. Der alte Gärtner Winkler , der für einen Gärtner galt , weil ihn die Fürstin in den Zeiten , wo schon ihr Sinn für die geschmückten Schönheiten der Natur zu ersterben anfing , für einen Gärtner nehmen wollte , der alte Winkler , sonst nur in jungen Tagen ihr Kammerdiener ( in den Tagen der Hoffahrt , wie sie sie nannte ) , hatte den Gartenrechen in der Hand und zog mit Zittern und kaum sich aufrechthaltend im Sande die kleinen Striche , die hier Pflege und Ordnung bedeuten sollten . Die alte Brigitte , sonst die allgewaltige Beschließerin des Hauses , sah ihm , auf einer Bank sitzend , zu und seufzte einmal über das andere . Sie wehklagten , was ihnen Beiden die nächste Zukunft bringen würde . Noch war Brigitte schwarz gekleidet , noch trug sie die Trauerkleider über die vor zwei Jahren heimgegangene Gebieterin , die ihr testamentarisch angefertigt wurden , trotzdem , daß es an solchen düsterfarbenen Kleidern im Nachlaß der Fürstin nicht fehlte .... Die Trauer sollte echt sein und aus der Fülle des Herzens fließen .... Der alte Winkler aber nahm sich in seiner hellblau-rothen Hohenberg ' schen Livrée schon recht abgeschabt und verkommen aus . Gott walt ' es , sagte die alte Brigitte ; der Herr hat die Haare auf unserm Haupte gezählt .... Der schon etwas kindisch gewordene Gärtner entblößte seinen kahlen Scheitel , auf dem keine Haare mehr standen , und meinte auch : Ja , ja ; er hat die Haare auf unserm Haupte gezählt ... und kein Sperling fällt vom Dache ohne seinen Willen ; setzte er hinzu . In dieser Weise hatten die Dienstleute der Fürstin Amanda sich auszudrücken gelernt . Wenn sie uns hinausstoßen , begann Brigitte mit praktischer Anwendung .... Was thun wir ? Wer nimmt uns arme Sünder auf ? Der Herr wird ihre Herzen lenken , meinte der alte Gärtner . Und der Prinz wird ' s nicht geschehen lassen .... Ich hab ' ihn auf meinen Knieen geschaukelt ... er wird ' s aber vergessen haben .... Er wird ' s nicht vergessen haben .... Als er vor sechs Jahren noch einmal da war , sah er uns nicht mehr an .... Sah er uns nicht mehr an ... Er war noch zu jung .... War noch zu jung .. Sein Herz lag noch im Argen .... Es lag im Argen .... Die Fürstin sah ' s wohl .... Die sah ' s wohl .... Und sie weinte darüber .... Der alte Winkler bestätigte alle diese rhapsodischen Bemerkungen und weinte auch , als Brigitte die Schürze nahm , um sich das Auge zu trocknen . Aber die Fürstin sagte doch , fuhr dann nachdenklicher die alte Beschließerin fort , sagte doch : Auch seine Stunde wird schlagen .... Sie wird schlagen ... Und die Erleuchtung kommt von oben ! Kommt von oben ! wiederholte Winkler und harkte wieder und fügte sich wieder in Geduld und überließ wie immer die praktische Seite ihrer Verhältnisse der geisteskräftigern Brigitte . Wie die alten Diener des Hohenberg ' schen Hauses , für die der verstorbene Fürst , der berühmte Generalfeldmarschall Waldemar von Hohenberg , wenig gesorgt zu haben schien , noch so ihre bangen Sorgen aussprachen , welche Zukunft ihnen bei dem rathlosen Zustande der Verwaltung dieser schönen Besitzungen werden würde , redete sie plötzlich ein langer , feingekleideter , mit steifer Haltung einherschreitender Herr an und lächelte dabei mit einem sonderbaren Ausdruck . Excellenz ! riefen Beide erschrocken aus einem Munde und wandten sich bestürzt um . Der lange Herr nickte sehr gnädig und ging ruhig lustwandelnd auf dem frisch geharkten Wege , ihn mit seinen Fußstapfen vertretend , weiter . Das wäre eine Herrschaft für uns , sagte die alte Brigitte , als dieser lakonische Herr vorüber war und Winkler sich anschickte , wieder jene Fußstapfen zu überharken .... So vornehm , so apart ! O die Zeit , da nur solche Menschen hier verkehrten ! Ja , ja , Das ist eine Excellenz ! Hochmuth kommt vor dem Falle ! meinte Winkler . Er hatte eine Meinung geäußert , die jedoch hierher nicht zu passen schien . Wie so Hochmuth ? meinte Brigitte , die in dieser selbständigen Antwort nicht viel Vernunft fand . Als der Alte schwieg , schüttelte sie den Kopf und flüsterte vor sich hin : Er wird recht schwach ! Der Gärtner hatte kaum die Fußstapfen des Mannes , den sie so ehrerbietig mit Excellenz begrüßt hatten , ausgeglichen , als diese gemessene steife Figur wieder zurückkehrte . Brigitte stand wieder auf , knixte wieder , Winkler zog wieder sein Käppchen und Beide sagten wieder : Excellenz ! Der große zugeknöpfte Herr nickte herablassend mit dem kleinen Kopf , blieb , ohne etwas zu sagen , einen Augenblick stehen und entfernte sich mit einem Ausdruck , als wollte er äußern : Ich freue mich , daß ihr mir die Hochachtung erweist , die ihr meinem Stande schuldig seid ! Doch sagte er nichts , sondern schwieg und lächelte . Brigitte setzte sich und der geduldige Winkler harkte zum zweiten mal die Fußstapfen der Excellenz aus .... Wenn ' s nach mir ginge , meinte Brigitte , ich wünschte , so eine Excellenz kaufte das Schloß .... Kann man das Schloß kaufen ? meinte Winkler , plötzlich ganz verdutzt . Natürlich kann es Einer kaufen . Aber reich muß er sein , fuhr Brigitte fort , ohne auf die Narrheit der Winkler ' schen Einwürfe zu hören . Der wär ' es da ! Sein Bedienter ... der Franz ... hat ' s gesagt ; die Meubles alle kauft er schon ; aber für den König . Für den König ? die Meubles ? verwunderte sich Winkler und mit Recht . Alle Schlösser vom König hat ja die Excellenz da zu regieren , erklärte Brigitte . Wer regiert die Schlösser ? fragte Winkler . Der da ! Und alle Gärten ! fuhr Brigitte fort . Alle Schlösser und