bei diesem naiven Geständnis . Zürnend setzte er den Knaben nieder , der sogleich wieder zu Alexandern zurückstrebte . Aber ihn heftig beim Arm fassend und seitwärts schleudernd , sprang jetzt der Vater , seiner Wuth nicht mehr gebietend , auf . Ich hätte gehofft , Du würdest mein Andenken lebendiger in des Kindes Herzen erhalten haben , sprach er nach einer Pause mit Bitterkeit zu Erna . Aber , was in Dir selbst augenscheinlich nur allzuschnell unterging , um neuen Gegenständen Platz zu machen - wie könnte es eine festere Dauer in einem so zarten Gemüthe finden , das von Pflicht und Recht noch keinen Begriff hat . Erna ' s blasses Gesicht überzog sich mit einer flammenden Röthe , aber sie schwieg , weil sie fühlte , jede Erklärung in diesem Augenblick , sei sie auch noch so rechtfertigend , könne den Zwist , den sie zu vermeiden suchte , nur um so schleuniger entzünden . Sie rief den weinenden Otto zu sich , der durch die rauhe Begegnung seines Vaters aufs Gesicht gefallen war und blutete , und indem sie ihn , ohne Parthei gegen Linovsky zu nehmen , tröstete , und die Schuld seines Fallens auf seine eigene Ungeschicklichkeit schob , band sie ein Tuch um seine verletzte Stirn , und schickte ihn fort zu Augusten . Auch Alexander war aufgestanden . Sein Blut kochte - alle bösen Geister des Zorns , der Rache und der Vertilgungssucht wachten blutdürstig in seinem Herzen auf , und sehnten sich , nicht blos zu knirschen , sondern zu handeln . - Doch Erna ' s Anblick , die still in ihren Leiden den rührenden , Ruhe gebietenden Blick auf seine herausfodernden Augen heftete , entwaffnete ihn wieder , aber er empfand , daß die schnellste Entfernung nöthig sei , um sich in einer wenigstens dem Anschein nach friedlichen Stimmung zu erhalten . Er griff daher nach seinem Hute . Mit beleidigender Hast zog Linovsky bei diesem Zeichen des nahen Gehens an der Klingel , und befahl dem hereintretenden Bedienten , Herrn von Norbeck ' s Pferd vorzuführen . Hierauf ging er ohne Abschied in ein Nebenzimmer , wo er , die Thür hinter sich werfend , sich verschloß . XV Stumm stand Erna jetzt Alexandern gegenüber . Sein Gesicht brannte , von der Gluth innerer Empörung geröthet , ein convulsivisches Zittern flog durch seinen ganzen Körper , und krampfhaft hatte er , ohne es selbst zu wissen , beide Fäuste geballt . Da nahte ihm die Geliebte , dem Engel des Friedens gleichend , dessen Blick Vergebung , dessen Lächeln Versöhnung ist , und seine starre Hand fassend und sie innig drückend rief sie ihn , durch dies noch nie vorher von ihr empfangene Zeichen ihrer Gunst , aus dem Schwefelpfuhl ohnmächtiger Wuth wieder zur Besinnung und zur Besänftigung empor . Sie konnte nicht sprechen , denn zu beklemmt war ihre Brust von dem Schmerz über die Kränkung , die er erlitten , vom Vorgefühl der nahen , unvermeidlichen , und - wie die Weissagung ihres Herzens ihr zuflüsterte - ewigen Trennung , und von der dunkeln Perspective in die freudenlose Zukunft an der Seite eines rauhen , ungerechten Mannes , der nach dieser Scene das höchste Gut , das er bisher in ihr besessen , ihre Achtung nämlich , verloren hatte . Nach Fassung ringend , sah sie ihm lange unverwandt in die Augen - da wurde ihr plötzlich leichter - ihre Blicke schimmerten , wie himmlische , trostverheißende Sterne , ehe sie in milden Thränen hinthauten , und in diesen Thränen fand sie Linderung , fand sie sich selbst und ihre Kraft wieder . Wir müssen uns trennen , mein theuerer Freund , sprach sie ; denn kein Opfer darf mir zu schwer seyn , wenn es die Beschwichtigung des Mannes gilt , dem ich mit allen seinen Fehlern nun einmal zugesellt und ihn zu ehren und zu schonen verpflichtet bin . Möchte das Vereinsamte meines künftigen Lebens durch die Ueberzeugung erheitert werden , daß Sie auch mit Nachsicht auf diese Stunde zurückblicken , und ohne Groll aus einem Kreise scheiden wollen , in dem ich Ihnen ewig ein treues Andenken bewahre . Leben Sie wohl ! Sie ward immer bleicher - mit halb geschlossenen Augen senkte sich ihr Blick vorwärts - Alexander fürchtete , daß eine Ohnmacht sie anwandle , und fing sie in seinen Armen auf . Da ruhte ihre kalte Wange einen flüchtigen Moment an seinem flammenden Antlitz , und seiner selbst nicht mehr mächtig , bis zur Verwegenheit berauscht von einem nie als möglich geträumten Glück , das so unmittelbar auf die tiefste Erschütterung der gehässigsten Gemüthsbewegungen folgte , wagte er es , seine glühenden Lippen auf ihren Mund zu drücken . Du liebst mich , Himmlische ! rief er aus ; o ich hab es immer geahnet , geglaubt , und mit allen Kräften meiner Seele gewünscht . Wie kann ich je verzagen , nun ich den Trost dieser Gewisheit mit mir nehme - wie kann ich jemals murren , wenn die Erinnerung dieser Stunde mein früh verblichenes Leben mit ihrem Wiederschein verklärt ? Da ermannte sich Erna , und wand sich los aus seinen Armen . In stiller Hoheit stand sie vor ihm da , selbst in der Milde der Wehmuth , die sie umfloß , ihn in die Schranken der strengsten Ehrfurcht zurückweisend , die seine Kühnheit überschritten hatte . Leben Sie wohl ! sagte sie noch einmal , leise und tief gefühlt , ihm mit der Hand den letzten Abschied zuwinkend - leben Sie wohl ! sagte auch er , und stürzte hinaus . - Da trat sie ans Fenster , ihn wegreiten zu sehen , und als der Hufschlag seines Rosses nun verhallte , und seine Gestalt wie auf Sturmwindsflügeln ihren Augen entrückt war , da wehrte sie den häufiger hervorquellenden Thränen nicht . Denn es war ihr klar geworden , diese Liebe , die sie nur ungern sich selbst gestand , sei die Wurzel , wie die