ich aus dem Ränzlein genommen hatte , deutlich den weißen Punkt des Hauses , in welchem ich die letzten zwei Nächte zugebracht hatte , und hinter dem Hause sah ich die duftigen Berge . Wie war nun der Punkt so klein in der großen Welt . Ich kam bald in den Ort , in welchem ich , da ich bisher nirgends angehalten hatte , mein Mittagsmahl einzunehmen gesonnen war , obwohl die Sonne bis zum Scheitel noch einen kleinen Bogen zurückzulegen hatte . Ich fragte in dem Orte wieder um den Besitzer des weißen Hauses , und beschrieb dasselbe und seine Lage , so gut ich konnte . Man nannte mir einen Mann , der einmal in hohen Staatsämtern gestanden war ; man nannte mir aber zwei Namen , den Freiherrn von Risach und einen Herrn Morgan . Ich war nun wieder ungewiß wie vorher . Am andern Tage morgens kam ich in den Gebirgszug , welcher das Ziel meiner Wanderung war , und in welchen ich von dem anderen Gebirgszuge durch einen Teil des flachen Landes überzusiedeln beschlossen hatte . Am Mittage kam ich in dem Gasthofe an , den ich mir zur Wohnung ausgewählt hatte . Mein Koffer war bereits da , und man sagte mir , daß man mich früher erwartet habe . Ich erzählte die Ursache meiner verspäteten Ankunft , richtete mich in dem Zimmer , das ich mir bestellt hatte , ein , und begab mich an die Geschäfte , welche in diesem Gebirgsteile zu betreiben ich mir vorgesetzt hatte . 6. Der Besuch Ich blieb ziemlich lange in meinem neuen Aufenthaltsorte . Es entwickelte sich aus den Arbeiten ein Weiteres und Neues und hielt mich fest . Ich drang später noch tiefer in das Gebirgstal ein , und begann Dinge , die ich mir für diesen Sommer gar nicht einmal vorgenommen hatte . Im späten Herbste kehrte ich zu den Meinigen zurück . Es erging mir auf dieser Reise , wie es mir auf jeder Heimreise ergangen war . Als ich das Gebirge verließ , waren die Bergahornblätter und die der Birken und Eschen nicht nur schon längst abgefallen , sondern sie hatten auch bereits ihre schöne gelbe Farbe verloren und waren schmutzig schwarz geworden , was nicht mehr auf die Kinder der Zweige erinnerte , die sie im Sommer gewesen waren , sondern auf die befruchtende Erde , die sie im Winter für den neuen Nachwuchs werden sollten , die Bewohner der Bergtäler und der Halden , die wohl gelegentlich in jeder Jahreszeit Feuer machen , unterhielten es schon den ganzen Tag in ihrem Ofen , um sich zu wärmen , und an heiteren Morgen glänzte der Reif auf den Bergwiesen , und hatte bereits das Grün der Farenkräuter in ein dürres Rostbraun verwandelt : da ich aber in die Ebene gelangt war und die Berge mir am Rande derselben nur mehr wie ein blauer Saum erschienen , und da ich endlich gar auf dem breiten Strome zu unserer Hauptstadt hinabfuhr , umfächelten mich so weiche und warme Lüfte , daß ich meinte , ich hätte die Berge zu früh verlassen . Es war aber nur der Unterschied der Himmelsbeschaffenheit in dem Gebirge und in den entfernten Niederungen . Als ich das Schiff verlassen hatte und an den Toren meiner Heimatstadt angekommen war , trugen die Akazien noch ihr Laub , warmer Sonnenschein legte sich auf die Umfassungsmauern und auf die Häuser , und schöngekleidete Menschen lustwandelten in den Stunden des Nachmittages . Die liebliche rötliche und dunkelblaue Farbe der Weintrauben , die man an dem Tore und auf dem Platze innerhalb desselben feil bot , brachte mir manchen freundlichen und fröhlichen Herbsttag meiner Kindheit in Erinnerung . Ich ging die gerade Gasse entlang , ich beugte in ein paar Nebenstraßen , und stand endlich vor dem wohlbekannten Vorstadthause mit dem Garten . Da ich die Treppe hinangegangen war , da ich die Mutter und die Schwester gefunden hatte , war die erste Frage nach Gesundheit und Wohlbefinden aller Angehörigen . Es war alles im besten Stande , die Mutter hatte auch meine Zimmer ordnen lassen , alles war abgestaubt , gereinigt und an seinem Platze , als hätte man mich gerade an diesem Tage erwartet . Nach einem kurzen Gespräche mit der Mutter und der Schwester kleidete ich mich , ohne meinen Koffer zu erwarten , von meinen zurückgelassenen Kleidern auf städtische Weise an , um in die Stadt zu gehen und den Vater zu begrüßen , der noch auf seiner Handelsstube war . Das Gewimmel der Leute in den Gassen , das Herumgehen geputzter Menschen in den Baumgängen des grünen Platzes zwischen der Stadt und den Vorstädten , das Fahren der Wägen und ihr Rollen auf den mit Steinwürfeln gepflasterten Straßen , und endlich , als ich in die Stadt kam , die schönen Warenauslagen und das Ansehnliche der Gebäude befremdeten und beengten mich beinahe als ein Gegensatz zu meinem Landaufenthalte ; aber ich fand mich nach und nach wieder hinein , und es stellte sich als das Langgewohnte und Allbekannte wieder dar . Ich ging nicht zu meinen Freunden , an deren Wohnung ich vorüberkam , ich ging nicht in die Buchhandlung , in der ich manche Stunde des Abends zuzubringen gewohnt war , und die an meinem Wege lag , sondern ich eilte zu meinem Vater . Ich fand ihn an dem Schreibtische , und grüßte ihn ehrerbietig , und wurde auch von ihm auf das herzlichste empfangen . Nach kurzer Unterredung über Wohlbefinden und andere allgemeine Dinge sagte er , daß ich nach Hause gehen möchte , er habe noch einiges zu tun , werde aber bald nachkommen , um mit der Mutter , der Schwester und mir den Abend zuzubringen . Ich ging wieder gerades Weges nach Hause . Dort machte ich einen Gang durch den Garten , sprach einige liebkosende Worte zu dem Hofhunde , der mich mit Heulen und Freudensprüngen begrüßte , und brachte dann noch eine Weile bei der Mutter und der Schwester zu