. « » Still , rede nicht von Dingen , die Du nicht verstehst ; Geh ' hinein , sag ' ich ! « rief der Jude leise aber drohend , und Rachel gehorchte . Sie ging wieder in das zweite große Gemach und schloß die Thür hinter sich , aber sie dachte nicht daran , wieder an die vorige Arbeit zu gehen , sondern lehnte sich lauschend an die Thür , um kein Wort von dem zu verlieren , was die alte Jacobea drinnen mit ihrem Vater sprechen würde . Als diese eintrat , rief sie : » Es ist Alles verunglückt , und war Alles so schön gegangen ! Alle waren abwesend , mein Sohn wie seine Frau und der große Bube , um vor heute nicht wieder zu kommen . Die alte Marthe , die Amme der Frau Scheurlin , kam durch das Pulver , das ich ihr in den Brei gerührt , in einen Zustand , daß sie Nichts von sich wußte und irre redete ; da konnt ' ich getrost den kleinen Buben gegen Abend zur Stadt schicken , der Scheurlin melden zu lassen , daß die Amme in Todesnöthen nach ihr verlange . Wie klug sich auch die Scheurlin dünken mag , sie ging glücklich in die Falle , und brachte nur einen einzigen Diener mit . Wohl eine Stunde saß sie da bei der Irreredenden , bis es dunkel war ; ich sagte erst , sie solle warten , bis mein Sohn käme , der sie mit heimgeleiten könne . Aber sie wollte nicht , und wie sie hinausging , lauerte draußen schon der Ritter und ich hatte die Widerspänstige glücklich in seine Arme geliefert . Da hör ' ich draußen noch andere Stimmen als die ihrige schreien - ein ganzer Trupp Baubrüder kämpfte mit dem Ritter und den Knappen , dann kamen gar Bewaffnete aus der Stadt ; es hat Leichen und Verwundete auf dem Platz gegeben - der Ritter ist nur verwundet , aber ohne Beute entkommen . Den Nürnberger Rath fürcht ' ich nicht , noch weniger das Gericht des Burggrafen , denn ich habe meine Sache zu klug angefangen , kein Verdacht kann mich treffen - aber den Ritter und seine Kumpane werd ' ich nun auf dem Halse haben . « » Mißlungen ! « rief der Jude , » zum zweiten Male mißlungen - und durch Euch ! « » Hoho ! « rief die Alte ; » durch Euch oder Eure Sippe ! Verrathen worden ist ' s ! Was haben die Steinmetzen da draußen zu suchen ? im Leben habe ich nicht so viele beisammen dort im Walde gesehen ! Sind doch dieselben Beiden mit dabei gewesen , die den Streitberg schon auf der Hallerwiese angefallen und denen er ' s dankt , daß der König selbst ihn aus Nürnberg verwiesen . Der Ritter hat geschworen sich dafür zu rächen , und nun hat er hoffentlich wenigstens dem Einen den Garaus gemacht ! « Mit verhaltenem Odem hörte Rachel dies Alles ! Trotz ihrer Jugend war sie doch durch den Druck , unter welchem sie lebte , der sowohl auf ihr durch ihre nächste Umgebung als durch den Fluch lastete , der auf allen Juden ruhete , so daran gewöhnt sich selbst zu beherrschen , daß sich ihrer bis zum Ersticken geängsteten Brust kein Laut entrang , noch daß sie der Versuchung unterlag , die Thür zu öffnen und selbst zu fragen : » Welcher ist der Todte ? « Und sie war seine Mörderin ! sagte sie sich verzweiflungsvoll . Das hatte sie nicht gedacht . Warnen hatte sie Ulrich wollen vor seinem mächtigen tückischen Feind und vor dem bösen Leumund , der ihm drohte - und weil er ihrer Warnung nicht achtete , sowohl um dieser Nachdruck zu geben als auch aus Mitleid mit der schönen Frau , der ein so schmähliges Schicksal drohte , hatte sie ihm davon gesagt . Sie meinte nicht anders , als daß Ulrich sie vorher warnen werde , der drohenden Gefahr sich auszusetzen , und konnte weder beurtheilen , daß er dies unterlassen werde , besonders weil er es noch bezweifelte , noch daß er erst bereit sein würde der wirklichen Gefahr gegenüber sie mit seinem eigenen Leben zu beschützen . War er oder Hieronymus todt , so kam sein Blut über sie ; aber sie konnte es nicht ändern , daß zu den Vorwürfen ihres Gewissens auch der Jammer des Herzens kam , wenn Ulrich das Opfer war . Und schon leuchtete die Anklage des Verrathes gegen sie durch die Worte der Alten hindurch ; aber was sonst Rachel schon in namenlose Angst versetzt hätte vor den Vorwürfen und Strafen der Ihrigen , versank jetzt vor den Schrecken und der Qual , die ihr die Todesnachricht verursachte . » Nun , so ist er ihn ja los , « sagte der Jude gleichgültig ; » aber wenn Ihr versteht zu schweigen , so ist ja auch weiter Nichts dabei , als daß wir sind betrogen um den Lohn und haben gemacht ein schlechtes Geschäft , statt daß wir gemeint haben zu machen ein gutes . Wird wohl dem Ritter vergehen sich hier noch länger umherzutreiben , wenn er sieht , daß die feinen Nürnbergerinnen nicht gleich für Jeden sind zu haben . « » Der läßt keinen Schimpf auf sich sitzen ! « rief die Alte . » Wird ihm kaum Recht sein , daß der Ulrich von Straßburg ehrlich auf der Landstraße gestorben ! Dem , der ihm beim Könige den Schimpf bereitet , dem schwor er einen noch größern anzuthun ; nun ist er gestorben , ehe er ihn gebrandmarkt hat , denn das wär ' uns gelungen und wenn auch alles sonst mißlänge . « » Sollt ' ich nicht meinen , « begann der Jude , » müßte Euch nicht sonderlich lieb sein , wenn man hier in Nürnberg auch anfinge von Hexen zu reden ; hat mir neulich Einer aus Costnitz