, brachte den » Austausch der Gefühle zuwege « , nach dem Thiebold so dringend verlangte ... Eines Abends sechs Uhr war es , auf der Straße , die Sonne war noch nicht untergegangen , die letzten Austern , » auf die man sich allenfalls noch verlassen konnte « , waren aus Ostende angekommen ... Ein stiller Winkel auf dem Hahnenkamm lockte mächtig ... Benno wurde gezwungen zu folgen ... Benno tadelte keinen einzigen Vorschlag , den Thiebold über die Sorte Wein machte , die sie zu den noch » unbedenklichen « Austern wählen wollten ... » Terschka geht denn also nach England , um die Gräfin über die Urkunde und die gänzliche Veränderung der Dinge auf Schloß Westerhof in Kenntnis ; zu setzen « ... Das war das wehmutsvolle Thema und anders noch konnten die Vermuthungen nicht lauten ... Die zweite Schlußfolgerung war die Ahnung von einer Heirath Paula ' s mit dem Grafen Hugo ... Die dritte die Unentbehrlichkeit Armgart ' s für Paula und demzufolge - die Heirath mit dem Freund des Grafen , mit Wenzel von Terschka , selbst ... Nie hatte Thiebold seinen männlichen Freund so kleinmüthig gesehen , nie so nachgiebig gegen jede Vermuthung ... Benno lehnte selbst die Hypothese nicht ab , daß Armgart » keinem von ihnen beiden hätte wehe thun wollen « ... Beide Freunde redeten sich in das Unergründliche so hinein , daß Benno sich zuletzt die schwarzen Locken aus der heißen Stirn strich , wild den Arm aufstemmte und alle jene Anklagen des Schicksals ausstieß , die Thiebold sonst » unmännlichen Weltschmerz « zu nennen pflegte ... Heute » unterschrieb « er alles , was Benno in sein grünes Römerglas wetterte ... De Jonge ! Ich fand Ihre Entsagung natürlich ... Ich würde Ihnen Armgart nimmermehr gelassen haben ... Vergeben Sie mir diese offenherzige Sprache ... Selbst auf Gefahr , Sie zu beleidigen ... Unter Männern volle Wahrheit ! entgegnete Thiebold und stieß die leeren Austerschalen zurück , um für neue Platz zu machen , die er wie mit einem Mordmesser behandelte ... Sie konnte in der That nur mich lieben ! ... Ich habe Vorzüge vor Ihnen ... Nicht daß ich lateinisch , griechisch und italienisch verstehe , de Jonge ... Sie sprechen englisch und spanisch ... aber mein Vorzug liegt im Herzen ! ... Mein Herz kann lieben , das Ihrige nicht , de Jonge ! ... Morden Sie mich dafür mit Ihrer Austerngabel ! ... Nein im Gegentheil ! rief Thiebold und seine Augen leuchteten vor Begeisterung über seinen Freund ... Nein ! Sie haben recht ! Ich schaudere über mich selbst ... Ich kann lieben - nie aber auf die Länge ! ... Thiebold schenkte mit wilder Geberde die Gläser voll ... Sein ganzes Sein war aufgelöst in - Behagen nur allein über Benno ' s » edle Vertraulichkeit « ... Ja , zum Beweise , daß er Ursache zum Zorn hätte , doch sich » zu mäßigen wünsche « , warf er sein Glas hinterwärts in tausend Scherben ... Was kostet das ? setzte er zum erschrocken herbeieilenden Kellner hinzu ... Diese Stunde ist mir in dem Grade feierlich , Louis , erklärte er dem Staunenden , daß nie wieder ein Mensch aus diesem Glase trinken soll ! Geben Sie mir aber ein neues ! ... In dieser Art » sprachen « beide Freunde von sieben bis gegen Mitternacht in einer » stillen Stunde « ihre Witoborner und Westerhofer Erinnerungen , ihre Anschauungen über Vergangenheit , Gegenwart und Zukunft » durch « ... Beide Jünglingsseelen nenne man deshalb nicht oberflächlich in ihrem Schmerz ... Männer bedürfen solches heftigen Ausbruchs ihrer Gefühle ... Benno tobte und fand es unerträglich , daß der Kellner sich unterstand , mit dem Besen die Splitter zusammenfegen zu wollen ... Hinaus ! rief auch er ... Beide Freunde warm nicht im mindesten trunken ... Das ist die Jugendkraft ... Zorn , Eifersucht , Schmerz müssen in jungen Seelen solche Formen haben , um zu den einmal nicht zu ändernden Gesetzen des Lebens zurückkehren zu können ... Acht Tage nach diesem Abend , der nichtsdestoweniger in Benno ' s Seele nur neue Wunden schnitt , nicht heilte , erhielten beide Nachricht , daß Terschka entflohen und ein Priester , ein Jesuit war ... Das Staunen mußte das mächtigste sein ... Sie erfuhren die unglaubliche Kunde zu gleicher Zeit mit der Nachricht , daß Terschka in England zu bleiben gedächte , sich unter den Schutz Englands stellte , seinen Glauben entweder schon geändert hätte oder zu ändern gedächte und ohne Zweifel von Gräfin Erdmuthe , die einen Triumph über das Papstthum , eine Genugthuung für die entsetzenerregende Urkunde sah , Verzeihung erhalten würde ... Ueber Terschka ' s Verhältniß zu Armgart mußte jetzt eine ganz neue Beleuchtung fallen und wieder begannen die Hoffnungen ... Bonaventura war es dann , der , unterwegs da und dort in Amtsgeschäften aufgehalten , erst vierzehn Tage nach ihnen eintraf und diese Thatsachen bestätigte ... Beide Freunde kannten Armgart ' s katholischen Sinn ... Aber stand nicht Armgart jetzt unter der Leitung ihrer Aeltern , deren freisinnige Richtung allbekannt war ? ... Jeder wußte , daß Armgart ' s Aeltern sich um ihrer Principien willen ausgesöhnt hatten ... Graf Hugo ist Lutheraner , hieß es auf Nück ' s Schreibstube , Terschka wird zum Grafen Hugo zurückkehren ... Nück aber erklärte dies in Rücksicht auf Oesterreich für unmöglich ... Bonaventura kam trauernd , ernst und schweigsam ... Es bestätigte sich : Er war Domcapitular geworden ... In so jungen Jahren ... Sein schnelles Emporsteigen auf der Staffel der geistlichen Würden war eine Folge der immer heftiger gewordenen Kämpfe mit der Regierung ... Die alten Bewohner des Domstifts erlagen diesen Aufregungen ... In auffallender Schnelligkeit raffte der Tod die schwachen Greise hinweg , die nicht mehr wußten , wie sie sich zwischen ihren geistlichen und weltlichen Oberhäuptern in der Mitte halten sollten ... Der Kirchenfürst und sein Kaplan Michahelles blieben gefangen ... Bonaventura ' s Stellung zum täglichen