nehmen zu dürfen . Das kann ich mir denken , sagte Herr von Zeisel , wie sehr es Sie interessiren muß , diese glänzende Laufbahn , in die sich Sr. Durchlaucht plötzlich geworfen haben , zu verfolgen . Ich freue mich wahrhaft , daß die schönen Versicherungen , die Justus in den nahegelegenen Wahlkreisen für seinen Schützling gegeben , so schnell in Erfüllung kommen . Dennoch herrscht bei Allen , die für die allgemein hier herrschende Liebe zu Sr. Durchlaucht einen sichern Ausdruck haben und wissen , warum sie ihn verehren , eine Art Bedauern über diese Nachricht . Denn der Beruf eines Ministers gehört in diesen Tagen nicht zu den beneidenswerthen . Murray schwieg aus Absicht , Louis aus Schüchternheit und bescheidener Einhaltung seiner Sphäre . Über Ackermann , seine Pläne , seine Vorbereitungen zu sprechen , war Herr von Zeisel zu sehr Diplomat . Er lebte mit dem neuen Generalpächter fast auf gespanntem Fuße , was jedoch eine Einladung nicht ausschloß . Er rühmte sogar ausdrücklich Alles , was man sich von der zukünftigen Neugestaltung der wirthschaftlichen Verhältnisse des Fürstenthums versprechen dürfte . Sein ganzes Wesen war rücksichtsvoll und zeigte Takt . Als Herr von Zeisel gegangen war , hatte Louis nicht mehr viel Zeit , die Neugier , was wol die Blätter enthalten würden , zu befriedigen . Er sah einige Nummern des » Jahrhunderts « durch , die er schon kannte . Die neuen Nummern entfaltete er kaum , als schon unten der Peitschenschlag des kleinen Einspänners hörbar wurde , der ihn nach dem Ullagrund abholen sollte . Er überließ die Zeitungen Murray , der dafür ein geringes Interesse hatte , und nahm von ihm für den Lauf des Tages herzlichen Abschied . Sorgen Sie doch nicht , rief ihm zum Troste Murray noch nach , daß mir die Zeit lang werden wird ! Nehmen Sie ja einen Mantel ! Das Wägelchen ist nur halb geschlossen ! Auf Wiedersehen ! Unten halfen Brigitte und der Gärtner Louis einsteigen . Der Kutscher schien ein Bauerbursche . Er saß schon durchnäßt auf seinem Bock und war nicht wenig erstaunt , heute nach Herrn Ackermann ' s Wohnung statt des jeden Morgen von ihm abgeholten Herrn Candidaten Oleander noch einen andern Besucher mitzunehmen . Langsam fuhr der kleine Wagen den schlüpfrigen Weg hinunter , bog dann um den Thurm , an dem Herrschaftsgebäude vorbei , in das schmale , kaum fahrbare Örtchen ein . Wie hatte sich ' s hier gegen den Sommer geändert ! Wo war das Grün der Bäume hin ! Wo der Sonnenschein , wo die funkelnden Diamanten in dem Wasserstaub der Mühle ! Wo die Blumen an den Staketen und Einfriedigungen ! Wo die muntre Entenschaar auf dem Teiche ! Wo die fröhlichen Kinder ! Ein grauer Regen hüllte die ganze Natur ein . Man ahnte kaum , daß in der Nähe das Gebirge sich emporhob und auf diesen verschleierten Matten einst die Glocken der Heerden geläutet hatten . Der kleine Wagen hielt vor der düstern Pfarrwohnung Guido Stromer ' s. Viertes Capitel Der Ullagrund Es war Louis Armand ein eignes Gefühl , sich zu denken , daß dies niedere Haus die Wohnung jenes Guido Stromer war , dem er , ohne ihn genauer zu kennen , doch hier und da schon beim Fürsten oder seit einigen Wochen in der Zeitung » Das Jahrhundert « begegnet war . Er wußte von ihm , daß er vom Fürsten auf ein Jahr Urlaub erhalten hatte , um dem Triebe seines Genius zu folgen , wie Egon einmal von ihm gesagt hatte . Er wußte , daß sein Weib , die Kinder daheim geblieben waren und daß statt Stromer ' s die Pflichten seines Amtes ein Vikar verrichtete , dessen Name ihn an seine eigne Herkunft erinnerte . Louis warf über das Fußleder hinweg einen Blick in das Pfarrhaus . Er sah an den kleinen Fenstern Kinder , die neugierig auf den Wagen schauten . Irrte er sich nicht , so stand auch eine Frau lauschend hinter der Gardine . Die Rouleaux waren halb niedergelassen . Blumentöpfe standen inwendig auf den Fensterbretern . Die Linden , die das Haus im Sommer beschatteten , waren entlaubt . Der ganze Eindruck war der der Einsamkeit , der öden verlassenen Traurigkeit , die in einem wehmüthigen Widerspruche stand zu dem Vater dieser Kinder , dem Gatten dieses Weibes , der jetzt vielleicht noch , von den Anstrengungen einer vornehmen Abendgesellschaft ermüdet , im Bette lag oder für die große Welt wirkte in der rauschenden Hauptstadt ! Die Thür des Hauses ging auf und ein langer , schlankaufgeschossener junger Mann trat heraus , in einem grauen verschlissenen Mantel , eine Brille vor den Augen , einen alten rothen Regenschirm in der Hand . Einige Bücher steckte er eben in die Brusttasche des Mantels , als er rasch von den zwei Stufen , die vor der Hausthüre die Schwelle bildeten , mehr herabstolperte als schritt , um unter dem Regen hinweg bald in den Wagen zu kommen . Der Knecht öffnete das Deckleder , Louis rückte zur Rechten und grüßte mit der Entschuldigung , daß er sich dieses Wagens mit ihm zugleich bediene , um zu Herrn Ackermann zu fahren . Herr Oleander mußte sich sehr bücken , um unter dem Schirmdach der kleinen Halbchaise Platz zu finden . Erröthend sagte er einen guten Morgen und bemerkte lächelnd , daß er schon erfahren , mit wem er die Ehre hätte . Damit brach er sogleich ab und murmelte nur noch einige unverständliche Worte über das schlimme Wetter . Der Knecht gab dem Pferde die Peitsche und weiter ging es langsam durch den Plessener Koth an der Schmiede vorüber , in welcher es heute still war . Diese Werkstatt mit Dem , was Louis gestern Abend Alles erfahren hatte , in Verbindung zu bringen , machte auf ihn einen eigenen Eindruck . Auch gedachte er des Försterhauses , des einsamen Fränzchen ' s , der alten Ursula . Am Abend hoffte er bei Heunisch