- » So fand mein Herz in dem Narren Trost ! « antwortete Luther . Als sie in die angelehnte Türe des kleinen Hauses der Frau Zähringer traten , fand sich Luther , der vorangegangen , von zwei freundlichen Armen umfangen . Luther sprach : » Kein lieberes Ding auf Erden , als Frauenliebe , wem sie zu Teil mag werden ! « - - Da fuhr Anna vor der fremden Stimme erschrocken zurück und Berthold trat zu ihr , freute sich , daß sie schon heimgekommen , erklärte ihr den Irrtum , sagte aber , daß er diesem tapfern geistlichen Herrn den Gruß auf die Reise wohl gönne , zugleich stellte er Anna als Braut vor und bat um Luthers Segen zur Verlobung . - Luther sprach : » So tut , wie euer Herz begehrt , was ihr in eurem Herzen gelesen habt . Frühes Aufstehen und Freien soll niemand gereuen . Das Weib wird selig durch Kindergebären , wenn sie bleiben im Glauben und in der Liebe und in der Zucht . Der Mann arbeitet sich froh durch die Welt , wenn ein frommes Weib den Schweiß von seiner Stirne trocknet , er wirft seine Sorge auf Gott , tut recht , scheuet niemand , und freut sich an der Welt , wie auf den Himmel . Amen , es geschehe ! « - Anna dankte unter Tränen , sie blieb mit Luther allein , während Berthold sein Pferd sattelte . » Und Ihr dürft nicht heiraten ? « sagte sie mitleidig , » und wißt doch den Ehestand zu rühmen ? « - » Freilich « , sagte er , » ist es gegen des Papstes Gebot , was die Heilige Schrift gebietet : Es soll ein Bischof unsträflich sein , eines Weibes Mann ! « - Nun kam Berthold mit dem Rosse vor die Türe , Luther grüßte freundlich und trat hinaus . - » Euch fehlen ein Paar Stiefel « , sagte Berthold , » gern gäbe ich Euch die meinen , aber ich sehe , sie sind Euch zu enge . « - » Mein Vater und Großvater « , antwortete Luther , » waren arme Bauern , haben oft ohne Strümpfe und Schuhe ihre Rosse zur Schwemme geritten und so mußte ich auch tun , als ein kleiner Knabe . Und naß soll das Roß werden , als ging es in die Schwemme , acht Meilen muß ich zurücklegen , ehe ich sicheres Geleit finde . Habt Dank und lebt wohl , ich sende Euch das Roß mit meinem Dank beladen durch sichere Hand zurück . « Es wurde helle , als er forttrabte , und Berthold ging nicht ungeküßt auf sein Zimmer ans Giebelfenster , um ihm in die Ferne nachzusehen . Anna blieb noch vor der Türe , sie wollte den neuen Tag in ihre Freude hineinziehen . Ein lustiger Wind spielte in den Blumenkelchen der beiden kleinen Gärten vor dem Hause und Anna sang , indem sie ein wenig da aufräumte , was in den beiden Tagen vergessen war : Goldne Wiegen schwingen Und die Mücken singen , Blumen sind die Wiegen , Kindlein drinnen liegen , Auf und nieder geht der Wind , Geht sich warm und geht gelind . Wie viel Kinder wiegen ? Wie viel soll ich kriegen ? Eins und zwei und dreie Und ich zähl aufs neue , Auf und nieder geht der Wind , Und ich weine , wie ein Kind ! Fünfte Geschichte Die Rose Berthold mochte noch keine Stunde vom süßen Schlaf umfangen gewesen sein , als ihn ein Lärmen erweckte , es kamen kleine Steine an sein Fenster geflogen und er fürchtete für die Scheiben . Er sprang eilig auf und hoffte Annen vor dem Fenster zu erblicken . Diesmal irrte er , es war Fingerling , der zu Pferde und reisefertig ihm berichtete : er eile nach Waiblingen , mit der Mutter alles zu besprechen und auszugleichen , am Abend habe er sich deswegen gleich schlafen gelegt , als Anna zurückgekehrt , zugleich sagte er ihm , wo er die Briefe wegen der Handelsgeschäfte aufbewahrt habe . Berthold dankte ihm schlaftrunken für alle seine Liebe , hieß die Mutter schön grüßen und wollte sich wieder ins Bett legen , als ihm der Befehl des Kaisers einfiel , nach Göggingen zu gehen , wo er ihn sprechen wollte . Gleich bereitete er sich unter stetem Dehnen und Gähnen , denn der vorige Tag hatte ihn übermüdet , öffnete leise die Tür , stieg herab , ging zur unverschlossenen Haustüre hinaus und sah beim zufälligen Umblicken die liebe Anna durch das Fenster in ihrem Bette liegen . Er schlich sich in das Zimmer . Hätte sie die Augen geöffnet , kein Kaiser hätte ihn von ihr fortgezogen , denn schon jetzt war er schier entschlossen , die kaiserlichen Aufträge zu vergessen . Aber sie schlief ruhig und fest und er hing ihr , ohne daß sie es bemerkte , ein kleines silbernes Kettchen über , das er lange getragen , um einen Strauß zu bezahlen , den er vom Bette nahm und der ihm eigentlich wohl gegönnt und bestimmt war . So erfrischt durch Anblick und Duft , trat er seinen Weg freudiger an , erkundigte sich und fand die Straße , fand auch bald Herrn Treitssauerwein , der ihm bedeutsam vertraute , er schreibe an einem Werke , die Taten und Geschicke seines Herrn Maximilian zusammen zu stellen . Nun versicherte er , daß Maximilian während seiner ganzen Regierung auf so wunderbare Art in den bedeutendsten Augenblicken der Unternehmung gehemmt worden sei , daß er diese unendliche Reihe von Zufälligkeiten endlich nur aus einer sehr durchdachten Gegenkraft erklären könne , welche vielleicht jetzt kalt ihr Dasein öffentlich gegen ihn , oder gegen seinen Stamm kund tun würde , da sie in ihren Verbindungen so allgemein und dringend geworden sei . Es gehe schon lange die Sage von Sprößlingen der Hohenstaufen , die in einem unzugänglichen Schlosse der zeit warteten ,