Vor vierzehn Tagen kam ein Korb auf einer Kare vor der Thür des Klosters und so schwer stand am Gitter , daß die Damen Schnup - Keine Namen ! sagte Bonaventura ... - die gerade im Kloster waren , selbst , sie vor dem Gitter zu heben , angreifen mußten ... Sie sagten , es wären lauter neue Servietten für die Wirthin » Zum goldnen Lamm « ... Sie wollten den Korb zum Zeichnen in die Zelle der Gertrud Ley tragen ... Keine Namen ! wiederholte Bonaventura aufs strengste ... Ich sehe den großen Waschkorb und sage : Die Zelle der Kostgängerin ist dafür nicht groß genug ... Der Korb muß in die Nähstube ... Die beiden Fräulein widersprachen ... Ich werde darüber zornig und sage : Ich denke , ich bin hier die Wäschmeisterin ! Nun ergaben sich die Damen - Sonst so hochmüthig und vornehm - heute trugen sie mit ihren feinen Händen und Handschuhen den Korb selbst und das fiel mir auf ... Durchaus wollten sie damit zur Kostgängerin ... Diese war im Chor ... Sie lernte singen ... Wie die beiden Fräulein so durchaus den schweren Korb , statt in die Wäschstube , an der wir schon standen , in die Zelle bringen wollten und niemand auf dem Gange war - die Schwestern waren alle im Chor - sagte ich und schon mit Furcht und Ahnung zu dem Fräulein Eva , der Aeltesten : - Was ist das heute mit dem Korb ? Gleich machen Sie auf ! ... Da wurden die Mädchen blaß wie die Wand und nun ich das sah , da riß ich selbst den Korb auf und - heiliger Joseph ! - statt Wäsche stak - eine Mannsperson unter dem Deckel ... Bonaventura mußte der Bekennerin Kraft zur Sammlung lassen ... Ich weiß nicht , hochwürdiger Vater , fuhr sie fort , wo ich es hergenommen habe , daß ich nicht sofort in Ohnmacht fiel ... Ich schrie : Herr ! Verlassen Sie jetzt nicht sogleich auf demselben Wege , wie Sie hereingekommen sind , so auch wieder hinaus dies Heiligthum unsrer allerseligsten Jungfrau und des gekreuzigten Jesus , so zieh ' ich hier an der Glocke und rufe das ganze Kloster zusammen ... wehe dann Ihnen und Ihren Helfershelferinnen - Und Sie , meine Fräulein , wandte ich mich zu diesen - Aber nun konnte ich nicht weiter ... Die beiden Nichtswürdigen fielen in die Kniee und baten um alle Wunden Jesu , sie nicht zu verrathen ... Ein Glück für sie , daß die Orgel so laut ging ... Der junge Mann stand noch im Korb und wollte herausspringen , zog auch eine volle Börse , die er mir in die Hände drücken wollte ... Nein , schrie ich , danken Sie allen heiligen Märtyrern und Bekennern , daß die Schwestern im Chor singen und die Nähstunde schon geschlossen ist ... Entfernen Sie sich augenblicklich ! ... Damit drückte ich den jungen Mann , so vornehm und stark er war , wieder in den Korb hinunter , zwang ihm den Deckel über den Kopf und die beiden Damen mußten ihn selbst wieder an beiden Henkeln zum Sprachgitter hinausschleppen , wo sie sich bald damit verhoben hätten , um ihn nur an die Oeffnung hinaufzubringen ... Da waren denn zwei Kerle , die schon auf alle Fälle bereit standen , nahmen die Last wieder an sich und trugen sie zur Straße hinaus wieder auf die Karre ... Bonaventura konnte bei diesem auf Treudchen berechneten Besuch nur an Piter Kattendyk denken ... Und Ihre Sünde ? ... fragte er nach einer Weile , ohne sich das Bild : Piter im Waschkorb , in seinem komischen Effect - zu lange auszumalen ... Er fühlte sogar Antheil der Freude über einen Beweis so großer Liebe , die Treudchen hatte gewinnen können ... Sünde ? Daß ich den Vorfall - verschwieg - sagte die erschöpfte Wäschmeisterin ... Verschwieg ? Einer pflichtgetreuen That soll man sich gegen niemanden rühmen ... Muß das Kloster nicht gesühnt werden ? ... Nein ... Die beiden ruchlosen Frauen kommen noch immer und ich lass ' es zu ... Sie werden sich bessern ... Als der Korb und die Frauen hinaus waren , rannt ' ich umher wie sinnlos und - Mußten es los werden ? ... Erzählten es also doch ? ... Die Beichtende schwieg ... Sie waren mir also jetzt eben unwahr ! ... Das ist ein Frevel - ich will ihn verzeihen ... Die natürlichste Mittheilung , die Sie jedoch machen konnten , war die bei dem armen Kind , dessen Ruf durch diesen Vorfall so heillos bedroht wurde ... Thaten Sie das ? Der Pfarrer hat - Die Stimme stockte ... Dann ergänzte sie zagend : Hat befohlen , ihr davon nichts zu sagen und - ohnehin - mit ihr kein Wort zu sprechen , das nicht - heilig ist ... Bonaventura konnte nicht die Befehle seines Vorgängers brechen ... Er konnte ohne Gefahr für die geistliche Würde nicht fragen : Warum nur Geistliches mit Treudchen Ley ? ... Er half sich wie öfter in diesem Theil seiner römischen Zauberkunst und hielt sich an die Gesinnung , die sich eben , im Bekennen , offenbarte , nicht an den schwierigen Fall selbst ... Er hatte die Nonne auf Lügen ertappt ... So sprach er denn von dem bedenklichen Vorfall selbst nicht mehr , sondern von der Wahrheit , deren Umgehung schon Adam mit Nachtheil sich hätte zu Schulden kommen lassen , als er den Genuß der verbotenen Frucht auf Eva schob , und schon Eva , als sie die Schuld wieder der Schlange zuschrieb ... Die Lüge der Lügen nannte er es aber , wenn man mit dem ausdrücklichen Schein , wahr sein zu wollen , dennoch lüge ... Er legte der Wäschmeisterin eine Buße auf , die seiner immer mehr zunehmenden Reizbarkeit und dem Verdruß , daß hier Alle etwas ausgeplaudert bekamen und nur Die nicht , der dadurch ein Beweis entging , wie sehr sie