Heck und heben die Kinder in die Höh , die Störche klappern auf allen Dächern , als hätten sie mit zu reden bei solchem Einzug , und die Feldlerchen begleiten von draußen her den Zug und erzählen sich hoch oben von dem Glück , das sie drunten gesehn . Und ein volles Glück war es , das sie sahen , nicht spärlich zugemessen wie sonst wohl . Denn nicht über kurze Tage hin dehnte sich die Zeit der Flitterwochen , und Blumberg , wie es der tägliche Zeuge vollkommener Eintracht und innigsten Zusammenlebens wurde , wurd ' auch ein gefeierter Sitz edler Gastfreundschaft , ein Mittelpunkt geistigen Lebens , dichterischen Schaffens , wie damals kein zweiter in Mark Brandenburg zu finden war . Johann von Besser , Eusebius von Brand waren oft und gern gesehene Gäste und von hier aus ergingen an den vielbewährten Jugendfreund und Studiengenossen unsers Poeten , an den Kirchenrat Zapfe in Zeitz , oft wiederholte Einladungen , » das Harfenspiel aufs Neu von der Wand zu nehmen und das Hoflager in Blumberg zu beziehen . « Briefe wurden mit einer gewissen Regelmäßigkeit gewechselt , und als die Schilderungen ehelichen Glücks , die Canitz regelmäßig mit einem » nun gehe hin und tue desgleichen « zu schließen pflegte , endlich ihren Einfluß geübt und den ehrbaren Magister und Kirchenrat auch an den Altar geführt hatten , da ging von Blumberg ein Gratulationsbrief folgenden Inhalts nach Zeitz : » Deine Heirat und die Art derselben gefällt mir sehr wohl ; weil Du mir aber Dein Sach ' ohne sonderliche Umstände schlechthin berichtet hast , so will auch ich Dir in Kürze nur , aber doch immer von Herzen , Glück und Vergnügen wünschen und daß Deine Liebste , wo nicht ein fruchtbarer Weinstock , so doch ein immergrüner Tannenbaum sei , dem es an Zapfen niemals fehlen möge . « So gingen die Tage . Ein volles Glück war es , ein Glück über Jahre hin und doch zu kurz für das beneidete Paar , das in seltenem Gleichklang zusammenstimmte . Der alte Neider Tod trat zwischen sie mitleidslos und unerbittlich , und in Erinnerung an jene Tage schwindet ihm jetzt der heitere Traum und trübe Bilder ziehen in seiner Seele herauf . An dem Lager einer Sterbenden kniet er . » O daß du bleiben könntest ! « klingt es bittend von seinen Lippen ; sie aber schüttelt den Kopf und spricht : » Du bist so oft von mir gegangen , nun geh ich von dir ; sieh , ich schlafe schon . « Und danach entschlief sie wirklich , ohne Zucken und ohne Schmerz . Das einförmige Rufen des Kuckucks klang lauter und näher jetzt und Canitz richtete sich auf , als wollt ' er die Rufe zählen . Da schwieg der Kuckuck . Ein wehmütiges Lächeln umspielte seine Lippen ; dann schritt er durch die Gänge des Parks in das Herrenhaus und seine Stille zurück . Das war am letzten Junisonntage 1699 . Am 11. August desselben Jahres begegnen wir ihm noch einmal . Seine Kräfte waren schwächer geworden , und das heitere Poetenherz , das einst mit tausend Wünschen an das Leben gekettet war , es hatte nur noch einen Wunsch : zu sterben , wie die teure Heimgegangene vor ihm gestorben war . Und dieser letzte Wunsch ward ihm erfüllt . Am frühen Morgen des genannten Tages stand er auf , ließ sich völlig ankleiden und trat an das Fenster , das er öffnete , um frische Luft zu schöpfen . Die Sonne ging eben auf , und mit freudigem Staunen genoß er ihrer Pracht . Als er eine Weile hineingeblickt , rief er mit erhobener Stimme : » Wie schön ist heut ' der Himmel « und sank von einem Schlagfluß getroffen tot zur Erde . So starb » Canitz , der Poet . « Schon am Tage darauf wurd ' er in der Marienkirche beigesetzt . Eine Woche später hielt ihm Spener in der Nikolaikirche die Gedächtnispredigt ; den Inhalt seines Lebens aber stellen wir zu folgender Grabschrift zusammen : » Friedrich Rudolf von Canitz , Sr. churfürstlichen Durchlaucht zu Brandenburg wohlbestallter Geheime-Rath und Staatsminister , geb . zu Berlin ( nach anderen zu Lindenberg bei Berlin ) den 27. November 1654 , gest . den 11. August I699 , im 45. Jahre seines Alters . Was das Leben erhöht und verschönt , das übte und pflegte er . Er liebte die Kunst und die Menschen ; die Freundschaft hielt er hoch , die Treue am höchsten . Er war klug ohne Arg ; ein männlicher Sinn , ein kindliches Herz . Er liebte die Welt , aber er empfand ihre Eitelkeit ; Glaube und Sehnsucht wuchsen in seinem Herzen und trugen ihn aufwärts . « 24 Ich hab ' in vorstehendem den Menschen Canitz als eine liebenswürdige , fein und innerlich angelegte Natur zu schildern versucht ; es bleibt noch die Frage übrig nach seiner politischen Bedeutung und nach seinem poetischen Wert . War er ein Staatsmann ? war er ein Poet ? Das erstere gewiß , das zweite kaum minder . Die Natur schien ihn für die diplomatische Laufbahn im voraus geschaffen zu haben , und die komplizierten Verwandtschaftsgrade , darin er stand , ( auch die Mutter seiner Frau war dreimal verheiratet gewesen ) hatten von Jugend auf dahin gewirkt , diese seine natürliche Beanlagung auszubilden . Eine uns aufbewahrte Charakteristik seines Wesens zeigt am besten , wie außerordentlich er sich für seine Laufbahn eignete , darin damals ungleich mehr noch als jetzt , alles an dem Erkennen und der richtigen Benutzung von Persönlichkeiten gelegen war . » Er war gesprächig , höflich , frei von Eigensinn und Widerspruchsgeist , für jedermann gefällig und aufmerksam , Fähigkeiten und Neigungen leicht durchschauend , jedem Gegenstande wie jedem Verhältnisse sich leicht bequemend – ein vollkommener Mann von Welt . Seine Rechtschaffenheit , sein Haß gegen Lüge und Zweideutigkeit unterstützten ihn eher , als daß sie sein Auftreten gehemmt ,