die Natur erzeugt , der Mensch habe Ehrfurcht vor der Natur , weil sie die Mutter ist , die den Geist nährt mit dem , was sie ihm zu empfinden gibt . « - Wie sehr hab ich an Dich gedacht und Deine Worte , und an Deine schwarzen Augenwimpern , die Dein blau Aug decken , wie ich Dich gesehen hatt zum allererstenmal , und Dein freundlich Mienenspiel und Deine Hand , die mein Haar streichelte . Ich schrieb auf : Heut hab ich die Günderode gesehen , es war ein Geschenk von Gott . - Heut lese ich das wieder , und ich möcht Dir alles zulieb tun , und sag mir ' s lieber nicht , wenn Du mit andern Menschen auch gut bist . Das heißt : sei mit andern , was Du willst , nur laß das uns nichts angehen . Wir müssen uns miteinander abschließen , in der Natur , da müssen wir Hand in Hand gehen und miteinander sprechen nicht von Dingen , sondern eine große Sprache . Mit dem Lernen wird ' s nichts , ich kann ' s nicht brauchen , was soll ich lernen , was andere schon wissen , das geht ja doch nicht verloren , aber das , was grad nur uns zulieb geschieht , das möcht ich nicht versäumen , mit Dir auch zu erleben , und dann möcht ich auch mit Dir all das überflüssige Weltzeugs abstreifen , denn eigentlich ist doch nur alles comme il faut eine himmelschreiende Ungerechtigkeit gegen die große Stimme der Poesie in uns , die weist die Seele auf alles Rechte an . Einmal ist mir die Höflichkeit zuwider , die sich immer neigt vor andern und doch keinen Verkehr mit einem hat , als ob das unhöflich wär , dem auszuweichen , der einem nichts angeht ; - wär die Natur so verkehrt , so intrigant und unsinnig wie die Menschen sind , es könnte kein Erdapfel reifen , viel weniger denn ein Baum blühen , alles ist die reine Folge der Großmut in der Natur , jede Kornähre , die den Samen doppelt spendet , gibt Zeugnis . Engherzigkeit wird nimmer ihren Samen spalten zum Licht , sie verkeimt . Jetzt fang ich an zu fühlen , zu was ich da bin . Alle Morgen bet ich , wenn ich aufwache : » Lieber Gott , warum bin ich geboren « , und jetzt weiß ich ' s , - darum , daß ich nicht so unsinnig sein soll , wie die andern sind , daß ich den reinen Pfad wandle , in meinem Herzen bezeichnet , für was hätt ihn der Finger Gottes mir eingeprägt und meine fünf Sinne in die Schule genommen , daß ein jeder ihn buchstabieren lerne , wenn es nicht wär diesen Weg zu bekennen . - Ja , man muß dem Menschen Weisheit zumuten und sie ihm als den einfachen Weg der Natur vorschreiben , aber das Verleugnen eines großen mächtigen Weltsinnes in uns ist immer Folge unseres Sittenlebens mit andern , das hängt sich einem an , daß man keinen freien Atemzug mehr tun kann , nicht groß denken , nicht groß fühlen aus lauter Höflichkeit und Sittlichkeit . Groß handeln , das dank einem der Teufel , das müßte von selbst geschehen , wenn alles natürlich im Leben zuging . Es ist eine Schande , was die Menschen alles mit dem Namen Großmut belegen , als ob nicht ein rasches selbsttätiges Leben immer das als elektrisches Feuer ausströmen müsse , was man große Handlung nennt . - Das mühselige Menschengeschlecht plappert wie die Elstern , es versteht nicht das Stöhnen der Liebe , das muß ich sagen , weil die Nachtigallen so süß stöhnen über mir . Vier Nachtigallen sind ' s , auch im vorigen Jahr waren ' s vier . Ja , lieben werd ich wohl nie , ich müßt mich vor den Nachtigallen schämen , daß ich ' s nicht könnt wie die . - Wie hauchen sie doch ihre Seel in die Kunst der Wollust , in die Musik - und in einen Ton hinein , so rein , so unschuldig - so wahr und tief - was keine Menschenseele weder durch die Stimme noch durch das Instrument hervorbringen kann . Warum doch der Mensch erst singen lernen muß , während die Nachtigall es so rein , so ganz ohne Fehl versteht , tief ins Herz zu singen , ich hab noch gar keinen Gesang gehört von Menschen , der mich so berührt wie die Nachtigall - eben dacht ich , weil ich ihnen so tief zuhör , ob sie mir wohl auch zuhören wollten , wie sie eine Pause machten , kaum heb ich die Stimm , da schmettern sie alle vier zusammen los , als wollten sie sagen , lasse uns unser Reich . Arien , Operngesänge sind wie lauter falsche Tendenzen der sittlichen Welt , es ist die Deklamation einer falschen Begeisterung . Doch ist der Mensch hingerissen von erhabner Musik , warum nur , wenn er nicht selbst erhaben ist ? - Ja , es ist doch ein geheimer Wille in der Seele groß zu sein . Das erquickt wie Tau , den eignen Genius die Ursprache führen zu hören , - nicht wahr ? - O wir möchten auch so sein wie diese Töne , die rasch ihrem Ziele zuschreiten , ohne zu wanken . Da umfassen sie die Fülle , und dann , in jedem Rhythmus ein tief Geheimnis innerlicher Gestaltung , aber der Mensch nicht . Gewiß , Melodien sind gottgeschaffne Wesen , die in sich fortleben , jeder Gedanke aus der Seele hervor lebendig , der Mensch erzeugt die Gedanken nicht , sie erzeugen den Menschen . - Ach ! Ach ! Ach ! - Da fällt mir ein Lindenblütchen auf die Nas - und da regnet ' s ein bißchen ; was schreib ich doch hier dumm Zeug hin , und kann ' s kaum mehr lesen ,