sie verlangte , schwand jedes Bedenken in ihr und sie bat ihn , ihr zu sagen , wie sie helfen möchte . Alfred erzählte , auf welche Weise er Sophie kennen gelernt habe , sprach von dem Briefe , den sie ihm nach Rosenthal geschrieben , und sagte , daß er sie bald nach seiner Ankunft besucht habe . Ich fand sie die ersten Tage , als ich zu ihr ging , nicht zu Hause . Sie sei in der Kirche , sagte man mir . Erst bei dem dritten Besuche traf ich sie selbst . Der Gram hat ihre Wangen gebleicht , sie sieht sehr leidend aus . Sie empfing mich mit einer Ruhe , die etwas sehr Trauriges hatte , und erklärte mir , daß sie nach langem Kampfe mit sich zu einem Entschluß gekommen , daß sie Willens sei , der Welt zu entsagen und in ein Kloster ihres Vaterlandes einzutreten . Die Harkourt ? fragte Therese zweifelnd . Es überrascht Sie , bemerkte Alfred , weil Sie sie nicht kennen ; mir ist es ganz begreiflich . Sie hat nach einem höchsten Glück gestrebt ; ihr Dasein war aufgegangen in Liebe . Nun , da diese sie verläßt , findet sie keinen Halt in sich . Die Gesellschaft der Frauen , denen sie sich vertrauend zu nahen vermöchte , weiset sie von sich , da wirft sie sich verzweifelnd der Kirche in die Arme und hofft Glück hinter den Klosterpforten zu finden , die ihre Phantasie sich wie ein Asyl voll Ruhe und Frieden ausmalt . - Denken Sie nur : Sophie , die Lebensvolle , Strahlende , in den grauen Mauern eines Klosters ! Therese hörte nachdenkend zu , dann sagte sie , als Alfred schwieg : Ich begreife Sophien ' s Entschluß vollkommen , wenn sie fühlt , daß sie fertig mit dem Leben ist , daß es ihr nichts mehr bieten kann , sie für ihren Verlust zu entschädigen . Sie billigen es , daß man in ein Kloster geht ? daß man sich lebendig begräbt und das Leben hinsterbend vertrauert ? Der Widerwille , den Sie gegen jede Beschränkung der Freiheit haben , lieber Reichenbach , wendete Therese ein , macht Sie in diesem Falle ungerecht . Sie wissen es , wie fern mir der Katholicismus , wie fremd und meiner Natur zuwider mir Frömmelei ist . Dennoch habe ich oftmals daran gedacht , daß es gut wäre , wenn man , besonders für Frauen , noch jene stillen Zufluchtsorte hätte , in denen man , aller Lebenssorgen enthoben , der Erinnerung , der Selbstbetrachtung leben könnte und ausruhen von den Stürmen der Welt . Sie sah eine Weile nachdenkend vor sich nieder , dann fuhr sie fort : Es gibt Schicksalsschläge , die so gewaltsam das Leben einer Frau zerstören , Leiden , von denen nicht jede Natur sich erholen kann . Nicht Jede hat einen Wirkungskreis , in dem sie nützen , Pflichten , die sie erfüllen soll . Was kann es für eine Frau in dem Falle Beglückenderes geben , als Einsamkeit und Ruhe ? Diese Ansicht hätte ich bei Ihnen nicht vermuthet , rief Alfred . Sie ! Sie könnten es billigen , daß man ohne Zweck dem Grabe entgegenlebt ? daß man feige sagt , die Last wird mir zu schwer , ich werfe sie von mir ? Therese ! das ist nicht Ihre Ansicht , Sie widersprechen sich seltsam . Und wenn Sophie das Gelübde gethan hat , wenn sie dann einsieht , daß sie sich getäuscht hat , daß Ruhe und Friede nur aus der eigenen Seele quellen , was wird sie dann vor dem Verzweifeln bewahren , wenn es mir nicht gelingt , sie von dem Schritte abzuhalten , den sie zu thun gedenkt ? Glauben Sie , daß sie Frieden findet in dem Zwang eines Gelübdes ? Das kann ich nicht ermessen , da ich die Harkourt nicht kenne , antwortete Therese , auch spreche ich mehr im Allgemeinen als von ihr . Es sind erst wenige Tage , daß ich in irgend einem Blatte von den Zufluchtshäusern las , welche die Puseyiten in England zu errichten beabsichtigen . Dieser Gedanke schwebte mir vor und ist mir segensreich erschienen , weil kein Eid zu ewigem Verweilen darin verpflichtet ; weil eine Rückkehr in das Leben offen bleibt , wenn der Wunsch des Menschen ihn dorthin zurückzieht . - Wie glücklich wäre manche Frau , könnte sie für einige Jahre in solche Einsamkeit flüchten ! welche Erleichterung kann es unter gewissen Verhältnissen sein , einen großen Schmerz ruhig auszuweinen , in tiefer Stille neue Kraft zu suchen . Ist es doch gar so schwer , über das blutende Herz den eiteln Tand einer Gesellschaftskleidung zu legen , die Thränen hinter Lächeln zu verbergen und sich umhertreiben zu lassen in den hohlen Genüssen der Gesellschaft , an denen die Seele keinen Theil hat . Wie Vielen , die gramerfüllt unter uns umherwandeln , würde ein solcher Zufluchtsort willkommen und selbst heilsam sein . Alfred war von ihren Worten sehr ergriffen , er fühlte , welch tiefen Antheil ihre eigenen Erfahrungen an dem Gesagten hatten . Er sah sie lange traurig an und drückte dann ihre Hand , ohne zu sprechen , die sie ruhig in der seinen ruhen ließ . Was bedarf es auch der Worte zwischen Seelen , die nur Ein Dasein haben ? Das tiefste Verständniß , das heiligste Glück der Liebe ruht in diesem Schweigen . Der höchste Schmerz und das größte Glück sind wortlos . Therese und Alfred empfanden es jetzt ; aber Beide gaben sich der Täuschung hin , treu an den Vorsätzen zu halten , die sie gefaßt hatten , Beide vergaßen , daß jeder Blick , jede Miene zum Verräther an ihnen ward und daß sie keines Wortes zum Geständniß ihrer gegenseitigen Liebe bedurften , weil sie Einer in des Andern Seele empfanden . Ein tiefer Seufzer Alfred ' s riß Therese endlich aus den Gedanken , in