Herzog mir entgegen . Bei dem Namen Faber schlug der Verwundete das schon brechende Auge in die Höhe . Eine Lebenshoffnung mochte in ihm erwachen . Faber , lallte er , Faber ! Er tastete nach meiner Hand und drückte sie mit letzter Kraft an seine Brust : ein eisiger Schauder überrieselte ihn , der Todesschweiß tropfte von seiner Stirn . Barmherzigkeit , Faber , Barmherzigkeit ! hauchte er noch und sank in meine Arme - entseelt . Wie eigen war mir zumute , als ich die Uniform meines alten Regiments löste und in Erinnerung der Heimat doppelt begierig hätte helfen mögen , wo doch alle Hilfe vergeblich war . Der Prinz war nicht verwundet , wie wir angenommen hatten , nur von der Kugel gestreift , und ein Blutgefäß des Herzens durch die Erschütterung oder den ungestümen Ritt oder den Sturz vom Pferde lädiert . Niemals sah ich einen vollkommeneren männlichen Körper . Auf seinem Herzen fand ich ein Band , gehüllt in ein Blatt , das unter wohlbekannten Zügen einen verehrten Namen trug . Ich gestatte mir keinerlei Deutung . Aber mit Allerhöchster Genehmigung lege ich diese Reliquie , vielleicht als ein trostreiches Angedenken , in der Freundin Hand , das einzige Angebinde , das ich Ihnen heute zu bieten habe , teure Dorothee . « Und nun wickelte ich wieder das blaue Haarband vom Frühlingsfeste um meine Finger , und ich betrachtete das Blatt , welches nichts als den Namen » Hardine von Reckenburg « trug , die abgerissene Unterschrift eines meiner wenigen Briefe an Dorothee , und von dem , welchem das Blatt bei irgendwelchem Anlaß zugespielt worden war , vielleicht niemals bemerkt . Aber war es nicht eine seltsame Fügung , daß Siegmund Faber es sein mußte , welcher das Andenken von der Brust des Mannes nahm , der sein Lebensglück vernichtet hatte , und daß er es , als das Liebeszeichen einer anderen , in die Hand seiner treulosen Verlobten zurücklegte ? Ich aber , wie hätte es in jenen Stunden ohne Einfluß auf mich bleiben können , daß über dem brechenden Herzen Name und Schriftzüge der Freundin geruht , welche er Schwester genannt hatte , als er mit seinem Abschiedsworte das geliebte Weib ihrem Schutze anvertraute ? Wie hätte ich mich in jenen Stunden anklagen mögen , weil das Vermächtnis des toten Freundes stärker in mir sprach , als die Pflicht gegen den lebendigen ? Ich ging in meine Kammer und warf mich unentkleidet aufs Bett . Dorothee schlief : ich fand keine Ruh ! Die Ereignisse dieser Sonnenwende verschlangen sich wie greifbare Erscheinungen vor dem halbbetäubten Sinn , von jenem Festtage an , wo ich die alte Reckenburgerin das Liebeslied der Königsmark trällern hörte , bis zu dem Schmerzensbilde , das Siegmund Faber enthüllt hatte . Ich träumte mit offenen Augen , und es währte wohl eine lange Weile , ehe ich zwischen den Phantomen der Erinnerung die leibhaftige Gestalt unterschied , welche bei dämmerndem Morgen vor meinem Lager kniete mit gesenktem Kopf , die Arme über der Brust gekreuzt gleich einer Verbrecherin . » Wollen Sie mich retten , Fräulein Hardine ? « flüsterte sie nach einer langen Stille . Eine neue lange Stille folgte , und statt der Antwort nur die Gegenfrage : » Was denkst du zu tun , Dorothee ? « » Denken - ich ? « versetzte sie , indem sie traurig den Kopf schüttelte . » Ich will tun , was Sie sagen , Fräulein Hardine . « » Nicht , was ich sage , was Siegmund Faber sagt , « entgegnete ich . Sie aber rief mit einem Schauder : » Der - der ? Was hab ich mit dem noch zu schaffen ? « Doch verstand sie meinen vorwurfsvollen Blick , denn sie setzte hastig hinzu : » Ich werde ihm das Seine zurückgeben und mein Brot mit meiner Hände Arbeit verdienen . « In anderer Stimmung würde ich beim Anblick dieser zartgeschonten Hände den ausgesprochenen Entschluß belächelt haben . In der gegenwärtigen sagte ich nur : » So schreibe ihm heute noch , Dorothee , bekenne ihm die Wahrheit und empfange dein Schicksal aus seiner Hand . « Sie fuhr in die Höhe mit einer Heftigkeit , die ich niemals an ihr gekannt hatte . » Ihm schreiben , und heute noch ! « rief sie . » Ihm alles sagen , ihm , ihm ! Nein , das verlangen Sie nicht , nur das eine nicht , Fräulein Hardine , das kann ich nicht . « » Nun denn , so will ich es tun an deiner Statt , « sagte ich . » Würde ein Brief ihn treffen , Fräulein Hardine ? « entgegnete sie . » Es sind zehn Tage , daß er schrieb , eine ebenso lange Zeit müßte vergehen - - und lebt er denn noch ? Und wo ? Und wie ? « Sie hatte recht . Wo stand die Armee in dieser Stunde ? Vorwärts in Feindesland ? rückwärts am Rhein ? Ein eintreffender Brief konnte bei so unsicheren Zeitläuften ein Wunder genannt werden . Und durfte ich ein solches Geheimnis der Verschleuderung und einer fremden Entdeckung preisgeben ? Nein . Wir mußten weitere Nachrichten von oder über Faber erwarten . » Wohlan , Dorothee , « sagte ich nach einer Pause und ergriff ihre Hand , » wenn denn zur Stunde nicht vor ihm , so vor der Welt zeige entschlossen , daß euer Bund sich gelöst . Kehre in deines Vaters Haus zurück ; nimm die Demütigung auf dich als Sühne der Schuld ; setze Pflicht gegen Pflicht . « - Es war wie ein Todesurteil , das sie vernommen hatte . Ein Fieberfrost durchschüttelte ihren Leib , sie sank von neuem auf die Knie . » Muß es sein ? « hauchte sie kaum vernehmlich . » Ja , es muß sein , Dorothee . « » Jetzt , gleich jetzt , vor der Zeit : O , Fräulein Hardine , mir ist