mit seiner besoldeten Geliebten bekannt zu machen , daß er es wagt , sie zusammenzubringen : was muß Donna Isabella von ihm denken ? Wie ihn ansehen , wenn sie ihn etwa lieben sollte ? Und woher diese ganz unbegreifliche Vertraulichkeit , wenn ihr Verhältnis kein unerlaubtes ist ? Seht , das ist ein Rätsel , welches ich mir gar nicht auflösen kann . « » Weil Ihr die Höfe nicht kennt ! « rief Celio lachend ; » weil Ihr alle diese Stümpereien und Kleinigkeiten aus einem zu moralischen Gesichtspunkte anseht ! Daß der junge Graf seine Liebschaft der Herzogin anvertraut , ist ja der sicherste Beweis , daß beide nur Scherz und Zeitvertreib suchen : denn außerdem würde sie doch wohl eifersüchtig sein und ihn nach einer solchen Eröffnung von sich entfernen . Wenn der regierende Herr , wie es bei uns der Fall ist , öffentlich in einem Verhältnisse lebt , das nicht ganz den Gesetzen gemäß ist , so ahmt die Umgebung ihn nach und übertreibe und überbietet jene Ungebundenheit . Darum ist er auch schon einigemal mit Zorn und Bestrafung hart , ja grausam dazwischengefahren . Jedoch , um ein Beispiel zu geben und abzuschrecken , vergeblich . « » Und sich als Mann zu verkleiden ! « fing Don Giuseppe wieder an : » so in finsterer Nacht mit dem jungen Manne allein auszuwandern ! Im Stall mit einem Diener und einer Sklavin zu verweilen . « » Überlegt doch nur « , sagte Celio halb unwillig , » daß es nur auf diese Art möglich war , den ganzen Spaß durchzuführen . Die Diener des Gesandten durften sie doch nicht als Donna Isabella erkennen : ein langer Mantel verhüllte sie ganz , sie gab sich nachher nur dem Gesandten zu erkennen , um diesen recht zu beschämen . « » Nun meinethalb « , sagte Don Giuseppe : » was geht mich auch die ganze widerwärtige Geschichte an ? Aber ein Verwandter der Dame dürfte es doch höchst anstößig finden , daß sie mit dem jungen Menschen , wenn er auch ihr weitläuftiger Vetter ist , auf der Straße und unten im Hause so lange im Finstern verweilt : dann wieder im Schlafgemach im Dunkeln , jener unzüchtigen Szene ganz nahe . Alles das setzt in der Dame einen Leichtsinn voraus , den meine Einbildung mit weiblicher Tugend durchaus nicht zu reimen weiß . « » Hab ich je einen so schwerfälligen hartnäckigen Mann gesehn ! « rief Celio aus : » gut , daß Ihr es nicht nötig habt , an Höfen zu leben . Ihr gemahnt mich fast wie der ehrbare Sperone , der sich in Rom hauptsächlich dadurch bei den Vornehmen verhaßt machte , daß er in jeder Gesellschaft in seinem selbsterfundenen langen Professorhabit erschien , der ihm so ehrwürdig auf die Füße reicht , und hinten nachschleppt , ein Talar , wie ihn weder ein Professor noch ein Philosoph jemals in Italien getragen hat ; am wenigsten in vornehmer Gesellschaft . - Die Gemahlin des Prinzen Pietro , diese ist es , die ein öffentliches Ärgernis erregt . Sie nimmt gar keine Rücksicht , hoch und niedrig , alles ist ihr gleich willkommen : und dabei bemüht sie sich nicht einmal , ihre Schande und Ausschweifung den Augen der Welt zu entziehn . Freilich ist ihr Gemahl noch schlimmer und ruchloser , der mir dem allerniedrigsten Pöbel verkehrt , in den schmutzigsten Kneipen sich schimpfliche Krankheiten auflieset , aller Welt schuldig ist , weder Treue noch Glauben kennt , und ihr , der Verlornen mit einem gottlosen Beispiel vorangegangen ist . Über das ruchlose Leben der beiden ist selbst der Großherzog empört : nur hegt er , so stark und stolz er ist , doch vor dem Bruder eine gewisse Scheu : und sie verlacht in Leichtsinn und Frechheit jede Ermahnung . Man hat mir immer gesagt , daß wenn die züchtigen , eingezogenen Spanierinnen einmal den Zwang abgeworfen haben , sie viel wilder und unzüchtiger als unsre Landsmänninnen sein sollen . Der Fürst selbst hat den Bruder der Frau ermahnt , ihr Zaum und Gebiß anzulegen : es ist ihm selbst befohlen worden , an den Vater der Ausgelassenen zu schreiben , damit dieser von Neapel herüberkomme , um sie zu züchtigen , und das Ärgernis wenigstens zu mildern , wenn er es nicht ganz aufheben kann . Man ist nun gespannt , ob es zur Scheidung kommen oder ob man sie in ein Kloster verstoßen wird . Vielleicht , daß der Gemahl sie auch so tief verachtet , daß er sich um ihren Lebenslauf nicht mehr kümmert . « - So , unter mancherlei Gesprächen verging den Reisenden die Zeit . Celio Malespina wußte vielerlei von Gelehrten sowohl , wie von Staatsmännern . Was er auf seinen Reisen gesehn und erlebt , hatte sich seinem Gedächtnis gut eingeprägt , und er wußte auch kleine , unbedeutende Begebenheiten gut vorzutragen , weil er ihnen eine frische , lebendige Färbung gab , so daß die Figuren und Sachen den Hörenden vor Augen standen . Don Giuseppe war sehr abwechselnd in seinen Launen : bald heiter , bald wieder sehr ernst , ja finster . Wenn ihn Malespina befragte , antwortete er nur : einige Verlegenheit in seinem Kaufmannsgeschäft , das er dort in Mailand ordnen müsse , mache ihn nachdenklich , wenn er sich den Verdruß denke , der ihn dort erwartete . Sie hielten sich unterwegs nirgend auf , weder in Bologna noch Siena . Oft , in der Zeit , wenn die Pferde der Ruhe bedurften , ging Don Giuseppe durch die Stadt , oder über Feld , seinen Reisegefährten nicht beachtend : ein andermal war er wieder sehr freundlich und ließ sich kostbaren Wein und herrliche Früchte nachtragen , die er selbst eingekauft hatte , und in Fröhlichkeit mit seinem redseligen Reisegefährten teilte . Als sie in die Nähe von Florenz gekommen waren , verweilte Giuseppe in einem Borgo , der nur noch wenige Miglien von