kann . Er wird uns Kraft geben , ihn zu ertragen . Liebte ich Sie weniger , oder wäre ich nicht vollkommen gewiß , es könne kein Zweifel an meiner Liebe Raum in Ihrer Seele finden , ich würde nicht den Muth haben , Ihnen zu sagen , daß ich nicht die Ihre werden , daß die schönste Hoffnung meines Lebens nicht erfüllt werden dürfe . Ach , lieber Eduard ! als ich Jenny und Reinhard verbunden sah , da wagte ich mir zu gestehen , daß ich ein ähnliches Glück begehrte und erhoffte , obgleich ich wußte , was Sie von Jenny ' s Uebertritt zum Christenthume dachten ; wie Sie bei Jenny billigten , was Sie selbst niemals zu thun vermöchten . Ich täuschte mich gern , weil ich Sie liebte und kein höheres Glück kannte , als Ihnen in jeder Stunde meines Daseins , mit jedem Gedanken , mit jedem Gefühl meiner Seele zu eigen zu sein . Ein Familienleben hatte ich erst in dem Hause Ihrer Eltern in seiner heiligen Schönheit kennen gelernt , und ich wünschte sehnlichst , mit Ihnen zu den Kindern dieses glücklichen Hauses zu gehören , das mich mit so viel Güte empfing , in dem ich die schönsten Stunden meines Lebens genossen habe . Glauben Sie mir , ich verlange nichts als Ihre Liebe , nichts als Sie , Eduard ! und jedes Band , das uns vereinigte , wäre mir heilig . Ich möchte Ihr treues Weib sein , gleichviel , welch ein Priester den Segen über uns gesprochen ; jedes Land , jedes Verhältniß wäre mir gleich . Ich könnte ruhig den Tadel der Menge ertragen - aber den Segen meiner Eltern kann ich nicht entbehren . Ohne diesen Segen , den ich nie zu erhalten hoffen darf , so lange Sie nicht Christ geworden sind , gäbe es , selbst mit Ihnen , kein Glück für mich . Meine Mutter hat mich William verlobt , ohne mich darum zu befragen , und ich habe mich dadurch keinen Augenblick für gebunden gehalten . William selbst würde meine Hand nicht begehrt haben , hätte er meine Liebe zu Ihnen gekannt . Ich vermag , so leid es mir thut , den Wunsch meiner Mutter nicht zu erfüllen , ich kann William ' s Frau nicht werden . Aber auch die Ihre nicht , Eduard ! Sie bindet die Ehre an Ihr Volk , mich die Pflicht an meine Eltern , und ich darf an eine Verbindung nicht denken , die auch einer minder stolzen Frau als meiner Mutter verwerflich scheinen müßte durch die befremdlichen Schritte , welche eine Trauung im Auslande erfordert . Ich wähnte , Liebe sei allmächtig , nun sehe ich , daß sie vor Pflicht und Ehre sich beugen muß . Ich bin bereit , das Opfer zu bringen - aber es ist ein schweres , furchtbares Opfer , ich bringe es mit blutendem Herzen , und weiß kaum , wie ich das Unvermeidliche ertragen werde . Sie nehmen Abschied von mir , Eduard ! Sie sagen mir Lebewohl ! das begreife ich nicht ! Ist es nicht hart genug , daß wir einander nicht gehören sollen ? Wollen wir uns selbst um das Glück bringen , uns zu sehen , uns zu sprechen und Trost für unser Leid in dem Beisammensein zu suchen , das uns vergönnt ist ? Ich kann den Gedanken nicht fassen , Sie nicht mehr zu sehen ; ich möchte den Trost nicht entbehren , Ihrer treuen Brust anzuvertrauen , was mich bewegt , und zu erstarken an den großen Gedanken Ihres Geistes . Waren wir nicht glücklich bis jetzt , auch ehe das Wort Liebe ausgesprochen wurde ? Hatten wir uns nicht verstanden ? So kann und soll es wieder werden ! Man sagt , der Strom , der die Dämme durchbrach , könne niemals wieder von selbst in jene Schranken zurückkehren ; das mag sein . Wo aber die Schranke allein Zuflucht vor gänzlichem Verarmen zu geben vermag , da muß man sie aufs Neue erbauen , sich hinter sie flüchten , um das einzige Gut zu behalten , das uns geblieben ist . Schreiben Sie mir nicht mehr , das kann nicht sein . Lassen Sie uns versuchen , die Ereignisse des gestrigen Tages im tiefsten Grunde des Herzens zu bergen . So allein - und ich rechne auf Sie , als ob Sie es mir mit dem heiligsten Eide gelobt hätten - dürfen wir uns wiedersehen . Sie , Eduard , sollen mich schützen vor der Gewalt unserer Liebe ; Ihrem starken Willen vertraue ich mich an . Nur ein paar Tage der Einsamkeit gönnen Sie mir , mich zu gewöhnen an das schwere Loos , das uns geworden ist . Doch was klage ich ? Ich begehrte Glück und Leid mit Ihnen zu tragen , und sollte muthlos werden , nun die Prüfung naht ? Nein , Eduard ! Sie sollen sehen , daß Sie sich nicht in mir geirrt haben , daß ich würdig gewesen wäre , die Ihre zu sein , weil jedes Schicksal , das ich mit Ihnen theile , mir erträglich scheint . Um mich sorgen Sie nicht , ich weiß , daß Sie mich lieben ! Mit dem Bewußtsein kann ich Alles tragen ; denn Liebe , selbst hoffnungslose Liebe ist Glück ! Daran halten Sie fest , Eduard ! wenn wir uns wiedersehen . Dieser Brief brachte auf Eduard die doppelte Wirkung hervor , ihm Clara im vollsten Lichte ihres ruhig milden Wesens zu zeigen , und ihn zu ermannen , obgleich er ihn die ganze Größe seines Verlustes fühlen ließ . Er durfte nicht kleiner sein als sie , die ein unabwendbares Geschick mit Ergebung trug und mit ängstlicher Sorgfalt das geringe Glück , auf das sie Anspruch hatte , sich und dem Geliebten zu erhalten strebte . Doch nur schwer und allmälig gelangte er zu der Fassung , welche Clara gleich in sich gefunden hatte , um ihn damit