Griff aber als Krückstock benutzt , um die beiden Jungen in Ordnung zu halten , die des engzugemessenen Raumes halber in beständiger Fehde sind und aller Kontrolle zum Trotz ihren still erbitterten Kampf mit den Ellenbogen fortsetzen . Zwischen der Sitzbank und dem schrägen Hinterteile des Wagenkorbes ist noch ein leerer Raum und unsere Kenntnis ähnlicher Fuhrwerke läßt uns erraten , daß hier ein Häcksel-oder Futtersack verborgen sein müsse , der schließlich nichts dagegen haben würde , wenn wir uns entschlössen , die letzte Viertelmeile des Weges auf seinem Polster zurückzulegen . Und wirklich wir schwingen uns hinein , und unsere Tarnkappe hervorziehend , unser selbstverständliches und allerwichtigstes Reisenecessaire , sitzen wir jetzt unbemerkt auf dem Häckselsack und werden zu glücklichen Zeugen all der kleinen Erziehungs- und Unterhaltungsszenen , die sich mehr und mehr zu einer gemütlichen Familienkomödie gestalten . Unmittelbar vor uns , auf einer für unsere Füße frei gebliebenen Stelle , liegt ein Spielzeug , jenes mit Glöckchen und Schellen behängte Blechinstrument , das unter dem Namen der » Janitschar « das Entzücken aller Kinderherzen bildet . Der Raum ist so eng , daß wir ' s trotz äußerster Vorsicht nicht vermeiden können , die Glöckchen gelegentlich zu berühren und jedesmal , wenn es klingelt und tingelt , drehen sich alle fünf Köpfe nach uns um , in leiser Ahnung , daß es auf dem Häckselsacke nicht ganz richtig sei . Diese Kopfwendungen , die der starken Frau jedesmal äußerst schwer werden , gehen uns eine gute Gelegenheit , unsere bis dahin nur von Rücken und Seite her gesehene Reisegesellschaft auch en face kennenzulernen und uns über den Ausdruck des Behagens als eines charakteristischen Familienzuges zu vergewissern . Die beiden Jungen sind unzweifelhaft Zwillinge ; der Mutter , einer hübschen blonden Frau , rollen die Schweißtropfen wie Freudentränen von der Stirn und ihr Ehegemahl zur Rechten zeigt uns jenes wohlbekannte , aus Würdigkeit und Sonnenbrand zusammengesetzte Gesicht , das alle ländliche Beamte zu haben pflegen , denen der Dienst in der Amts- und Gerichtsstube die Zeit zu Schnepfen- und Entenjagd nicht allzusehr verkürzt . Und so fehlt denn nichts mehr als die namentliche Vorstellung : Amtsaktuarius Bernhard aus Löhme , nebst Frau und Familie , die sich gleich nach Tisch auf den Weg gemacht haben , um dem befreundeten Pfarrhause zu Werneuchen , wo heute Geburtstag ist , einen Besuch abzustatten . Die beiden Braunen traben tüchtig weiter , der kleine Streit zwischen dem Ehepaar , ob » Päth Ulrich « heute neun oder erst acht Jahre geworden sei , ist endlich selbstverständlich zugunsten der Frauenansicht entschieden , und der seit einer Viertelstunde seine Peitsche » Gewehr bei Fuß « habende Kutscher nimmt sie jetzt wieder in die Hand , um angetan mit allen Abzeichen seiner Würde in Werneuchen einzufahren . Schon holpert und stolpert der Wagen auf dem tiefausgefahrenen Steinpflaster , der Kutscher knallt oder streicht mit bemerkenswerter Eleganz die Stechfliegen von dem Hals der Pferde , das rote Dach des Regenschirms wird eingezogen und nur einmal noch fährt die Schirmkrücke mit einem energischen » sitz gerade « , in den Rücken des linken Jungen . In demselben Augenblick aber , wo der Getroffene zusammenfährt , hält auch der Wagen schon vor der Werneuchener Pfarre . Von unserm Versteck her haben wir Zeit , das Haus zu mustern . Es ist ein Fachwerkbau mit gelbem Anstrich und kleinen Fenstern , sein einziger Schmuck der geräumige Vordergiebel und ein paar alte Kastanienbäume , deren hohe Kronen das ganze Haus in Schutz zu nehmen scheinen . Die Haustüre steht offen und gönnt einen Blick auf den kühlen fliesengedeckten Flur ; aber niemand erscheint auf ihm , um die Gäste willkommen zu heißen . Die beiden Jungen haben endlich das Terrain rekognosziert und kommen mit einer barfüßigen alten Frau zurück , die sie hinten im Garten mit Unkrautjäten beschäftigt fanden . In ziemlich dienstlichem Tone poltert der Amtsaktuarius ein paar seiner Fragen heraus ; aber bald ergibt sich ' s , daß die Jätefrau taub ist und es am geratensten sein dürfte , die Gesamtkosten der Unterhaltung ihr zuzuschieben . » Alles ausgeflogen ... Alles in ' n Wald ... Ulekens Geburtstag . « Diese Worte genügen völlig . Unser Amtsaktuarius ist lange genug in dem Werneuchener Pfarrhaus aus- und eingegangen , um zu wissen , wo der Pfarrer seine Lieblingsplätze hat , und der Alten zum Zeichen völligen Eingeweihtseins einen kurzen Gruß zunickend , läßt er im nächsten Augenblicke weiter traben . Als der Wagen etwas heftig anrückt , fall ' ich nach hinten über und stoße so stark an die Janitschar , daß sämtliche Glocken zu klingen anfangen . Aber alles ist bereits in solcher Aufregung , daß niemand mehr darauf achtet , welcher Mittagsspuk da hinten sein Wesen treibt . Bis zum Gamengrund ist eine halbe Stunde . Wir sind eben in den Fahrweg eingebogen , der nach Freienwalde hin abzweigt , und halten alsbald an einem Waldpfade , den wir in seinen Windungen durch das Gehölz hin deutlich verfolgen können . Quellen sickern im Moos . Elsen und anderes Laubholz mischt sich unter die Tannen und erfrischende Kühle weht uns an . » Oh , da singen sie schon . Wußt ' ich doch , daß wir sie finden würden « – mit diesen Worten , die fast wie Selbstgratulation klingen , eilt der Amtsaktuar von rechts her auf die linke Seite hinüber , um bei der bevorstehenden Landung seiner Ehehälfte nach Kräften behilflich zu sein . Im Vertrauen auf die Gutgeartetheit der Pferde wird statt des direkten Weges über das linke Vorderrad der Umweg über den Deichseltritt gewählt ; wir aber , als wir diese Vorkehrungen glücklich getroffen sehn , schwingen uns , die linke Hand auf dem Wagenkorbe , mit raschem Ruck in den Fahrweg hinein und eilen der Aktuarfamilie voraus in die Waldestiefe hinein . Da haben wir sie . Mitten auf einem Rain , den hochstämmige Tannen einschließen , scheinen die Elfen an hellem Nachmittag ihre Spiele zu treiben . Ein Dutzend