geliebt wurde , entsprach ... Er befahl ihr , sich der nächsten Beichte der - Kinder im Waisenhause anzuschließen , und sagte : Mein Kind ! Als Erwachsene lerne etwas bei dir behalten ! ... Die Wäschmeisterin entfernte sich mismuthig ... Das Läuten einer Glocke , die eine Nonne mit der schon geschilderten Hast zog , zeigte Bonaventura an , daß er schon drei Stunden im » Holz der Buße « gesessen hatte ... Nur die Spannung , ob denn nicht endlich auch Treudchen Ley erscheinen würde , gab ihm Kraft , noch auszuharren ... Da sah er denn endlich den Gang daher kommen eine kleine Gestalt im braunen Kleide - unverschleiert ... Ein Häubchen bedeckte den Kopf , der ihm aus dem Dunkel des Ganges allmählich erkennbar wurde ... Ein halbes Jahr hatte die lieblichen Züge des jungen Kindes , das schon so viel des Trüben erfahren hatte , mit melancholischer Verhärmung angehaucht ... Die blonden Haare , die bald unter der Schere der Klosterregel fallen sollten , waren in der unkleidsamen Haube versteckt ... Um so edler traten die Formen des blassen Antlitzes selbst hervor ... Die Melancholie hatte ihnen nichts von der angebornen Schönheit nehmen können ... Treudchen näherte sich mit gefalteten Händen ... Sie schien von einem Gebet zu kommen und leuchtete wie eine Verklärte ... Hoffnungstrahlend und doch zaghaft schritt sie näher und legte jetzt , wie Bonaventura sah , mit ausbrechenden Thränen ihr Haupt auf das Holz , einer Verbrecherin ähnlich , die den Todesstreich erwartet ... Was geht nur in dieser kindlichen Seele vor ? dachte sich Bonaventura ... Welche Verwüstungen hat ein ruchloser , langsam , aber sicher wühlender Priester , der sie ohne Zweifel in diesem Kloster festhalten will , in ihr angerichtet ? ... Schon hatte Bonaventura , da Treudchen noch schluchzte , angefangen aus ihrer Seele zu beten und , wie sie für die Beichte gelehrt war , den Heiligen Geist anzurufen , der dem Menschen erleichtere , sich selbst zu erkennen - da vernahm er hinter sich in der kleinen Kirche ein auffallendes Geräusch ... So wenig ihn sonst beim Spenden des Bußsakraments Reden , Singen , Wandeln in der Kirche zu stören pflegte , jetzt mußte er sein Haupt von der zusammengeschlagenen Stola erheben ... Er hörte einen lebhaften und unziemlichen Wortwechsel zweier Männerstimmen ... Sein eigener Akoluth war es , der ihn begleitet hatte , und der Meßner vom Berge Karmel drüben , die miteinander stritten ... Kaum hatte Bonaventura einige Worte unterscheiden können , ohne ganz die Ursache des Streits zu verstehen , als sich beim Umwenden seinem Auge der schreckhafte Anblick eines im Meßornat daherkommenden Priesters darbot , der , kaum sich aufrecht erhaltend , an den Chorstühlen mit den Händen entlang tastete und sich aus ihn zuschleppte ... Ein langes Scapulier hing ihm wie einem Mönch von den Schultern herab bis an die Knie ... Es war ein Abbild des bekannten Scapuliers , das die allerseligste Jungfrau im 13. Jahrhundert einem General der Karmeliter verehrte und mit dessen Nachahmung behangen jeder Sterbende den seligen Tod gewinnt ... Der Pfarrer vom Berge Karmel war es selbst , Cajetan Rother ... Sonst eine hohe , wohlgenährte , mit glühenden Augen ein Bild des Lebens darstellende Persönlichkeit ... Heute dahinschleichend , gelb , von Fieberflecken entstellt und offenbar eben aus dem Krankenbett gekommen ... Gerufen vielleicht durch die beiden intriguanten Nonnen ... Er taumelte unsicher und in jeder Bewegung wie zum Zusammenbrechen ... Bonaventura übersah sofort , daß auch diese üble Nachrede seines Glaubens , daß die Beichtväter der Nonnen von heftigster Eifersucht gegeneinander entbrannt sein könnten , keine Fabel war ... Der Zorn , die Ungeduld , vielleicht auch die Furcht , vielleicht eine Anzeige der Nonnen , hatten den Mann vom Lager getrieben ... Ein fremder Wolf bricht in deine Hürde ! stand auf seinem verzerrten Antlitz ... Er erschien begleitet von seinem Meßner , der gegen Bonaventura ' s Akoluthen schon seinen frechsten Einspruch erhoben hatte , und redete , erst noch mit gezwungener Freundlichkeit , heiser , vom dumpfhohlen Husten unterbrochen , auf drei Schritte den sich erstaunt erhebenden Bonaventura an : Mein Herr Bruder ! Ei danke ! Danke ! ... Ich bin ja gesund und wieder wohlauf ... Bitte ! ... Sie sind - ja - sehr rasch und - auch hier wieder mein Nachfolger geworden - Ich erfahre das - soeben erst - Bitte - Erlauben Sie - ... Bonaventura ging ihm entgegen und ergriff seine Hand , die sich eiskalt anfühlte ... Sie sind krank - sprach er ... Ich beschwöre Sie - Gehen Sie nach Hause - ... Mit künstlicher Kraftäußerung schlug der Pfarrer an seine Brust und sprach so laut , daß es in der Kirche weithin schallte : Gesund bin ich ! ... Danke , Herr Bruder ! ... Mit Gott ! ... Mit Gott ! ... Adieu ! ... Schon drängte er zu dem Gitter , in welchem Treudchen ' s Haupt unbeweglich lag und nicht aufblickte ... In Bonaventura ' s Innerm wühlten alle Schwerter des Schmerzes ... Auch das , auch das ist möglich - bei unserm Priesterthum ! ... Dein heiligster Name , Jesus von Nazareth , wird in solchem Mund zur Lästerung ! ... Bei dem Gedanken , daß dieser ruchlose Priester nur verzweifelte , Treudchen Ley könnte einem andern vertrauen , was ihre Seele belastete , ergriff es ihn mit solcher Wallung des äußersten Zornes , daß er , nichts mehr achtend von dem , was er sonst , selbst mit Bekämpfung seiner Ueberzeugungen , zu schonen pflegte , rief : Sie unterbrechen eine heilige Handlung , die ich bereits begonnen habe ... Nach einer Stunde überlaß ' ich Ihnen den Sitz in diesem Stuhle ... Jetzt aber gehen Sie ! ... Die Hände des Pfarrers griffen krampfhaft am Scapulier hin und her und wickelten sich bald in das lange Tuch hinein , bald aus ihm heraus ... Der Fiebernde konnte kein Wort gewinnen ... Die beiden Diener standen