Igelsheimer , auch auf den Römerweg zu Treudchen Ley ... Nück , in übermäßiger Freude über das gänzliche Verschollensein des Brandstifters Jan Picard , nicht einmal belästigt von dessen Drohbriefen um Geld , beruhigt sogar über Hubertus , der in der That mit Pater Sebastus auf Flucht nach Rom war , lebte nur seinen jetzt doppelt entfesselten Begierden ... Er suchte Lucinden mit allen nur erdenklichen Kundgebungen seiner Gefühle zu umstricken ... Er vernachlässigte seinen Beruf und gab sich Blößen vor allen seinen Arbeitern ... Benno bestätigte , was Bonaventura schon aus dem Beichtstuhl wußte ... Sie wollen mich jetzt verlassen , jetzt ? ! rief Nück Benno und seine Augen traten in ihre Höhlen zurück und ließen nur einen einzigen weißen Schimmer sehen ... Sie dürfen nicht ! Sie müssen bleiben ! ... Und ich habe es gut mit Ihnen vor ! lenkte er ein . Sie müssen eine glänzende Carrière machen ... Dieser Staat hier bietet Ihnen nichts ... Herr von Asselyn , Sie bleiben ? Wenigstens bis zum Herbst ? ... Ich wickle dann mein Geschäft ab und gebe meine Praxis auf ... Werden Sie mein Nachfolger oder - ich erfinde noch etwas ganz Anderes für Sie ... On ne marche qu ' avec les hommes ! sagte Mirabeau , fuhr er fort ... An Menschen hänge dich an ... Die nur tragen dich , wie der heilige Christophorus das Kind übers Meer trug ... Meinungen , Ueberzeugungen , Pflichterfüllung - pah - das ist all nichts ... Ich setze Sie auf die Schultern von Menschen - ja des ersten Mannes in der weltlichen Christenheit und Ihren Cousin , den Domcapitular , auf die Schultern des ersten Mannes in der geistlichen ... Nur durch Menschen kommen wir vorwärts ... Benno , von Nück oft so auf Kaiser und Papst verwiesen , lachte , hatte aber die tiefste Abneigung gegen ihn ... Da er in der Proceßfrage der Camphausen arbeitete , hinderte ihn die eigene Theilnahme , von Nück zurückzutreten , wie er am Tage nach dem Auffinden der verdächtigen Urkunde gewollt hatte ... Den Regierungsrath von Enckefuß sah er oft ... Er mochte von seinen Ahnungen nicht selbst beginnen und dieser wollte entweder durch Schweigen seine Maßregeln verschleiern oder war zu sehr vom Antreten seiner eignen traurigen Erbschaft in Anspruch genommen ... Dionysius Schneid durch Steckbriefe zu verfolgen , wie Herr von Enckefuß schon auf Schloß Westerhof vorgeschlagen , hatte Levinus von Hülleshoven nicht unterstützen wollen , obgleich die Spur des Verwundeten aufzufinden unmöglich war ... Hubertus , der ihn geborgen , wurde vernommen , aber seine Aussage lautete auf ein freiwilliges Weiterwandern eines Abenteurers , der für Pater Ivo und Löb Seligmann in den Gewölben einer Klosterkirche verschwunden war ... Löb Seligmann hatte sich noch nicht veranlaßt gefühlt , in einer so frommen Gegend mit Zeugenaussagen hervorzutreten gegen Klöster und hohe Adelssitze ... Eines Tages - es war gegen Pfingsten - erhielt Bonaventura folgende Zeilen : » Hochwürdiger Herr ! Eine Novize bei den Karmeliterinnen , Gertrud Ley aus Kocher am Fall , wünscht schon seit lange Ihnen Beicht zu sprechen . Herr Cajetanus Rother verhinderte dies . Jetzt ist er lebensgefährlich erkrankt und bedarf eines Substituten . Es wird Ihnen ein Leichtes sein , von der Curie diese Stellung zu erhalten . Sollten Sie von dem Gerücht , daß Sie Comtesse Paula magnetisirten , Unannehmlichkeiten haben , so wollt ' ich Ihnen nur bemerken , daß , wenn auch jeden , der sich auszeichnet , Neid verfolgt , doch in diesem Fall die Intrigue der Frau von Sicking bei Witoborn die Veranlassung etwaiger Verdrießlichkeiten ist ... « Der überraschende Brief war ohne Namen , konnte aber nur , die Handschrift bewies es , von Lucinde kommen ... Bonaventura war aufs Aeußerste betroffen ... Von der » Seherin von Westerhof « hatte er überall unbefangen gesprochen ... Die » Intrigue der Frau von Sicking « ? ... Diese Dame war von ihm vernachlässigt worden ; er hatte gleichgültig von ihren Bußunternehmungen gesprochen ... Dafür konnte sie an ihm Rache nehmen ? ... » Paula magnetisirt ? « ... Die Geistlichen der Michahelles ' schen Richtung beklagten allerdings , daß Paula ' s Ekstase keine rechtgläubig religiöse war ... Die Indifferenten lächelten öfters zweideutig , wenn sie mit Bonaventura von seiner Reise sprachen . Der Weihbischof , ein Greis , hatte ihm manches mitgetheilt , was hinter seinem Rücken gesprochen wurde ... Sogar der Onkel Dechant hatte ihn in einem seiner jetzt öfter als sonst geschriebenen Briefe gewarnt vor bösen Gerüchten , auch Hunnius und Rother als seine Gegner genannt ... » Gib Acht « , schrieb er ihm , » greift die Intrigue um sich , so verbieten sie Dir trotz Deiner hohen Stellung noch den Beichtstuhl ... Halte Dich nur mit dem Generalvicar , der ein , aufgeklärter Mann ist ... « Bonaventura hatte sich gelobt , Lucinden zu betrachten , als wäre sie nicht mehr für ihn auf der Welt ... Er hatte zu Renaten , als ihm diese mittheilte , jeden Abend ginge eine verschleierte Dame an einem auf eine kleine Gasse hinausgehenden Fenster seiner Zimmer vorüber und sähe minutenlang hinauf - bittend gesprochen : Reden Sie doch nicht mehr davon ! ... Er wollte Lucinden vergessen ... Er wollte den Muth zeigen , sich nicht zu fürchten vor ihren Drohungen ... Bei jeder Leiche , die er segnete , sah er im Geist den Sarg von St.-Wolfgang offen und Lucinde mit dem » Geheimniß über sein Leben « ihn anstarren wie die Sphinx ... Er wollte auch jetzt von diesen Zeilen sich nicht erschüttern lassen , wollte nicht durch zu langes Verweilen bei ihrem Inhalt Lucindens wahrscheinliche Absicht unterstützen , mit Gewalt wieder Posten in seinem Innern zu nehmen ... Der Abschied von Paula lag zu schmerzhaft noch auf seinem Gemüth ... Er sah immer näher kommen , was ihm und Paula der Tod war , die von den Standesrücksichten gebotene Ehe derselben mit dem Grafen Hugo - mit dem Geliebten der