blauen Schürze einen Stuhl ab , und reichte ihn Witiko zum Sitzen . Dieser ließ sich auf den Stuhl nieder . » So seid Ihr noch immer auf der Pfarre in Plan ? « sagte Witiko zu dem alten Manne . » Ich bin noch da « , entgegnete der Mann , » werde wohl auch da bleiben , und in nicht entfernter Zeit als Pfarrer von Plan sterben . Ihr kennt ja meine Schwester Anna auch noch ? « » Freilich « , antwortete Witiko , und sah gegen die Spinnerin hin . Diese blickte ihn mit freundlichen blauen Augen an . » Plan ist ein sehr schöner Ort « , sagte der Pfarrer , » er liegt lieblich in dem Walde , und er ist auch wichtig . Als das Christentum noch wenig verbreitet war , als das ganze Land Böhmen noch am Heidentume hielt , waren hier zwei christliche Einsiedler , die den Fleck reuteten , darum er der obere Plan heißt , und die die christliche Lehre ausbreiteten . Darum ist dann auch eine Kirche geworden , die sehr alt ist . Die vielen Einsiedler in dem großen langen Walde hinauf sind die ersten Prediger der christlichen Lehre in diesem Lande geworden . Werdet Ihr lange hier bleiben ? « » Vielleicht länger als sonst « , sagte Witiko , » es ist noch ungewiß . « » Dann werdet Ihr doch auch zuweilen zu mir kommen , und gestatten , daß ich Euch auch in Euerem Hause begrüße « , sagte der Pfarrer . » Ich werde kommen , und es wird mir eine Freude sein , Euch bei mir zu sehen « , entgegnete Witiko . Die alte Anna , welche aus der Stube gegangen war , kam jetzt wieder herein , und brachte auf einem Teller Brod und Salz und in einem Kelchglase Met . Sie stellte die Dinge vor Witiko auf den Tisch , und sagte : » Wohl bekomme es zum Gruße . « Witiko nahm ein Schnittchen Brod , salzte es , und aß es . Dann tat er einen Schluck aus dem Glase . Hierauf erhob er sich , um sich wieder zu entfernen . Der alte Pfarrer nahm einen Lammspelz von einem Nagel an der Wand , zog ihn an , und begleitete Witiko aus dem Hause . Eine kurze Strecke unterhalb des Pfarrhäuschens kam Witiko an der Schmiede vorüber . In derselben wurde ein Pferd beschlagen . Witiko ging näher , schaute zu , besah das Pferd , und redete dann mit dem Schmiede und dem Eigentümer des Pferdes über das Pferd und über einige andere Dinge . So sprach er auch mit mehreren Männern und Frauen , welche , da er an ihren Wohnungen vorüber ging , heraus kamen , und ihn grüßten . Des Mittags mußten Martin Lucia und Raimund mit ihm an dem großen Tische in der Stube essen . Am Nachmittage ritt er auf seinem Pferde in der Richtung gegen Morgen in den Wald , und kam nach zwei Stunden wieder zurück . Am Abende , da das Pferd besorgt war , da Raimund und Lucia mit der Pflege der Rinder fertig waren , und Lucia ihre Milch aus dem Stalle in die Vorratskammer gebracht hatte , wurde das Licht auf der Leuchte der Stube , die wie ein Herd in der Wand angebracht war , durch aufgelegte fette Kieferhölzer so verstärkt , daß die ganze Stube schimmerte . Martin Raimund und Lucia mußten zu ihrem Abendaufenthalte , wie sie auch sonst taten , in die Stube kommen . Selbst Martins großer graugetigerter Hund mußte herein gelassen werden . Lucia spann an der Leuchte , Raimund flickte weiter entfernt an einem Dreschflegel , und Martin saß müßig auf der Ofenbank . Witiko saß auf einem Stuhle . Der Hund hatte sich unter den Tisch gelegt . Nach der siebenten Stunde trat ein Mann in einem Lammspelze einer Lammspelzhaube und in groben weißwollenen Beinbekleidungen mit schweren Stiefeln in die Stube . » Gottes Gruß « , sagte der Mann . » Gottes Dank « , sagten die Anwesenden . » So lebst du auch noch , Tom Johannes , der Fiedler « , sagte Witiko , » es freut mich , daß du uns besuchst . Wie geht deine Kunst ? « » Ei , Witiko « , entgegnete der Mann , » so kennt Ihr mich noch . Und die Kunst , wie sie geht ? Die Hochzeiten kommen fast ab , und bei den Tänzen werden die Spielleute immer mehr . Ich kann von den Rüben meines Feldes besser leben als von der Kunst . « » Nun von beiden « , sagte Witiko . » Und was hat denn Euch im Winter zu uns geführt ? « fragte der Mann . » Es hat sich so gefügt « , sagte Witiko . » Und werdet Ihr jetzt länger bei uns bleiben als früher ? « fragte der Mann . » Wie es eben geschieht « , antwortete Witiko , » ich weiß es selber noch nicht . « Während dieser Worte hatte Martin einen Laib schwarzen Roggenbrotes und ein Messer auf den Tisch gelegt , und Salz dazu gestellt . Der Mann setzte sich zu dem Tische , schnitt sich mit dem Messer ein Schnittchen Brod ab , bestreute es mit Salz , und aß es . Dann sprachen sie von mancherlei : von Leuten , die gestorben sind , von andern , die geheiratet haben , wieder von andern , die in die weite Welt gegangen sind , und von solchen , die in den innern Ländern Krieg wünschen , um dahin zu gehen , und Beute zu machen . Sie sprachen von dem Landbaue von der Viehzucht , und was sich in dem Walde begibt , und was sonst Neues in der Welt ist , und von ähnlichen Dingen . Um die neunte Stunde erhob sich der Mann , sagte eine ruhige Nacht , und entfernte sich . Lucia