seinen Schoß setzte und sie herzlich küßte . - Die Gräfin aber sprang auf und rief : » Ich glaube , es ist das einzige Vergnügen , was du mir zu machen weißt , daß du mich küssest ; sonst , ehe wir verheiratet waren , brachtest du alle Tage etwas zum Vorlesen ; ja das war gute Zeit ; jetzt bist du entweder in Geschäften , oder du denkst an Geschäfte ; ich glaube , daß ich künftig dein Schreiber werden muß , wenn ich etwas von dir hören und sehen will . « - » Du hast recht , liebe Frau « , antwortete der Graf , » aber wahrhaftig ich kann oft nicht anders ; ich wollte , ich hätte mich nicht in so vielerlei Arbeit eingelassen ; was ich aber einmal unternommen , daran setze ich Ehre und Leben . « - DOLORES : » Und ich setze alle meine Liebkosungen , alle meine Bosheit heute daran , daß du nicht zum Schreiben kommst ; lies mir etwas vor . « - GRAF : » Ich habe nichts . « - DOLORES : » Da sind ja noch die Briefe , die dir Fräulein Walpurgis gegeben . « - GRAF : » Die werden dich nicht unterhalten , sie sind zu ernsthaft . « - DOLORES : » Immer zu ; ich bin heute auch sehr ernsthaft . « - Der Graf las ihr jene Briefe , wie folget , vor : Briefe eines wandernden Einsiedlers und einer Mohrin , welche Nonne wurde4 1. Der Einsiedler an die Mohrin Das edle Saitenspiel des heiligen Geistes , der Prophet David , war einstmals ertrunken in der Stille des göttlichen Schauens und sprach das edle Wörtlein : » Mir ist gut , daß ich Gott anhange . « O wohl mir , gutes Kind , was mein Mund Dir oft begreiflich gesagt hat , als ich bei Dir war , das rufet zu Dir mein Herz : Wer Gott anhängt , wird ein Geist mit Gott und verschwimmet in das Einige ein ; das ist das Allerbeste und dies begehrte der Widerglanz des ewigen Lichtes an dem letzten Nachtmahle , das er hielte mit den Jüngern : heiliger Vater , ich begehr , daß sie eins mit uns sind , als ich und du eins sind . Und welche also mit der Allheit in Einigkeit worden sind , alle ihre Sinne kommen dann in solche Eingezogenheit und ihr Verständnis ist ein Schauen der reinen Wahrheit in der Sonne des ewigen Geistes . Ach hebe auf Dein Auge , sehe , was freuet sich jetzund Berg und Tal , Laub und Gras , wie lachet jetzt die schöne Heide ! Alles wegen der klaren Sonne , zu der Laub und Gras und jedes Kindes Auge blickt und trachtet . Ach darum mein Kind , erschwinge Dich in die wilde , stille Wüste der Gottheit und Dir wird wohl sein ; wisse , daß ein starkes Gemüt mit Gott einen schwachen Leib überwinden kann . Wer aber der schönen Rosen Auge haben will , der muß ihre natürliche Art erwarten in Gemach und Ungemach , bis der fröhliche Tag kommen , da er sie in spielender Wonne fröhlich genießen wird nach aller Herzenslust . Darum sei geduldig meine Tochter , wenn die Heiligung Deines neuen Lebens im Kloster Dich noch nicht ganz erschließen kann , wenn Deine Stunden des Gebets noch leer an Freuden sind ; jetzt ist noch Wintertag in Deiner Seele , aber Du ahndest doch oft schon den Frühling . 2. Die Mohrin an den Einsiedler Ich danke Euch für Euer Schreiben , so weit ich es verstehe , doch auch , was ich nicht verstehe , tröstet mich , wie damals Euer Angesicht , als ich noch traurig es anblicken durfte . Heiliger Vater ! Ich bin erst vierzehn Tage von Euch entfernt und meine , es wäre eine Ewigkeit . - Ich werde Euch wohl nie wiedersehen , denn Ihr wandelt mit Trost über den ganzen Erdboden , ich aber bleibe einsam in meiner Zelle . - Wie war ich so hülflos , ob Ihr gleich mit einem Segen von mir geschieden ; die Schwestern sahen mich alle so neugierig an , und befühlten meine Hand , ob die schwarze Farbe darauf säße oder darunter ; meine Seele umzog dann Nachts ein so trübes Licht , daß ich nicht schlafen konnte , sondern an das Fenster ging und mich über den Mond verwunderte , wie er so helle durch die Linden schimmerte ; die Linden schienen ihm entgegen zu rauschen und ich fühlte mich umfaßt von der kranken Schwester Therese , die auch nicht schlafen konnte und immer Nachts durch alle Zellen schlich , und wußte alles , wo die Nachtfalter im Mondenlichte flatterten und wo die Nachtigall sänge . Sie ist so gut , beinahe so gut wie Ihr , und klagt nur immer , daß sie mich nicht genug lieben kann . Die andern Novizen denken alle noch weit hinaus in die Welt , und wissen alle , was da geschieht ; wir beide gedenken nur an Euch in unsern Gesprächen über das , was außer dem Kloster ist ; Ihr scheint uns da auf der Erde umherzuwandern , wie unser Herr Gott im Himmel . Oft denken wir , wie gerne wir mit Euch lehren möchten , und könnten wir nicht lehren die Heiden , so könnten wir doch Eure Füße salben , für Euch sorgen ; aber wofür braucht Ihr zu sorgen , da Ihr so wenig bedürft und Gott mit Euch ist ; Ihr sorgt für uns und alle Welt . Alle Heiligen denken wir uns wie Euch , und die jungen Heiligen , wie der heilige Sebastian , gefallen uns nicht , da Ihr alt seid . Euer weißer Bart ist das Ruhekissen aller Andacht ; wie war mir die Sandwüste so paradiesisch , als ich auf Eurem Barte ruhen durfte , als Ihr besorgtet für mein Leben ;