Alembert war gelähmt und brachte seine letzten Lebenslage im Spital zu Val de Grace zu , Madame aber wohnte bei der Gattin eines unserer Generale und lernte dort Delorny kennen . Die Dame war 40 Jahr , als ihr Gatte im März des vorigen Jahres starb und verliebte sich in den jungen Capitain , der sich die Sache anfangs gefallen ließ , ohne jedoch von Heirath zu sprechen . « » Caramba ! Da hatte er Recht ! « » Aber Madame d ' Alembert sah die Sache nicht von dieser Seite an . Sie nahm im vorigen Sommer Opium - zwei Mal sogar - und wollte sterben ! Der Arzt erklärte wenigstens , sie werde die Nacht nicht überleben , und Delorny fühlte ein menschliches Rühren in seinem Gewissen und ließ sich mit ihr - wie man sagt - in extremis trauen . « » Und dann wurde die Dame plötzlich gesund ? Cap de Bious - ich wittere den Braten . « » Richtig - nur nicht ganz so rasch . Delorny soll sich dann haben bewegen lassen , die Trauung in der Kirche St. Thomas zu wiederholen , doch heimlich , ohne Zeugen und Ausweis der Kirchenbücher . Madame behauptet zwar , die Ehe sei vollzogen trotz ihrer vierzig Jahre - Delorny weigerte sich jedoch , ohngeachtet der gerichtlichen Klage , irgend einen Schritt zur Legitimation zu thun , hielt sich von ihr entfernt und verschwand endlich ganz . Erst vor einem Monat erfuhr die zärtliche Gattin , baß er sich zur Orient-Armee hatte versetzen lassen und machte sich auf , ihm zu folgen . Vorgestern traf sie , in Begleitung des Feld-Almosenier Tenelli und der Obersten Brancion , von Constantinopel hier ein und überraschte gestern den ungetreuen Flüchtling , der sich Nichts weniger träumen ließ , als diesen Besuch . « » Ich kann mir die Scene denken ! « » Vielleicht doch nicht , wie sie in Wirklichkeit war . Delorny wurde grob , so daß Brancion ihn fordern wollte , die zärtliche Frau aber brachte sich mit einem Dolch , den sie im Kleide verborgen trug , zwei Stiche in der Nähe des Herzens bei . « » Hol ' der Teufel die Tollheit der Weiber ! « » Namentlich der alten , Capitain ! Man hat ihr zwar glücklich die Waffe entrissen , ehe sie sich wirklich tödten konnte , was für Delorny wohl das Beste gewesen wäre , aber die Geschichte hat das ganze Hauptquartier in Alarm gebracht und General Pelissier wüthet noch ärger gegen allen Frauenbesuch , als bisher , und hat geschworen , daß , mit Ausnahme der Marketenderinnen , der Profoß Alles aus dem Lager spediren soll , was einen Unterrock trägt . « » Der General scheint demnach kein so galanter Verehrer des schönen Geschlechts , wie sein Vater , « sagte lachend der deutsche Medecin-Major , der eben mit Méricourt und dem Engländer zum Tisch getreten war und Platz nahm . » Ah , sieh ' da , Doctor ! Setzen Sie sich hierher . Was wissen Sie denn von dem Vater des Generals ? - ich denke , die Familie ist ziemlich unbekannt . « » Der Zufall machte mich mit Umständen vertraut , « erzählte der Arzt , » die vielleicht dem General selbst ganz fremd sind und er ahnt wahrscheinlich gar nicht einmal die Existenz einer Schwester . « » In Frankreich ? « » Nein - in meiner Heimath ; Einige von Ihnen wissen wohl , daß ich aus Berlin bin . « » Und dort lebt eine Schwester des Generals ? « » Nicht in Berlin selbst - aber doch in der Nähe . Es ist eine sehr achtbare Dame , die Gattin einen angesehenen Kaufmanns , Namens Mertens in Mittenwalde , einem kleinen Städtchen unsern der Preußischen Hauptstadt . Ihre Mutter war eine Mademoiselle Dütertre in Berlin und hatte ein Verhältnis mit dem Capitain François Pelissier vom 18. Voltigeur-Regiment , der als Adjutant Dudinot ' s 1808 in Berlin sich aufhielt . Die Familie besitzt noch ein Portrait dieses Capitain Pelissier , des Vaters der Madame Mertens , in der Uniform seines Regiments , und einen Brief an seine Geliebte , in dem er seine Freude über die Geburt der Tochter ausspricht . Später hat jedoch weder Mutter noch Kind je wieder von ihm gehört . « » So würde dies eine ältere Schwester des Marschalls sein , denn so viel ich weiß , ist er erst 44 Jahr . « » Er gehört zur jüngern Schule der Afrikaner , « bemerkte der Vicomte . » Pelissier , Bosquet , Changarnier , Lamoriciere , Mac-Mahon - sie sind Alle aus Bügeaud ' s Erziehung hervorgegangen . Er wurde frühzeitig nach Algier gesandt , weil er in Paris ein ziemlich wildes Leben führte und Schulden machte . « » Bah - wer thäte das nicht ! Man liebt , man trinkt , man spielt ! Wozu wäre das Leben da ? « » Wissen Sie denn , daß Letour , der berüchtigtste Grec von Paris , sich in Kamiesch eingefunden hat ? « » Der Doctor ? « » Ja , ich sah ihn gestern - die Lagerpolizei wird ihm hoffentlich bei Zeiten den Weg weisen . « » Warum nennt man ihn den Doctor ? « fragte Welland , - » ist er ein Arzt ? « » Das nicht - er gab der Fakultät bloß eine kleine Lection . Sie müssen die Geschichte in Paris vernommen haben . « » Ich bin nicht so glücklich . « » Nun , so hören Sie . Letour ist , wie gesagt , einer der gewandtesten Grecs und äußerst schlau der Polizei gegenüber . Er wußte , daß Herr Düport , eine der medicinischen Celebritäten von Paris , sehr reich und gleichzeitig ein leidenschaftlicher Spieler war , aber es gelang ihm weder den Doctor in ein Spielhaus zu locken , noch sich in den Salons Zutritt zu verschaffen , die jener besuchte .