, der zuweilen schon selbst nicht ungern ein wenig zwischen die beiden geworfen hätte , fühlte sich erleichtert , als er eine schwere Sorge des Mädchens , auch aus seinem ungeschickten Benehmen erwachsen , wieder schwinden sah . Er nahm an den nun folgenden Gesprächen so lebhaften Anteil , daß ein nur Hörender ihn für den Gesundesten unter allen gehalten hätte . Es war ihm auch wirklich noch selten an einem Sonntage so herzlich wohl gewesen . Nur als Hans und Dorothee die Stube verlassen hatten und er sie von seinem Lager aus hart nebeneinander dem stolzen Stighofe zuschreiten sah , zog etwas wie eine Wolke über sein ausdrucksvolles Gesicht , und der Fuß begann recht weh zu tun , gerade als ob das in den letzten Stunden Versäumte und Verplauderte sogleich wieder eingebracht werden müsse . Dreizehntes Kapitel Eine Unterredung im Herrenstüble Die Unterhaltung mit Jos war so lebhaft , daß Hans dabei ganz vergaß , er habe einen Kranken besuchen wollen . Dachte er doch nicht einmal mehr daran , den Knecht zu fragen , ob er auch so bald als nur menschenmöglich wieder auf den Stighof zu kommen entschlossen sei . Das kam wohl zum Teil davon , weil das Benehmen des Burschen eine solche Frage wirklich fast unnötig erscheinen ließ , hauptsächlich jedoch unterblieb sie darum , weil Hans jetzt um den Jos besorgter war als um sich selbst . Daheim war ihm das ärgste an der Geschichte gewesen , daß er dem geschickten Knechte unrecht tat und ihn nun missen sollte ; nun aber begann er sich dessen angebundenes , sorgenvolles Leben zwischen den engen vier Wänden vorzustellen , und dagegen war nur eine Kleinigkeit , was seit der Abwesenheit des unersetzlichen vertrauten Nothelfers ihn gedrückt und beunruhigt hatte . Erst jetzt ärgerte er sich recht über den Krämer , welcher die Stirn hatte , das lächerlich zu nennen . Im Heimgehen machte er seinem Herzen etwas Luft . Die Magd war erstaunt , ihn gleich einer eifrigen Betschwester , die mit der ganzen bösen Welt im Kriege lebt , am Krämer und seinem falschen Kätzchen herumtadeln zu hören . Dorothee mochte die Zusel auch nicht besonders wohl leiden , aber endlich ging ihr denn Hans doch gar zu weit , und beinahe bittend empfahl sie ihm Maß und Billigkeit in Lob und Tadel . Besonders betonte sie , daß man einem Menschen seiner Eltern und Verwandten wegen nichts geben und nichts nehmen dürfe , was er nicht selbst von ihnen habe . Das aber war von Hansen gar zuviel gefordert gegenüber einem Mädchen , welches er sich vergebens mit Gewalt aus dem Kopfe bringen wollte . Zusel hatte denn doch zu viel von ihrer älteren Schwester , als daß sie ihm ganz gleichgültig hätte bleiben können . Wie mit Gewalt zog es ihn immer wieder zu ihr , aber dabei hatte er stets das Gefühl , daß das Mädchen ihn um den Frieden mit sich selbst bringen , ihn unglücklich , ja sogar schlecht machen werde . Er empfand das am lebhaftesten , als er aus dem Hause des Jos kam , gegen den auch nur die Zusel aufgehetzt hatte . Darum stellte er alles in bunter Reihe vor sich auf , was er über das Mädchen wußte oder gehört hatte , in dem guten Glauben , sich schließlich dahinter gegen sie verschanzt und sicher zu machen . Hans sagte sich sogar , daß Zusel mit der stolzen Gestalt ihrer Schwester gleichsam sein böser , die etwas strenge , dabei aber doch so demütige Dorothee dagegen sein guter Engel sei . Unter dem Worte Engel aber dachte er , wie wohl jeder Bregenzerwälder , an ein ungemein ernsthaftes , strenges Wesen , und neben dem Mädchen war ihm auch wirklich beinahe zumute wie einem Feiertagsschüler neben dem Pfarrer . Er nahm daher Dorotheens Zuspruch hin , ohne viel darauf zu erwidern . Daheim wurden ihm die Stunden bis zum Abendessen so lang , daß er Gott von Herzen dafür dankte , daß es nun wieder sechs Tage zum Arbeiten gab , ehe man abermals einen langweiligen Sonntag erleben mußte . Er arbeitete wieder so oft als möglich neben Dorotheen , obwohl jene Scheu gegen das Mädchen immer noch nicht ganz überwunden war . Am Abende jedes Tages schickte er sie selbst , sich nach dem Befinden des Knechtes zu erkundigen . Es wollte ihm fast zu lang immer beim alten bleiben , und als es wieder Sonntag wurde , suchte er im Herrenstüble beim Rößlewirt den Doktor auf , um sich ernstlich nach dem Stande der Dinge zu erkundigen und , wenn ' s möglich war und er sich ' s ordentlich vorzubringen getraute , dem Arzte etwas mehr Fleiß zu empfehlen . Doch mit solchen Herren wußte er nicht gut umzugehen . Was er sagen wollte , konnte er allerdings ganz gut vorbringen , aber die gestellten Fragen brachten ihn dann gleich in Verlegenheit , weil er sich darauf eben gar nicht vorbereiten konnte . Sonst wurde Hansen nicht so leicht bang . Er machte , so gut er konnte , und dann ging ' s. Geschlittet oder mit dem Wagen galt ihm gleichviel , wenn er nur ans Ziel kam , und das gelang noch immer . Wenn ' s schwer hielt , trank er vorher zwei Schoppen Tiroler , und dann war er der Mann . Wie ? Sollte das nicht auch vor einer Unterredung mit hochgestellten Herren gut sein und die Zunge beweglich machen wie sonst ? Den Versuch war ' s jedenfalls wert , und wenn ' s nun gelang , dann sollte noch einer kommen und sagen , daß er niemals einen klugen Einfall habe ! Er dachte schon daran , künftig sogar der Mutter diese Behauptung nicht mehr unbestritten zu lassen . Siegesicher trat er erst in die Gaststube und machte sich mit einem Eifer an den ersten Schoppen , daß bald auch der zweite geholt werden mußte . Mit einer Beredsamkeit , die den funkelnden Inhalt