Stahl und vergoldet - ein Geschenk des Freiherrn . Eine große Menge Leute hat sich versammelt ; es gibt doch viele Bewohner in den Wäldern . Von Holdenschlag aber soll kein Mensch dagewesen sein , nicht einmal der Pfarrer . Letztlich gönnen sie uns etwan gar die neue Kirche nicht ? - Wohl aber ist jenseits des Winkelbaches der Einspanig gesehen worden . Er schleicht und lauert , zerrt sein aschenfarbig Lodentuch über das bewüstete Haupt ; hastet am Bache hin und wieder und endlich hinein in das Dickicht . - Das ist ein seltsamer Mensch ; mehr und mehr zieht er sich zurück von den Leuten und nur an bedeutsamen Tagen wird er gesehen . Niemand weiß , wer er ist , von wannen er kommt und was er webt , das weiß kein Weber . Auch der Holzmeister nimmt an dem Feste teil , ist ganz außerordentlich aufgeziert und hat gar seinen roten Vollbart gekämmt . In der Hand hat er einen beknopften Stock getragen , da merke ich gleich , es geht nicht gewöhnlich . Und richtig , er hält eine Rede , in welcher er sagt , daß er heute im Namen des Waldherrn der neuen Gemeinde die neue Kirche übergebe . Das Kreuz trägt ein kräftiger Mann an den Arm gebunden hinauf . Es ist Paul , der junge Meisterknecht aus den Lautergräben . Von dem Turmfenster , durch das er heraussteigt , ist ein sehr einfaches Gerüste an dem beinahe senkrechten Schindeldach empor bis zur Spitze . Gelassen klettert der Träger an den Balken hinan . Zur Spitze angekommen , steht er frei aufrecht und löst sich das Kreuz vom linken Arm . - In der Menschenmasse ist es still , und ringsum kein Laut , als ob noch die Urwildnis wäre an den Ufern der Winkel . Jeder hält den Atem an , als wäre ein unbewachter Hauch imstande , dem Manne auf schwindelnder Höhe das Gleichgewicht zu stören . Der Paul hütet seinen Blick und seine Bewegungen sind langsam und regelmäßig . Ich vermeine schon ein Zucken und Wenden zu bemerken , das nicht zur Sache gehört , schon faßt mich der Schreck - da senkt sich das Kreuz in seinen Grund und steht fest . In demselben Augenblick strauchelt der Mann - da schallt herunten in meiner Nähe ein Schrei . Aber Paul steht oben . Der Schrei ist aus dem Munde der Anna Maria gekommen . Sie ist blaß und ohne noch einen Laut zu tun , setzt sie sich auf einen Stein . Und jetzund wird ' s erst lustig . Der Paul zieht ein Glas hervor , hebt es , leert es und schleudert es nieder auf den Boden . Es zerspringt in tausend Scherben und die Leute ringen untereinander um diese Scherben , um solche für ihre Enkel zu erhaschen und dereinst sagen zu können : sehet , das ist ein Teil des Glases , aus dem bei der Aufrichtung unseres Kirchturmkreuzes getrunken worden . Noch steht der Paul auf hoher Spitze , Arm in Arm mit dem Kreuze ; da kommt im Turmfenster der graubärtige Kopf unseres Fabelhans-Rüpel zum Vorscheine . Der zwinkert so gewaltig mit den weißen Augenbüschen , daß man es gar herunten bemerken kann , und hebt so an zu reden : » Weil ich mich nicht auf die Spitz ' getrau , so ich zu diesem Fenster herausschau . Auf der Spitz ' steht ein junger Mann , dem steht das Trinken an ; das Reden aber mir Alten . Will euch doch keine Predigt halten ; dafür wird unten die Kanzel gebaut und dieselb ' einem rechtschaffenen Pfarrer vertraut . Neben der Kanzel werdet ihr einen Taufstein erblicken ; dem hab ' ich nichts mehr zu schicken ; aber es gibt Leut ' in der Pfarr ' , die brauchen so ein Waschtrog alle Jahr ' ; der Taufbrunn ' darf nicht zu klein , im Holzhauerland muß das ein starker Brunnen sein . Aber gleich daneben tut der Beichtstuhl steh ' n , da tragen sie alle Sünden hinein , sind sie groß oder klein . Gott wird sie verzeih ' n ; der Beichtvater aber soll die Ohren verschließen , der kann die Sünden von sich selber wissen . Dann ist der Hochaltar , da schüttet man seinen Kummer aus und geht wieder frisch und jung nach Haus . Und der liebe Gott wird zwölf Engel senden , die werden die Gemeinde bewachen an allen Enden . Da hör ' ich , was auf dem Turm das Glöcklein spricht , und seh ' leuchten das heilige Kreuz im Sonnenlicht , wie ein Wegweiser , ein göttliches Zeichen , daß wir allzusamm ' mit Gottes Gnad ' den Himmel erreichen . - Und weil ich heut ' auf diesem Turm schon die Glocken muß sein , so ruf ' ich es weit ins Land hinein , daß es hallt und schallt über Berg und Wald , bis hin in die schöne Stadt , wo unser braver Herr seinen Wohnsitz hat . Ich und wir all ' und die ganze Gemein ' bedanken uns wohl von Herzen fein für ' s Gotteshaus zur schönen Zier ! und der Engel soll uns leiten all ' zur himmlischen Tür . - Das ist mein armer Gruß ; und noch tät ' ich meinen zum Schluß : eh ' vor wir selbander im Himmel uns freu ' n , wollen wir auf Erden noch lustig sein ! « In den Herzen haben die Worte gezündet , und ich hätte gleich meinen eigenen Schutzengel mögen schicken , daß er dem Herrn in der Stadt den lieblichen Dankesgruß gebracht . Als hierauf der Paul glücklich vom Turme zurückkommt auf den festen Erdengrund , hat ihn sein Weib mit beiden Armen empfangen : » Gott gibt dich mir mit eigenen Händen zurück ! « Darauf gehen sie dem Hause zu , das heute eine laute Schenke geworden ist . Und siehe die Fügung , da ist der