würden , den ersten schwierigen Eindruck des bewußten Gedichtes zu vernichten , und so jedem weiteren Nachhalle vorzubeugen . Er sah nur zu deutlich ein , wie es am Ende doch jenes einzige Wort aus Constanzens Munde gewesen , was seine Schritte geirrt und seine versöhnliche Gesinnung mit einem geheimen Aber angesteckt habe . Jetzt konnte an eine Vertuschung nicht mehr gedacht werden , und alles nahm seinen strengen , gesetzlichen Gang . Wie ein Donnerschlag traf es die Freunde , als ihre Verhaftung nun wirklich erfolgte . Eine Kommission ward beauftragt , ihre Papiere zu durchsuchen , und zum Unglück kam dies alles so rasch , so unvermutet , beide hatten so gar keine Ahnung von den neuesten Gerüchten , daß Larkens nicht von weitem daran dachte , jene verfänglichen Briefe auf die Seite zu schaffen ; denn leider waren sie noch vorhanden , er hatte die Vertilgung so merkwürdiger Aktenstücke nicht über sich vermocht , vielmehr lagen sie über die Zeit der ersten Untersuchung als geheimes Depositum in dem Hause eines unverdächtigen Bekannten , später nahm sie der Verfasser wieder zu sich und ein versiegeltes Portefeuille in seinem Pult verwahrte den verräterischen Schatz . Wie sehr der Umstand unsern Schauspieler beunruhigen mußte in dem Augenblick , als ihm die Festnehmung seiner eigenen Person das Ernstliche der Absicht genugsam bewies , läßt sich denken ; denn daß man die Briefe finden würde , daß der Inhalt , obwohl höchst komischer Natur , gar sehr gegen ihn zeugen müsse , war zu erwarten . Die beiden wußten kaum , wie ihnen geschah , als sie sich eines Morgens in zwei abgesonderte Zimmer des sogenannten alten Schlosses zu trauriger Einsamkeit verwiesen sahen . Leopold und Ferdinand waren teilnehmende Begleiter auf dem verhaßten Gange . Beim Abschied konnte Nolten kein Wort vorbringen , kaum fand er Gelegenheit , dem Bildhauer ein kurzes Billett an den Grafen nochmals zu empfehlen . Larkens ' Benehmen drückte einen knirschenden Schmerz aus , er kehrte das Gesicht ab , während er Noltens Hand zum letztenmal faßte . Wenn der Mensch von einem unerwarteten Streiche des ungerechtesten Geschickes betäubt stille steht und sich allein betrachtet , abgeschlossen von allen äußeren mitwirkenden Ursachen , wenn das verworrene Geschrei so vieler Stimmen immer leiser und matter im Ohre summt , so geschieht es wohl , daß plötzlich ein zuversichtliches , fröhliches Licht in unserm Innern aufsteigt , und mit Heiterkeit sagen wir uns , es ist ja nicht möglich , daß dies alles wirklich mit mir geschieht , ungeheurer Schein und Lüge ist es ! Wir fühlen uns mit Händen an , wir erwarten , daß jeden Augenblick der Nebel zerreiße , der uns umwickelt . Aber diese Mauern , diese sorgsam verriegelte Tür wiesen dem armen Maler mit frecher Miene ihr festes unbezwingliches Dasein . Erschüttert , mit lautem Seufzen ließ er sich auf den nächsten Stuhl nieder , ohne einmal an das Fenster zu treten , das ihm eine weite Aussicht ins Freie und seitwärts einen kleinen Teil der Stadt freundlich und tröstlich hätte zeigen können . In der Tat hatte das Zimmer eine angenehme Lage , in dem obersten Teil des ohnehin hochgelegenen , altertümlichen , hie und da noch befestigten Gebäudes . Dieser eine Flügel war , die Wohnung des Kommandanten und des Wärters ausgenommen , ganz unbewohnt , von einer andern Seite , wo Garnison lag , tönte zuweilen ein munterer militärischer Klang , Trommel und Musik nicht allzu geräuschvoll . Auch die nächsten Umgebungen Theobalds nahmen sich eben nicht sehr düster aus , die Wände rein geweißt und trocken , die Eisenstäbe vor den Fenstern weit genug , um nichts zu verdunkeln , die Heizung regelmäßig , soweit die herankommende Frühlingszeit sie nicht gar entbehrlich machte . Aber an der notdürftigsten Unterhaltung mit Büchern , Schreibzeug und dergleichen fehlte es , und jede Art von Material für den Künstler insbesondere schien ausdrücklich verwehrt . Auch dachte unser Gefangener für jetzt noch an alle das keineswegs ; vielmehr liefen seine Gedanken mit der Geliebten , mit dem ganzen zerrissenen und verhüllten Bilde seiner Zukunft beschäftigt , immer in demselben Schwindelkreise , wie an einem unübersteiglichen , von keiner Seite zugänglichen Walle , verzweifelnd hin und her . Und wenn er sich das Ärgste , das Äußerste vorgehalten , so kam ihm doch stets wieder der Glaube an Constanzens richtiges Gefühl , an ihre Klarheit , ihre treue Gesinnung mutig entgegen . Sie mochte ihn damals abgewiesen haben , weil ihre Stellung zum Hofe ihr diesen Zwang auflegte , sie mochte selbst , auf kurze Zeit vom allgemeinen Irrtum angesteckt , einigen Unwillen hegen , aber ihr Herz werde ihn freisprechen , werde mit ihm leiden , sie selbst werde eine Milderung des gegenwärtigen Übels zu befördern wissen . Diese seine Hoffnung gewann nach und nach so viel Stärke , daß ihm die Gestalt der schönen Frau nicht anders als mit dem Ausdruck mitleidiger Liebe wie ein Friedensbote vorschwebte , ja zuletzt mit dem reizenden Ungestüm einer angstvollen Braut , welche die Befreiung des Verlobten fordert . Aber furchtbar lastete die Zeit der Ungewißheit auf ihm , bis er den ersten gütigen Laut von ihr vernehmen könnte ! Jenes Billett an den Grafen - kaum erinnerte er sich der hastig hingeworfenen Worte - drückte eigentlich nur eine lebhafte Beteurung seiner Unschuld , einen schmerzlichen Klageton aus , der hauptsächlich auf das Gemüt Constanzens berechnet sein mochte . Ein früher entworfenes Schreiben an die letztere , wovon wir oben etwas gesagt , hatte er mit sich hiehergebracht ; er las jetzt diese gemäßigten , freudig hoffenden , kühn versprechenden Linien aufs neue ; er glaubte die Teure vor Augen zu haben , ihre zarte Hand zu ergreifen , ihre Zusage zu hören , den Hauch ihres Mundes zu fühlen , und ach ! wie stumpfte dann wieder der Anblick dieser Zelle gegen den lebendigsten Traum ! Larkens an seinem Orte quälte sich nicht weniger mit Zweifeln und Sorgen auf und nieder . Es entbehrte seine Phantasie