das wußten Angelika ' s Eltern , und sie freuten sich daran , wie sehr die junge Herrin ihrem Berufe entsprach , wie ruhig und klar sie aussah , wenn sie von der Arbeit kam , wie achtungsvoll und väterlich zugleich der Freund des Hauses , der Caplan , der offenbar ihr Helfer und ihr Beistand war , sich gegen sie bezeigte . Nur Eines machte die Eltern Angelika ' s besorgt : es war die Hinneigung zum Katholicismus , welche man an ihr zu bemerken glaubte . Aber man mochte dies nicht gegen sie aussprechen , um nicht in ihr wach zu rufen und zum Bewußtsein zu bringen , was man zu verhindern wünschte , und Graf und Gräfin Berka verließen nach einem vierzehntägigen Besuche ihre Tochter mit dem festen Glauben , daß das Glück derselben ein wohlbegründetes sei und auch ein dauerndes zu bleiben verspreche . Der Baron begleitete seine Schwiegereltern zu Pferde bis an die Grenze seiner Besitzungen . Es war seit langer Zeit das erste Mal , daß er ein Pferd bestieg . Angelika stand in ihrem Zimmer am Fenster und sah ihnen nach ; der Caplan war bei ihr . Als der letzte Wagen um die Ecke gebogen war , wendete sie sich zu dem Geistlichen in das Zimmer zurück . Das ist vollbracht , sagte sie , nun helfen Sie mir weiter ! Sie setzte sich dabei nieder , als wenn sie müde , sehr müde sei . Gott hat bis hieher geholfen , Gott wird weiter helfen ! ermuthigte der Caplan . Ja , das hat er und das wird er ! rief die Baronin . Und ernte ich nicht schon jetzt die Früchte der Selbstüberwindung in der Ruhe , die aus meines Gatten Mienen zu mir spricht ? Fühle ich nicht schon jetzt die Befreiung , die mir geworden ist , seit ich Ihnen mein ganzes Herz enthüllte , seit Sie mir klar gemacht haben , auf welchem Leidenspfade Gott mich suchen gekommen ist , und daß er den züchtigt mit seiner strengen Hand , den er einst zu sich zu rufen und zu erlösen gedenkt durch seine Gnade ? Der Caplan hörte ihr ernst und schweigend zu . Es ist ein großes Glück , sagte er endlich , einen Irrenden auf den rechten Pfad zu leiten . Man nennt dies Christenpflicht , und sollte es eine Gnade Gottes heißen , die uns zu Theil wird . Ich danke ihm , daß er sie mir vergönnt hat . Und nun ich Sie , meine Freundin , auf dem Wege sehe , der Sie zu Ihrem Ziele führen wird , nun lassen Sie uns darauf sinnen , wie wir dem Freiherrn zu der völligen Beruhigung verhelfen , deren er benöthigt ist . Seine Phantasie ist immer noch erregt , er bedarf der Ableitung von dem , was ihn gepeinigt hat , er bedarf einer neuen Idee , die ihn beschäftigt . Die Erinnerung an die Unglückliche muß ihm von außen her lebendig vor Augen gehalten werden , um ihre Schrecken für seinen Geist zu verlieren . In seiner inneren Zerrissenheit und Verzagtheit hat er das kleine Haus abbrechen lassen , welches sie einst bewohnte . Das war nicht wohlgethan . Es hätte erhalten , aber einer anderen Bestimmung gewidmet werden müssen . Man hätte dort .... Eine Capelle gründen sollen , rief die Baronin , und das müßte man noch thun ! Dort eine Capelle zu erbauen , das würde dem Sinne des Barons entsprechen , würde seine Thätigkeit in Anspruch nehmen .... Der Caplan unterbrach sie . Sie vergessen , gnädige Frau , daß die Provinz nicht mehr zu den katholischen gehört , daß wir uns in einer protestantischen Provinz , unter einem protestantischen Volke , in ecclesia pressa , befinden . Die Freiherren von Arten haben sich deßhalb , seit die Reformation die Gotteshäuser unserer Kirche hier in der Provinz zerstörte , stets nur mit einer Capelle in ihrem Schlosse genügen lassen , um keinen Anstoß zu erregen . Anstoß ? fragte Angelika , die jung genug war , alle Hindernisse und Bedenken gering zu schätzen , wo es von ihr auf eine geistige Befriedigung abgesehen war . Haben die Leute doch ihren Gottesdienst , ihre Kirchen nach ihrer Lehre und nach ihrem Glauben . Wer kann uns hindern , Gott anzubeten nach unserer Weise und ihm eine Capelle zu erbauen , in der wir ihm dienen können nach unserer Ueberzeugung ? Wir ? fragte der Caplan . Sie sind nicht katholisch , Frau Baronin , und mich will bedünken , als würden ihre Eltern , als würden der Herr Graf und die Frau Gräfin einem Wechsel Ihres Glaubensbekenntnisses nicht ruhigen Herzens zuzusehen vermögen . Angelika zögerte zu antworten . Dann sagte sie : Was Sie mir einwenden , ist richtig , mein verehrter Freund ! Meine Mutter und mein Vater haben Andeutungen gegen mich fallen lassen , die mir , wennschon sehr vorsichtig , ihre Besorgniß in dem Punkte verriethen . Aber die Schicksale der Menschen sind verschieden . Gott hat meiner Eltern Leben so geführt , daß sie nicht Gelegenheit hatten , ihre Unzulänglichkeit und die Schwäche unserer Natur kennen zu lernen . Sie hatten ihm nur zu danken für seine Huld und Gnade , und ich will hoffen , daß er es ihnen so vergönnen werde , bis er sie einst abruft . Mir ist das nicht zu Theil geworden . Sie machte eine Pause , ihre Lippen zitterten leise von unterdrücktem Schmerze ; aber sie überwand sich und fuhr gefaßt und ruhig also zu sprechen fort : Gott hat mich einem von mir sehr geliebten Manne zur Gattin gegeben , dessen Leben nicht frei von Irrthum und von Schuld geblieben , dessen Sinn vom Glauben zum Aberglauben abgeirrt , dessen Gewissen schwer belastet ist , und der fast die Kraft verloren hatte zu der Umkehr , die ihm Genesung seines Herzens bringen soll . Er bedarf meiner , ich muß Eins mit ihm werden auch im Glauben