ist . « » Ich bitte um Vergebung ! der Mantel ist da , ich habe ihn vor zwei Stunden gesehn . « » Wo denn ? « » Wo ? Sie fragen ? .... Gräfin , haben Sie in der That den Muth , zu fragen ? « » Himmel ! « rief sie sehr ungeduldig , » hing er als Wetterfahne an der katholischen Kirche , oder fuhr ein neuer Faust auf ihm durch die Luft , oder was sonst ! « » Er lag in Graf Mengens Zimmer - auf dessen Bett . « » Nun das ist mir lieb ! der gute Mengen ! so hat er den Ernst aufgefunden - ich war schon ganz verzagt . - Weiter im Examen , Herr von Walldorf ! Sie sehen , ich bleibe keine Antwort schuldig . « » Ich bin zu Ende . « » Das thut mir leid . « » Warum ? « » Weil es mir nicht geglückt ist , Ihnen den Todesstreich zu geben , d.h. Ihren wahnsinnigen Hirngespinnsten , denn Sie sehen zwar ganz petrifizirt aus , aber gar nicht klar und verständig . « » Faustine ! « rief Clemens und warf sich ihr zu Füßen , » haben Sie Mitleid mit mir . Wie kann ich klar sein , wenn die rasendste Leidenschaft , Eifersucht , meine Besinnung , mein Urtheil verstümmelt , und wenn alle äußern Zeichen mich gräßlich in dem Verdacht bestärken , daß - Mengen glücklicher ist als ich . « » Das wünsch ' ich ihm aus tiefster Seele , « sprach Faustine finster . Clemens fuhr auf und sagte mit hämischer Bitterkeit : » Daran hab ' ich nie gezweifelt ! ich wußte es - als ich den Mantel bei ihm sah . « » Verschonen Sie mich mit diesem ewigen Mantel ! « rief sie ungeduldig . » Er muß doch sein , wo die Besitzerin ist - oder war . « Der tiefe Unmuth in Faustinens Zügen ging plötzlich in eine so tiefe Trauer über , daß Clemens wie niedergedonnert abermals zu ihren Füßen hinsank . Sie sagte nur : » Clemens ! « - aber es lag ein herzzerschneidender Vorwurf in ihrem leisen , zitternden , melancholischen Ton . » Vergebung ! « stammelte er mit gerungenen Händen . » O , « sagte sie , » nicht mich haben Sie am tödtlichsten gekränkt : Sich selbst - die reine Blüthe Ihres Gefühls ! .... Stehen Sie auf , Herr von Walldorf , gehen Sie ! Sie können doch künftig nicht mehr den Muth haben , mir fest ins Auge zu sehen , unwillkürlich würden Sie es niederschlagen , und einen solchen Menschen kann ich nicht in meiner Nähe dulden - gehen Sie ! « » Sei gnädig , Faustine ! « seufzte Clemens , und drückte seine Stirn auf ihre Füße . Doch mit unsäglichem Widerwillen machte Sie mit dem Fuß eine abwehrende Bewegung und wiederholte : » Gehen Sie . « - Und er ging . - Große Thränen quollen aus ihren Augen . Sie blickte mit tiefer Sehnsucht Andlaus Bild an und sagte : » Anastas , mein Freund ! kommst Du denn nie wieder mit Schutz und Schirm für Deine Ini ? « Da hörte sie im Vorzimmer Marios Schritt . Schnell trocknete sie die Augen . Es war vielleicht ihr größter Schmerz , daß sie ihm den Grund ihrer Betrübniß nicht sagen durfte . Das machte sie verdrießlich . Sie empfing ihn nicht eben freundlich , als er mit den Worten eintrat : » Darf ich für den Sünder Ernst um Gnade bitten ? « » Der ist an Allem schuld ! « rief sie unmuthig . » Ist Ihnen Unangenehmes widerfahren ? « fragte Mario sehr besorgt . » Nein , gar nichts , « sagte sie verlegen - » ich meinte nur gestern .... und dann , wo ist mein Mantel ? « Aha , dachte Mario , Clemens hat bereits geplaudert . Laut sagte er ruhig : » Ich nahm ihn gestern Abend dem weinseligen Ernst ab , um ihn vor den Rauchwolken der Bedientenstube zu schützen ; jetzt hängt er wieder auf dessen Arm . « Dann erzählte er ihr , daß und wie Ernst zu dem Rausch gekommen , und sie rief : » Mit Trunkenen hab ' ich nichts zu schaffen ! den einen hab ' ich so eben fortgeschickt , und der andere mag auch gehen . « » Theure Gräfin , möchten Sie nicht ignoriren ? « » Nein ! Clemens beharrt in einem fortwährenden Rausch , der mir ganz lästig ist , und was ich jetzt von ihm erfahren , Bestechung meines Bedienten , trägt nicht dazu bei , ihn in meiner guten Meinung herzustellen . « » Aber Ernst , der zum ersten Mal diesen Fehltritt begangen und ihn mit Thränen bereut hat .... « » Nun , so ermahnen Sie ihn , reden Sie ihm ins Gewissen , nehmen Sie ihm Schwur und Eid ab , liebster Mengen ! ich verstehe mich nicht auf Strafpredigten , und behalte ganz gern einen , seit Jahren treu ergebenen Diener . « So vermittelte Mario den Frieden ; und bald war es ihm auch gelungen , die Unmuthswölkchen aus Faustinens Seele zu verscheuchen , denn sie hatte die reizbare Beweglichkeit eines Kindes , und jeder goldene Apfel eines Gedankens , den man auf ihren Weg warf , hemmte ihren flüchtigen Atalantenlauf . Mario erzählte ihr von einer Heirath , welche als eine schauerliche Mesalliance , nicht sowol des Standes , als auch des Alters und aller äußern Verhältnisse , die Gemüther in Bewegung setze . » Der Mann ist ein Künstler , « sagte Faustine . » Aber hoch in Jahren aber ohne die geringste Spur von Schönheit ! was hilft es der Frau , ihn alle Abend drei Stunden lang glänzend und gefeiert zu sehen , wenn vor ihren Augen der Nimbus schwindet ? « » O wir