daß , wenn mir in meinem neuen Wirkungskreise Zeit bleibt , mich mit literarischen Arbeiten zu beschäftigen , ich auch über die Noth der Fabrikarbeiter schreiben werde . Vielleicht wird mir auf meiner Reise Gelegenheit , darüber noch anderweite Notizen zu sammeln . Franz selbst schreibt in seinen Mußestunden , aber diese einfachen Stimmen mitten heraus aus dem Volke werden wohl von alle Denen gehört , für welche sie laut werden , welche das geschilderte Elend theilen , aber nicht von Denen , welche es verbreiten , und Denen , welche die Macht und Pflicht haben es aufzuheben und zu lindern . Darum fiel er mir weinend um den Hals , als wir von einander Abschied nahmen und sagte : Leb ' wohl Du - nun doppelt mein Bruder , wenn Du derselben Sache dienen willst , welcher ich mich geweiht habe ! « Diesen Brief wollte der unberufene Leser erst in seine Brieftasche schieben - er besann sich aber anders und notirte nur die angezogene Stelle stenographisch . In den andern Briefen fand er nichts Beachtenswerthes , außer daß er sich den jedesmaligen Ort anmerkte , von welchem aus sie geschrieben waren . Jetzt griff er nach einem kleinen hölzernen Kästchen , zwischen dessen Schluß unterhalb des Deckels ein Stückchen beschriebenes Papier hervorschimmerte . » Hier sind auch Briefe darin - « sagte er . » Das Kästchen ist verschlossen - es thut mir leid - aber ich muß um den Schlüssel bitten . « » Das ist unmöglich , « rief Amalie . » Ich kann es beschwören , daß es der Polizei ganz gleich sein kann , den Inhalt dieses Kästchens zu erfahren - und wenn Sie gekommen sind , um nach Papieren von Franz , von meinem Gatten in meinen Sachen herum zu spüren , so wiederhole ich nochmals - ich will es beschwören - von ihrer Hand finden Sie kein Wort in diesem Kästchen . « » Dieser Eifer macht die Sache nur um so verdächtiger - ich muß durchaus Sie bitten , zu öffnen . « » Um keinen Preis - « sagte sie außer sich , aber fest . » Es thut mir leid , « bemerkte darauf der Polizeicommissair mit feinem Lächeln , » aber es muß sein , - « und ehe Amalie es nur bemerken , noch weniger verhindern konnte , hatte er ein kleines Instrumentchen aus seiner Westentasche geholt und mittelst desselben das Schloß des Kästchens geöffnet . » Aus Barmherzigkeit , « rief Amalie , als sie es sah und fiel auf ihre Kniee . Jener bemerkte es nicht - sein Gesicht strahlte vor Freude und Staunen . » Jaromir von Szariny ! « rief er leise für sich . » Das ist ja der anonyme Publizist - nun ist kein Zweifel mehr . « Er sah die Briefe alle eifrig durch , schien aber unzufrieden mit ihren Inhalt zu sein und daß er keine mit neuerem Datum fand - sie waren alle schon vor sieben Jahren geschrieben . » Ich werde Nichts ausplaudern , « sagte er zu Amalien , welche Auguste wieder von der Erde aufgehoben hatte . - » Nur eine Frage : Sind Sie noch mit dem Grafen Szariny in Verbindung ? « Sie wandte sich tief verletzt ab und antwortete nicht . » Ich muß Sie um aufrichtige Antwort bitten - es ist die letzte Frage , welche ich an Sie zu richten habe - ich bedauere Ihnen lästig gewesen zu sein und wir werden uns dann sogleich entfernen - es wäre vielleicht meine Schuldigkeit gewesen , einige dieser Briefe mitzunehmen , allein aus schonenden Rücksichten gegen Sie habe ich es unterlassen - meine Schonung gegen Sie verdient wahrlich nicht diese Halsstarrigkeit von Ihrer Seite - antworten Sie ; Niemand wird es erfahren . Sind Sie mit dem Grafen Szariny noch in Verbindung ? « » Nein - er war mein Verlobter , ehe ich in meinem jetzigen Gatten eine andere Wahl traf - - aber nun lassen Sie diese Qualen endigen , die Sie jetzt über mich brachten , während mein Kind begraben ward - als sei dies nicht schon entsetzlich genug - - « rief Amalie und verhüllte ihr Gesicht . » Bedauere herzlich , Ihnen lästig geworden zu sein und daß wir an solchem Unglückstage kommen mußten , « sagte der Polizeicommissair mit schlecht erheuchelter Theilnahme und ging . Der Polizeidiener folgte ihm . Amalie war schon zu sehr von dem Jammer der letzten Tage angegriffen , als daß sie sich eigentlich hätte klar darüber bewußt sein sollen , was jetzt vorgegangen war , als daß sie fähig gewesen wäre , nur Etwas davon zu begreifen . Sie war nur froh , daß die fremden Männer sich wieder entfernt hatten , daß sie nun wieder ungestört ihrem Schmerz um ihr verlornes Kleinod , um ihr gestorbenes Kind nachhängen konnte . Ihr Schwager Bernhard kam wieder zurück . Er ging schweigend auf sie zu und drückte ihr die Hand - sie seufzte tief und sagte dann : » Ich danke Dir - ist doch eine verwandte Seele dabei gewesen , ich hätt ' es nicht vermogt . « » Ich habe die erste Hand voll Erde auf den hinabgesenkten Sarg geworfen für Dich , dann eine für Gustav , dann für mich selbst - « sagte er und verschlang eine Thräne . Nun war es wieder lange stumm in dem kleinen Zimmer zwischen den drei Menschen . Nachher stand Auguste auf , trat zu Bernhard und erzählte ihm Alles , was während seiner Abwesenheit vorgekommen war und ihr so räthselhaft und unheimlich erschien . Ihm war es so nicht minder - er verstand es gar nicht , fragte zu wiederholten Malen und ward doch nicht klüger . Endlich fuhr er heraus : » Donnerwetter ! Wär ' ich da gewesen - ich hätte die Kerle die Treppe hinunter geworfen - trotz Polizei - nicht einmal die Spürnasen vor solchem Elend ehrfurchtsvoll ein Weilchen zurückzuziehen ! « Dieser Vorfall hatte sich an