Tugendmuster hält , denn es hat es ja schriftlich und mehr als ein dutzendmal , und wenn es endlich in Laster und Not untergeht , so schreit es über die schlechte Welt , und wenn es so schlecht hätte sein wollen wie die Andern , so wäre es ihm auch besser ergangen . Was für eine Gerechtigkeit auf Erden sei , habe es erfahren , wenn im Himmel keine bessere sei , so - . So geht es mit falschen Zeugnissen , und so wirken sie . Aber , wird man schreien , soll man Menschen zeitlebens unglücklich machen ? Was , sind nicht ebenso viele oder mehr schlechte , boshafte , niederträchtige Meisterleute als Dienstboten ? Soll es dann in Willkür stehen , arme Unschuldige , welche vom Schicksal ohnehin so hart geschlagen sind , daß sie dienen müssen , zeitlebens um ihr einzig Eigentum zu bringen , um den guten Ruf , sie zeitlebens unglücklich zu machen usw. usw. Es ist eine so herrliche Teilnahme für alle Armen , Unterdrückten , Geplagten , Gestraften aufgetaucht , daß es uns gar nicht wundern würde , wenn man nächstens auf den Richtstätten Altäre errichten , die Gebeine der Gefangenen als Reliquien verehren und Galeerensklaven und andere Zuchthäusler als Priester bei diesem neuen Dienste anstellen würde . Wir geben gerne zu , daß es schlechte Meisterschaften gibt , aber deswegen soll man mit dem Bade nicht das Kind ausschütten wollen . Es ist akkurat das gleiche Humanitätsgeschrei , welches , weil mal einer unschuldig gestraft worden , nun niemand mehr gestraft wissen will . Entweder keine Zeugnisse oder wahre , entweder oder , und das Weitere Gott überlassen . Das ist auch eins von den vielen Dingen , worüber die Weisen dieser Welt hundert Jahre disputieren und prozedieren können , ohne klug zu werden darüber , und welches den Unmündigen geoffenbaret ist , welche da recht zu tun suchen in kindlicher Treue und niemanden scheuen als Gott . Bei Uli meldete sich also die dritte Klasse in beiden Abteilungen . Der Buben hatte er satt , er wandte sich mehr der zweiten Abteilung zu . Freilich wußte er , daß es in dieser oft nicht sauber sei . Er inquirierte streng , besonders warum man so weit herkomme und nicht lieber in der Nähe des früheren Wohnortes bleibe , Da erzählte ihm dann Einer , er sei vor seiner Meisterfrau niemals sicher , er habe siebenmal Strengeres ausgehalten als Joseph , und wenn er in der Nahe sich aufhalte , so laufe er Gefahr , daß sie am hellen Tage ihm nach , laufe . Ein Anderer erzählte von Verwandten , welche an ihm saugen , denen er den ganzen Lohn opfern müsse . Wenn er in die Welt gehe , hoffe er Ruhe zu finden vor ihnen . Ein Dritter hatte seinem Meister ein Schelmenstücklein ausgebracht oder ihn daran verhindert , jetzt sage er nicht bloß alles Schlechte von ihm , sondern er sei selbst seines Lebens nicht sicher . Eine Magd weinte bitterlich , welche Nachstellungen sie erleiden müsse wegen ihrer Schönheit . Vor keinem Manne sei sie sicher , selbst der Ammann , der siebenzig Jahre alt sei und dreizehn erwachsene Kinder habe , laure ihr auf , deretwegen haßten sie alle Mädchen und die Weiber noch viel verfluchter . Darum wolle sie fort , so weit die Beine sie tragen möchten , vielleicht daß an einem anderen Orte brävere Leute angetroffen würden . Daß unser Herrgott sie so schön erschaffen und nicht wüster , dessen vermöge sie sich nichts . So viele dieser Tugendbilder kamen , die um ihrer Gerechtigkeit willen verfolget wurden . Uli dachte , alles könne doch nicht erlogen sein , er wisse ja selbst am besten , wie es gehe , wenn man dienen müsse . Aus dieser Klasse wählte er sich sein Volk , mit der größten Vorsicht , aber auch mit Sparsamkeit , mit dem Lohne hielt er nieder . Er dachte , wenn es ihnen so daran gelegen sei , weiter zu können , so werde der Lohn ihnen nicht die Hauptsache sein . Das sagten sie denn auch , ein paar Taler täten sie nicht ansehen , es sei ihnen nur darum zu tun , weiterzukommen , und er sei ihnen besonders angerühmt ; da könnte man was lernen , und es heiße auch , er habe Verstand . Das tat Uli wohl , dem guten Uli ! Wäre der dreißig Schritte von seinem Hause hinter einem Kirschbaume gestanden oder im nächsten Wirtshause gesessen , so hätte er was ganz anderes gehört . Er hätte gehört , wie so ein Knechtlein gesagt hätte , er hätte Unglück gehabt , sein Meister habe ihn versäumt ; so sei er dienstlos geworden und es sei ihm , wenn er nur wieder mal abstellen könnte für einstweilen . So sei er zum Pächter in die Glungge gekommen , derselbe hätte von ihm gehört und ihm Bescheid machen lassen . Gedinget hätte er endlich , aber gefallen habe es ihm nicht , dort sei sein Bleiben nicht . Es sei ein hoffärtig Wesen , man sollte meinen , wer sie seien , und doch sei er nur Knecht gewesen und sie eine Uneheliche . Nun , einige Wochen könne er schon dort sein derweilen könne er dem Mannli den Hochmut vertreiben . Worte sind Münzen . Wie es Kinder gibt , welche das Geld nicht kennen und unterscheiden lernen können , denen man fast ihr Lebtag Zahlpfennige anhängen kann , so gibt es noch viel mehr Menschen , welche ihr Lebtag nie dahin kommen , die Worte richtig zu würdigen . Das gilt namentlich mit dem Renommieren und Aufweisen , Großsprechen und Schmeicheln oder mit dem Rühmen seiner selbst oder Anderer . In dieser Beziehung klebt ein unheilbarer Unverstand den Menschen an , halt eine Familienkrankheit von Mutter Eva her . Der Ruhmredige macht schnellen Eindruck , der Demütige findet erst in die Länge Gnade . Zehntes Kapitel Wie bei einer Taufe Weltliches