Hagebucher ein wenig grimmig seinen Satz und fuhr fort : » Ich habe mit dem Weibe begonnen : aber ich bin nicht weit gekommen . Der Vetter Wassertreter kannte nur die Tante Schnödler und die Kusine Klementine ; meine Mutter und Schwester dürfen natürlich nicht in Betracht gezogen werden ; denn solche verwandtschaftlichen Beziehungen verwirren das Auge mehr , als sie es klar machen : die erste , welche mir im höchsten Glanz und Reichtum der Form und des Temperaments entgegentrat , war jene Nikola von Einstein , welche jetzt zur Frau von Glimmern geworden ist ; aber sie studierte ich nicht , aus dem einfachen Grunde , weil sie eher befähigt war , mich zu studieren . Das Tumurkieland lag noch zu frisch hinter mir , als daß mich diese glänzenden Augen nicht geblendet haben sollten . Von der Frau Klaudine Fehleysen aber kann unter Leuten , die irgend noch im Alltage leben , durchaus nicht die Rede sein . « » Ja , wie kann ich Ihnen denn hier helfen ? « rief der Professor . » Ein Mann der vergleichenden Sprachkunde hat doch sicherlich am allerwenigsten Zeit , sich auf solche Allotria einzulassen . « » Aber Sie waren verheiratet und haben lange Jahre in einer glücklichen Ehe gelebt . « » Ja so ... richtig ... das habe ich ! « sagte der Gelehrte etwas sehr gedehnt . » Also , wenn ich Sie recht verstehe , wollen Sie wissen , wie der denkende Mensch sich in einem solchen anormalen Verhältnisse zurechtfinde . O Hagebucher , Hagebucher , Sie betrüben mich sehr : ich blicke in diesem Momente tief in Ihre Zukunft und sehe nichts Erfreuliches ! Wie undankbar sind Sie doch gegen Ihre Moira , die Sie bis jetzt so trefflich leitete und Ihnen alles aus dem Wege räumte , was Sie hinderte , ein Licht in der innerafrikanischen Sprachennacht zu werden , vom Koptischen gar nicht zu reden ! O lassen Sie sich warnen , Hagebucher , heiraten Sie nicht ! Der Nutzen ist gering und die Auslage an eleatischer Euthymia für den philosophischen Menschen viel zu bedeutend ! Spreizen Sie die Beine auseinander , stemmen Sie die Füße fest , sperren Sie sich , sträuben Sie sich ; o Hagebucher , Hagebucher , gehen Sie mir , gehen Sie sich , gehen Sie uns nicht auch verloren wie so viele andere , die ich kannte und welche der reinen Wissenschaft schnöde den Rücken wandten , um der angewandten Nichtigkeit unaufhaltsam in die Arme zu fallen ! « Die Lauscherin hinter dem Busch seufzte ebenso tief wie der Papa , jedoch aus einem andern Grunde ; Hagebucher aber sagte gerührt : » Nur die reine Wissenschaft ist ' s , die mich auch auf dieses , wie ich zugebe , nicht ungefährliche Feld der menschlichen Forschung treibt ; die praktische Anwendung des Erforschten liegt sicherlich noch weitab . Es ist damit wie mit allem , was ich bis jetzt zusammenraffte : ich hab es nur , um es zu haben . « » Das läßt sich hören ; und zuletzt ist das auch der einzig richtige Standpunkt des wahren Gelehrten « , meinte der Professor lächelnd . » Was aber soll ich Ihnen sagen ? Meine Erfahrungen sind so subjektiver Natur , und auch meine Therese halte ich für eine so spezifische Erscheinung , daß Sie unmöglich durch eine Schilderung derselben zur objektiven Anschauung des ganzen Geschlechtes gelangen werden . « » Mehr als in einem andern Falle bilden in diesem viele Tropfen einen Wasserfall « , sprach Leonhard mit allem dem Thema angemessenen Ernst . » Was könnte der Mann über das Weib anders als Subjektivitäten zutage schaffen ? « » Sie , nämlich meine Selige , hat sich für mich und mein Wohlbehagen aufgeopfert « , seufzte der Professor , das Hauskäppchen vom rechten Ohr auf das linke schiebend . » Sie sagte das mir zwar täglich ; aber eingesehen hab ich es leider erst , als sie nicht mehr war . Ach , lieber Freund , da sitzt man als Jüngling in seiner Einsamkeit und denkt an nichts und läßt es sich zwischen seinen Büchern und seinen vier Wänden so wohl sein , wie man kann . Niemand kümmert sich um einen , und man kümmert sich ebenfalls wenig um die Welt ; sein Mittagessen findet man im Kaffeehaus , und einen abgesprungenen Knopf näht man sich selbst wieder an - man weiß gar nicht , wie glücklich man ist und wie gut man ' s hat ! Es hindert einen niemand , in den Tag oder die Nacht hineinzuträumen , und man hat seine Träume - nicht wahr , lieber Hagebucher , man hat sie ? Ich habe sie jedenfalls gehabt , und das ist grad das beste dran , daß man sich Zeit dazu nehmen kann im Hellen wie im Dunkeln , daß man sie von seinem Schreibtisch hinaus in die Gasse oder das freie Feld und von dort zu seinem Schreibtisch zurücktragen kann , ohne Rechenschaft darüber ablegen zu müssen ! Das war ein angenehmer Tag , an welchem ich sie , das heißt meine Therese , fragte , ob sie die Meinige , das heißt meine Frau , werden wolle , eine recht mysteriöse Stunde war ' s : aber , mein bester Freund , als sie ja gesagt hatte und ich dann gegen Mitternacht wieder in meinem Junggesellenstübchen allein war und mir die überschwengliche Seligkeit zurechtlegte , da sind mir doch die hellen Tränen in die Augen gekommen : es stand nichts mehr am richtigen Fleck , und jedes Ding , mit welchem ich seit undenklichen Jahren auf dem Du-Komment stand , blickte mich nunmehr mit so fremden Augen an , daß ich mich ordentlich davor fürchtete . Mein Tabakskasten , meine Büchersammlung , mein Stiefelknecht , ja mein alter Schlafrock , welche sämtlich bis jetzt meine Freunde und mein Eigentum gewesen waren , waren jetzt mit einem Male zu Fremden , zu Mächten geworden ,