Sie , mein Fräulein , daß ich Ihnen im Namen dieses Landjunkers ohne Lebensart ergebenst danke ! « Seine Verstimmung war wie durch Zauber verschwunden , er machte Fräulein Heißenstein förmlich den Hof , was sie entzückte , und bat sie endlich , eine Partie Bézique mit ihm zu spielen : » Um die Ehre natürlich . « Ronald könne indessen der Gräfin und Röschen etwas vorlesen . » Etwas Heiteres , etwas von Kotzebue . Nur mit deinen Klassikern verschone die Damen ! « Der Graf und Regula gingen an den Spieltisch , der in einer Ecke des Saales stand , und Ronald erkundigte sich nach Fräulein Röschens Geschmack in der Literatur . Die Schülerin Mansuet Weberleins legte arglos ihre Kenntnisse an den Tag , und welch eine drollige Raritätensammlung kam da zum Vorschein ! Ronald konnte sich nicht genug wundern . Dieses reichbegabte , begeisterungsfähige Geschöpf hatte in die lichte Zauberwelt der Poesie niemals einen Blick getan ; fremd geblieben war ihr alles Schöne , was je gesungen und gesagt worden . Nach kurzem Besinnen holte Ronald ein stattliches Buch herbei ; vielgelesen gab es Zeugnis von der Freundschaft , in welcher sein Besitzer zu ihm stand . Es enthielt einfache und hehre Gesänge aus uralter Zeit . Teils las , teils erzählte Ronald » dem freudig blickenden Mägdlein « von den Kämpfen herrlicher Helden um ein zauberisches Weib , um eine Stadt , die mit dem Urbilde der Schönheit das Verderben in ihre Mauern aufgenommen ; vom unversöhnlichen Haß der Menschen und der Götter - aber auch von Vaterlandsliebe , häuslicher Tugend , von Kindes- und Gattentreue . Er las , wie der tapferste all der Königssöhne , die hinauszogen , um ihren bedrängten Herd zu verteidigen , Abschied nahm von seiner Gattin und von seinem lieben Kinde , wie er es geküßt und sanft in den Armen gewiegt ... Ein tiefes Atmen , ein leises Schluchzen unterbrach Ronald . Röschen , die ihn eben noch mit leuchtenden Augen angesehen hatte , saß nun da mit gesenkten Lidern , bebenden Lippen und rang mit ihren Tränen . Die Gräfin legte den Arm um sie , Ronald sprang bestürzt empor ... » Double Bézique ! « rief der Graf triumphierend und lachte aus vollem Herzen : » Sie hätten das verhindern können , mein Fräulein ! « Aber das Fräulein war zerstreut gewesen . Sie hatte , statt ihr Aufmerksamkeit auf das Spiel zu konzentrieren , Ronalds verwünschtem » Tik-tak-tak « zugehört , wie der Graf , den Silbenfall des Hexameters nachahmend , sagte . » O Herr Graf ! « sprach Regel , ihre Karten auf den Tisch legend , » verunglimpfen Sie nicht den traulichen Sänger von Chios ! « Sie wünschte , daß Ronald weiterlese , aber dieser entschuldigte sich und sah dabei so verlegen , ja fast verstört aus , daß Fräulein Heißenstein der Behauptung des Grafen , eine gelehrte Dame wie sie imponiere seinem Sohne viel zu sehr , allen Ernstes Glauben schenkte . Röschen blieb den Rest des Abends schweigsam ; sie hatte einen mächtigen Eindruck empfangen , einen Blick in eine neue Welt getan , Gestalten , von unsterblichem Leben erfüllt , groß in Tugend und Schuld , an sich vorüberwandeln gesehen . Und aus dem Bilde voll Erhabenheit und Glanz war , umstrahlt von der Majestät des Schmerzes , ein liebes , schönes Menschenpaar hervorgetreten und hatte sie an eine Erinnerung