lassen Sie den guten Mann nur immer machen . Weder dieser noch ein anderer , ich versichere Sie , erzieht den Menschen . Das sind alles handwerksmäßige Uebungen . Lehrjahre hat ein Jeder . Das muß sein . Der Künstler wird geboren . Das Genie giebt und nimmt sich nicht . Und was das Wecken und Ersticken desselben betrifft , so halte ich von dem nicht viel , das nicht stärker wäre , als ein mechanisches Band . - Der Widerspruch lehrt zuerst sprechen , und zugleich denken . Gleichviel , was augenblicklich für Resultate daraus entstehen ! Man muß dabei nicht allzupeinlich verweilen . Ein wenig Trotz hebt Kopf und Nacken in die Höhe . Der Blick lernt dieselbe Richtung finden . Zuletzt fällt dann das eigene Maaß kurz genug aus , wenn man es vergleichend an Ideale legt . Man lernt Andere dulden , weil man sich Vieles verzeihen muß . Sie kennen ja meine Theorie über die einzigen Ausgleichungsmittel im Leben . Güte und wohlwollende Achtung für die Freiheit Anderer . Ich büße lieber von der meinigen ein , als jene zu beschränken . Machen Sie es auch so . In der Regel kann man , bis zu einem gewissen Punkt , über Vieles lachen und es gut sein lassen . Ich lache jetzt oft , und deshalb auch letzthin bei unsrer lauernden Nachbarin . Danken Sie mir das , Elise . Hätte ich dem Ernst sein Recht eingeräumt , jener gewisse Punkt wäre vielleicht nicht unberührt geblieben , und dann wäre mehr , als die losen Schlingen des Scherzes zerrissen worden . Hüten Sie sich , schöne , arglose Seele , aus der Region heiterer Unbewußtheit herauszutreten . Noch bewache ich die Gränzen . Drängen Sie mich nicht von meiner Stelle . Ich bitte Sie , fragen Sie nicht zuviel . Ich habe schon mehr erfahren , als gut ist ; die Binde ist mir von den Augen genommen , und kein Gott kann den Traum seliger Blindheit wieder herstellen . So weit hatte ich geschrieben . Ich wollte Ihnen das Blatt mit dem Frühesten schicken . Die Gelegenheit mit dem Marktschiffe dünkte mir zu langsam . Einen Augenblick hatte ich den Gedanken , selbst nach der Stadt zu reiten und den Brief in Ihrem Hause abzugeben . Ich ließ auch wirklich mein Pferd vorführen , warf mich darauf und sprengte davon . Doch war ich noch nicht weit gekommen , als ein mir nacheilender Reitknecht ein Billet von Emma überbrachte , in welchem sie mir anzeigt , daß , gleich nachdem ich die Burg verlassen , ein fürstlicher Jäger mit der Meldung dort eingetroffen sei , der Fürst hege den Wunsch , in den umliegenden Forsten zu jagen , und sage sich zu dem Ende , zu einem Frühstücke auf dem Schlosse an . Mir blieb natürlich nichts anders übrig , als umzukehren und die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen . Sehen Sie , Elise ! Fesseln , die den Menschen zum Sclaven gemacht haben , ehe er es noch einmal recht weiß , werden immer durch unabwendbare Verhältnisse geschmiedet . Was diese entstehen läßt ? was sie durch einander bedingt ? das liegt außerhalb menschlicher Berechnung . Es hat sich eins auf ungefähre Weise gebildet , und der Ring ist sogleich geschlossen , der unsere Freiheit umspannt ! Die Jagd ist nichts als ein Vorwand . Der Fürst sucht die Oberhofmeisterin hier auf , weil es nicht das Ansehen persönlicher Beziehung zu ihm haben soll . Und doch existirt diese Beziehung . Sie hat etwas vor . Sie nimmt den Einfluß des längst gekannten Freundes in Anspruch . Mit mir will sie etwas . Ich sehe sie von Weitem kommen ! Schon lange dreht sie das Seil . Jetzt hofft sie , die Schlinge zu schürzen ! Von hier fort , in Thätigkeit will sie mich wissen ? deshalb die vertrauliche Annäherung des Fürsten , das zwanglose ländliche Beisammensein ! Der Weg soll gefunden werden , der geradezu auf meine Eitelkeit losgeht . In das eigene Netz will man mich verwickeln . Sie hat sich verrechnet . Der Springer im Schachspiel durchkreuzt wohl auch einmal den Gang der Königin . Ich weiß das ! ich fühle mich ! und dennoch , wenn es zu einer offnen Erklärung käme - wenn ich reden müßte - was würde da Alles laut werden ? wohin kann ein Wort das andere führen ! Und Sie werfen mir vor , den Weltmann in der Stadt , den Schloßherrn auf der Burg zu spielen . Ahnden Sie denn gar nicht , was mein Spiel verdeckt und abwehrt ? - - - - Ein Tag voll unruhigen Umhertreibens , voll lästiger Geschäftigkeit ist nun vorüber ! Es ist wieder Nacht , die Stunden laufen ab , die Zeit wechselt , das Leben rückt nicht vor , ich stehe auf dem alten Fleck . Entsetzliches Bewußtsein ! Es jagt mir das Blut mit Höllenangst durch die Adern ! Wie das noch werden soll ! Der Fürst maß mich heute ein Paarmal mit seinem seitwärts fallenden Blick , der , bei aller Flüchtigkeit doch auf Kundschaft ausging . Welche Spur hat man ihm nur gegeben , daß er so zuversichtlich darauf fortgeht ? Im Uebrigen that er ganz unbefangen , war gesprächig , und ganz auf der Jagd . Er ist ein gewandter Schütze . Ich äußerte das mit bescheidenem Lobe . Er lächelte . » Ja , « sagte er darauf , » es war immer mein Lieblingsvergnügen , deshalb erlaube ich mir es nur selten . Es kann leicht zur Leidenschaft werden ; und vor nichts hege ich mehr Furcht , als vor einer solchen Haustyrannin , die man am eignen Heerde groß zieht ! « Er schwieg , allein hier eben war es , wo sein Blick mich suchte . Ich that , als bemerke ich es nicht , indem ich den Gegenstand fallen ließ , und nur neue Veranlassung suchte , der eingestandenen Neigung Vorschub zu leihen . Er ging