hatte , so bot das ihre deren mehr . Sie hatte Tage seltenen Glückes gesehen , aber auch Tage tiefen Falls . Ihr Ehegemahl , eine genialische Natur , halb Held , halb Libertin , hatte sich nicht begnügt , wie ihr Vater , der Kanzler , als erster Diener neben dem Thron seines Fürsten zu stehn , er war , eine Zeitlang wenigstens , seines Herrn Herr gewesen , und daß er es unausgesetzt hatte bleiben wollen , das hatte ihn gestürzt . Was Kurfürst Friedrich Wilhelm ertragen konnte , als er , fast ein Knabe noch , ins Land kam , in ein Land , das ihm der schlaue Mut Konrad von Burgsdorfs erst schrittweis erschließen mußte , das mußte notwendig zur Verstimmung und endlich zum Bruche führen , als der jugendliche Fürst » der Große Kurfürst « zu werden begann . Der kluge Günstling , der so vieles sah , sah diesen Wechsel nicht , wollt ' ihn nicht sehen , und an diesem Irrtum oder Eigensinn ging er zugrunde . Seine Gegner hatten leichtes Spiel . Die Wüstheit seines Lebens kam ihnen zu Hilfe , und die Verbannung vom Hofe ward ausgesprochen . Er ging nach Blumberg . Aber der Haß seiner Feinde schwieg auch jetzt noch nicht . Man bangte vor seiner Rückkehr , und hundert geschäftige Zungen erinnerten immer wieder daran , » daß der eben gestürzte Günstling achtzehn Maß Wein tagtäglich bei Tafel getrunken habe , zugleich auch ein gewaltiger Courmacher und Serenadenbringer gewesen sei « . Man wußte wohl , was man tat , daß man gerad ' an diese Dinge beständig erinnerte ; Kurfürstin Henriette Louise war eine fromme Frau , der alles Lasterleben ein Greuel war , und nachdem Unzucht und Völlerei so lang ihr wüstes Haupt auf den Tisch gelegt hatten , wurd ' eben damals die Sitte wieder erstes Gebot . Konrad von Burgsdorf starb bald , nachdem er in Ungnade gefallen war . Es heißt , daß er sinn- und trostlos geendet habe ; sein ehlich Gemahl aber , deren Bild jetzt eben von der Pfeilerwand auf uns niederblickt , überlebte den Sturz ihres Mannes um fast volle dreißig Jahre . Blumberg , der Ort ihrer Kindheit , wo vordem ihr Vater und dann ihr Gatte vor der schneidend kalten Hofluft Zuflucht gesucht hatten , blieb ihr lieb , weil die Geschichte ihres Lebens mit ihm verwachsen und die Stille seiner Felder ihr mehr und mehr ein Bedürfnis geworden war . Aber freilich der Frieden des Gemüts , nach dem sie rang , blieb ihr versagt , wie er ihr schon in ihrer Jugend versagt gewesen war . Neue Kränkungen gesellten sich zu alter Bitterkeit , Kränkungen , die dadurch nicht geringer wurden , daß sie unbeabsichtigt waren . Den Kummer ihres Alters schuf ihr ihre eigene Tochter . Diese schien ganz ihres Vaters Kind zu sein , der , wie wir eben zitiert haben , » ein gewaltiger Courmacher und Serenadenbringer « gewesen war . Dreimal verheiratete sich diese Tochter . Ihr erster Mann , ein Freiherr von Canitz , starb , – das war ein Unglück ; von ihrem zweiten Gemahl , einem General von der Goltz , ließ sie sich scheiden – das war erträglich ; daß sie sich aber zum dritten Male nicht bloß verheiratete , sondern diesen dritten Mann , den sie nie gesehen , von Paris her sich schicken ließ , das war mehr , als die Oberkammerherrin von Burgsdorf , die fünfzig Jahre lang erst als die Tochter und dann als die Gattin des vornehmsten Mannes in Kurmark Brandenburg gelebt hatte , ruhig ertragen konnte . Diese Heirat zehrte an ihrem Herzen und vergällte ihr das letzte Jahrzehnt ihres Lebens . Die Ehe selbst aber , die zu dieser Verbitterung Anlaß gab , bildet einen zu charakteristischen Zug für die Sittengeschichte jener Zeit , als daß ich es mir versagen könnte , den Hergang ausführlicher zu erzählen . Frau von der Goltz ( geborene von Burgsdorf , verwitwete von Canitz ) war kaum von ihrem zweiten Manne , dem General von der Goltz getrennt , als sie den Vorsatz faßte , sich zum dritten Male zu vermählen , und zwar coûte que coûte mit einem Franzosen . Bei ihrer Schwärmerei für alles Französische kam es ihr auf eine Wahl im besonderen nicht an . Sie schrieb deshalb ihrem Pariser Kommissionär , der sich bis dahin durch seinen feinen und guten Geschmack in der Übersendung von Coiffüren und Modeartikeln bewährt hatte , ihr einen Mann zum Heiraten zu schicken , der rüstig , fein und geistvoll und selbstverständlich auch von Adel sei . Der Auftrag wurde prompt ausgeführt . Nach etwa vier Wochen traf in Berlin ein Franzose von über fünfzig Jahren ein und meldete sich bei Frau von der Goltz als derjenige , den sie gewünscht habe . Sein Name war Peter von Larrey , Baron von Brunsbosc , aus einer alten Familie in der Normandie . Die Ehe kam wirklich zustande und war glücklich . Frau von Burgsdorf indes konnte die Kränkung , die ihr dieser abenteuerliche Vorgang bereitet hatte , nicht überwinden . Die Partie mit dem normannischen Baron , der vielleicht keiner war , zehrte an ihrem Leben und sie starb , nachdem sie längst vorher mit Umgehung ihrer Tochter , den Sohn dieser Tochter aus erster Ehe , den Freiherrn von Canitz , zum Erben all ihrer Güter , das schöne Blumberg mit eingeschlossen , eingesetzt hatte . Freiherr von Canitz Freiherr von Canitz Und diesem Freiherrn von Canitz wenden wir uns nunmehr ausführlicher zu . Sein Bildnis fehlt zwar an dem breiten Mauerpfeiler , an dem es früher hing , und Großmutter und Enkel , das Lächeln des einen und der herbe Gesichtsausdruck der andern , begegnen sich nicht länger mehr an dieser Stelle ; das Totalbild des » Poeten « aber , seinen Charakter wie seine Erscheinung , hat uns eine zeitgenössische Feder aufbewahrt und mit Hilfe dieser Aufzeichnungen erneuern wir auf Momente das