dieselben Fehler zu bekennen ... Sie hatte am Rosenkranzgebet einzelne Kugeln übersprungen ... Sie hatte um des geliebten Schlafes willen sich einigemal krank melden lassen ... Sie hatte bei einem Uebermaß von Fliegen in ihrem Zimmer sie durch eine Jagd getödtet in den Zwischenpausen ihrer - Gebete ... Alledem sprach Bonaventura milde und den Fehl eigentlich in anderm suchend , als die Beichtende .... Da seine Gewohnheit war , durch eine plötzliche Querfrage eingelernte Beichten zu durchkreuzen und lehrreiche Stockungen des Gewissens hervorzubringen , so gestand ihm auch diese gute alte Frau zuletzt ein , daß sie allerdings in Streit und Zank lebte ... Zunächst galt dann das Bedürfniß der Neue über leidenschaftliche Ausbrüche ihres Temperaments einer - Henne , die regelmäßig vom benachbarten Profeßhause der Jesuiten über die Mauer flog und durchaus ihre Eier hier bei den Karmeliterinnen im Garten legte . Um diese Henne und um diese Eier war das ganze Kloster in Aufruhr ! ... Die Aufwärterin von drüben , die Hanne Sterz , begehrte von der verflogenen Henne die Eier und im Kloster war man verschworen , sie nicht herauszugeben , die Vicarin ausgenommen , Schwester Therese ... Das war nun die große , wochenlang alles ergreifende Frage unter diesen Frauen ... Daran waren alle betheiligt ... Wie oft saß Bonaventura zu St.-Wolfgang in seiner Jasmin-und Nachtviolenlaube und las die Worte der Braut im Hohen Liede : » Erquicket mich mit Blumen , labet mich mit Aepfeln , denn ich bin krank vor Liebe ! « oder er übersetzte Lope de Vega ' s Sonett von jenen beiden Frauen , von denen Eva sogleich nach reisen Aepfeln griff und alles verlor , Maria aber nur nach der künftigen Blüte aus der Wurzel Jesse und alles gewann - Renate konnte aber auch da während dessen mit den Nachbarn um Aepfel zanken , die über den Zaun gefallen waren , um Trauben , die bei ihnen reisten , während der Stamm im Pfarrgarten stand ... Auf alles das ist ein katholischer Priester auch in der Beichte gefaßt ... Daß sich aber auch ein Kloster von achtzehn Bewohnern um die Eier einer Henne in Gewissensscrupeln befand , entsetzte ihn - um Paula ' s willen ... Die Schwestern dürften die Eier der Gartenverwüsterin und Klosterfriedensbrecherin dem Nachbar vorenthalten , entschied er , wenn sie dies in der Absicht , zu strafen , thäten und die nachlässige Besitzerin der Henne gewöhnen wollten , ihre Henne besser zu hüten ... Sie würden es aber wahrscheinlich mit Schadenfreude gethan und sich am Besitz der Eier listig erfreut haben ... Da wäre es denn freilich ein Raub ... » Sammeln Sie jetzt die Eier und sind es ihrer jedesmal eine Mandel , so schicken Sie sie nebenan ins Waisenhaus ! « ... Als die Aebtissin mit diesem Bescheid gegangen war , kamen die alten Nonnen zuerst ... Das Warten schien ihnen beschwerlich zu fallen ... Rother hatte es auch so eingeführt , wahrscheinlich , um sie rascher zu entfernen ... Fanatismus für Formalitäten , wie er namentlich im ehelosen Stand die Frauen mit der Zeit alle Stadien der Qual für sich und andere durchmachen läßt , sprach sich umständlich genug aus ... Einige hatten dabei ein nervöses Zucken , andere eine Sprechweise , die vor Ueberhastung nicht einen einzigen geordneten Satz vorbringen konnte ... Dann hatte die Art , wie die von ihm auferlegten Bußen sofort ausgeführt wurden , wenn er den sich Entfernenden nachsah , etwas Erschreckendes durch den Mechanismus und den eiligen Eifer der Formalität ohne jeden Duft der Innerlichkeit ... Das Schönste am Weibe , die scheue Unsicherheit in solchen Bewegungen , die der Natur und dem sonstigen Triebe des Weibes widersprechen , fiel hier weg ... Das Zusammenleben in einem weiblichen Freistaat hob die Grazie auf , die aus dem Zusammenleben mit Männern entspringt ... Er sah eine Nonne eine Betglocke an Stricken so hastig ziehen , wie eine Magd den Brunnenschwengel regiert , wenn ihr Salat wartet ... Alles wurde mit dem reizbarsten Fanatismus hervorgebracht ; die Regel der Tagesordnung , der Küche , der Bekleidung , des Backens , das Scheuern , Beten , Singen und Gewinnen von Geld durch weibliche Arbeiten , wie Blumenmachen , Stickereien , Wäschenähen und -zeichnen - alles wie im Krampf ... Eine beaufsichtigte die andere und ganz ersichtlich war es , daß hier nur die geringeren Seelenthätigkeiten des Menschen in beständiger Erregung blieben ... Man denke sich die alte Mönchsregel , die einst Sebastus zu Bonaventura wiederholte : » Wir Mönche kommen zusammen und kennen uns nicht , wir leben zusammen und lieben uns nicht , wir sterben zusammen und beweinen uns nicht ! « - angewandt auf Frauen ... Das weibliche Herz verknöchert , das angeborne Bedürfniß der Liebe erstarrt ! ... Die Schulschwester Beate und die Vicarin Therese folgten sich unmittelbar ... Wie war jene so häßlich mit ihren Zahnlücken ... Und dabei war sie die Einzige , die dennoch zu lächeln versuchte - mit Wehmuth zu lächeln ... Sie hatte noch Formen des Zusammenhangs mit der Außenwelt ... Vorzugsweise schien der Geist der Intrigue in ihr mächtig zu sein ... Sie allein klagte Rothern an ... Sie sagte , sie wäre durch die Reihe der Jahre gewohnt , das Sakrament der Buße zu leicht zu nehmen ... Sie schlüge sich oft mit der Geißel um Fehler , die sie nur so eingestünde , um vor den andern nichts voraus zu haben ... Bonaventura ließ sich nicht irre machen , er rüttelte an der nur halbgeöffneten Thür des Gewissens und sah bald , der hinterhaltige Sinn des starkwilligen Mädchens öffnete nicht ... Sie blieb bei Oberflächlichem und mußte , da sie zuletzt nur noch gestand , ihr Herz wol zu sehr an ein Hündchen gehängt zu haben , hören , daß dies allerdings eine Sünde wäre , wenn sie dem Hunde die Liebe schenkte , die sie den Menschen versagte ... Voll Unmuth und Staunen über dies Wort erhob sie sich nach der ihr auferlegten Buße , drei Tage