Barrikade stehenden Arbeiter erhoben ein Siegsgeschrei . Doch schon nach einigen Minuten kehrten die Soldaten zurück , aber in geringerer Anzahl . Die Hälfte der Compagnie war nebst jenem Jägerofficier verschwunden . Salvador vermuthete eine Kriegslist und theilte seine Furcht einem der zum Schutze Lydia ' s zurückgelassenen Arbeiter mit . - Sie werden den Versuch machen , die Barrikade im Rücken anzugreifen - meinte Salvador . Anna schüttelte den Kopf . - Das ist unmöglich . Ich komme von jener Seite . Sie ist am stärksten verbarrikadirt und am besten vertheidigt . Die Soldaten verhielten sich vollkommen ruhig , aber in einer Stellung , als erwarteten sie irgend ein Signal , um den Angriff zu erneuern . Salvador , dessen Besorgniß noch nicht geschwunden war , verlor den commandirenden Officier nicht aus den Augen . Es dünkte ihm , als ob jener von Zeit zu Zeit seinen Blick aufmerksam auf das Obergeschoß eines der gegenüberliegenden Häuser richtete . Auch diese Bemerkung theilte er Anna mit , die mit steigender Unruhe ihr Auge ebenfalls auf dies Haus heftete , das etwa hundert Schritt hinter der Barrikade lag und noch nicht besetzt worden war . In der That schien es , als ob in diesem Hause irgend Etwas vorginge . Vor wenigen Minuten noch schien es völlig leer und unbewohnt ; jetzt sahen Salvador und Anna eine Menge Gestalten an den Fenstern vorüber eilen . - Ein Fenster im zweiten Stock wurde geöffnet - Salvador erstarrte das Wort im Munde , als jener Jägerlieutenant , den er vorhin mit dem Officier hatte sprechen sehen , am Fenster erschien , ein weißes Tuch herauswehen ließ und dann sogleich wieder verschwand . Auch Anna hatte die Erscheinung bemerkt . - Das ist Verrath ! - stammelte sie erbleichend und stürzte hinab auf die Straße , um die Arbeiter von der drohenden Gefahr zu unterrichten . Aber es war zu spät . Kaum hatte der Officier das Zeichen erblickt , als er den Befehl zum Angriff gab . Mit erneuerter Wuth stürzten die Soldaten auf die Barrikade zu . Ein Steinregen empfing sie , aber diesmal wichen sie nicht . In der Gewißheit , bald im Rücken der Feinde eine Unterstützung zu erhalten , hielten sie Stand und begannen mit vorgestreckten Bajonetten das Holzwerk zu erklimmen . - Die tapferen Arbeiter wehrten sich mit dem Muthe der Verzweiflung ; da stürzten plötzlich die Soldaten aus jenem Hause heraus und fielen ihnen in den Rücken - der Muth entsank ihnen - sie verließen die Barrikade und zogen sich in die nächstliegenden Häuser zurück . Es begann jetzt einer jener fürchterlichen Kämpfe , von dem man nur eine Vorstellung hat , wenn man sie aus eigener Anschauung kennen lernte . Es galt , die Häuser von den Insurgenten zu säubern . Das Haus , in welchem Lydia sich befand , war eins der ersten , welche angegriffen wurden . - Die arme Lydia war durch die fortwährende Angst in einen bewußtlosen Zustand gefallen . Salvador legte sie mit Hülfe eines Arbeiters auf das Sopha und eilte die Treppe hinab . Die Hausthür war bereits erbrochen . Die Vertheidiger des Hauses , deren Zahl sich etwa auf vierzig bis fünfzig belief , hatten sich theils in den ersten Stock zurückgezogen , wo sie die Treppe besetzt hielten , theils hatten sie sich in das Hintergebäude begeben , um auch diese Eingänge in Vertheidigungszustand zu versetzen . An der Haupttreppe befanden sich nur zehn Arbeiter ; drei von ihren Cameraden lagen bereits von den Kugeln ihrer Feinde getroffen auf dem untern Hausflur . Neben ihnen fünf Soldaten , deren Schädel von Steinen zerschmettert waren . Die Treppe war enge , so daß immer nur zwei bis drei Soldaten neben einander die Stufen besteigen konnten . Dadurch war der Nachtheil der schlechten Bewaffnung für die Arbeiter fast ausgeglichen . Die Wuth der Soldaten stieg auf einen fürchterlichen Grad . Immer von Neuem stürmten sie die Treppe hinan , und immer mußten sie dem in der Nähe furchtbar wirkenden Steinregen der Vertheidiger weichen . Aber es kam der Augenblick , wo der Steinhaufen so zusammengeschmolzen war , daß jeder Arbeiter nur noch einen einzigen Stein in der Hand hielt . - Laßt sie ganz nahe heran kommen - commandirte der Führer und wähle sich jeder einen bestimmten Mann aus . Keiner werfe früher , bis ich commandire . Jeder , der geworfen , steigt die zweite Treppe hinauf . Die Soldaten stürmten an , den linken Arm über den Kopf gehalten , die rechte Hand das Gewehr fassend . Noch fehlten nur fünf Stufen und sie wären oben gewesen , da donnerten die Steine auf ihre Köpfe und schreiend , blutend , betäubt stürzten sie durcheinander und zurück . Ueber ihre Körper drangen die Folgenden vor . Sie erreichten die letzte Stufe . Die Arbeiter hatten sich eine Treppe höher gezogen . Der Kampf sollte nun von Neuem beginnen , da gebot eine Stimme von unten herauf » Halt « ! - - Der Verlust an Menschen und , was schlimmer ist , an Zeit , ist zu groß . Wir müssen zu einem andern Mittel greifen - sagte der fremde Officier zu dem Anführer der Truppe . Beide standen auf dem untersten Flur , vor den Würfen der Arbeiter geschützt . - Sie haben wohl recht , aber welches Mittel ? - - Kennen Sie die Procedur des Bienenschwefelns ? - - - Das ist ein capitaler Einfall ; aber wir werden das Nest anzünden . - Die Bienenstöcke sind auch von Stroh , nicht wahr ? und verbrennen nicht ? - Sie haben wieder recht , auf Ehre . Wir wollen sogleich ans Werk . Rasch wurde Stroh herbeigeschafft und am Fuße der Treppe angezündet . In wenig Augenblicken wirbelte ein erstickender Dampf bis zu den höchsten Dachsprossen empor . Aber die Rechnung schien ohne den Wirth gemacht . Denn statt , wie man vermuthete , die hartnäckigen Vertheidiger zur Uebergabe zu zwingen , rührte sich nichts .