und Speners , dessen Wirken und Name vor allem in der Cansteinschen Bibelanstalt zu Halle fortlebt . Der Oberst von Canstein ererbte Blumberg bei jungen Jahren , aber der Besitz des schönen Gutes war ihm nur kurze Zeit gegönnt . Der Spanische Erbfolgekrieg , der in Italien und den Niederlanden auch brandenburgischerseits so schwere Opfer heischte , nahm ihn hinweg . Das Denkmal aber , das ihm von seiten seiner Witwe noch im Jahre seines Todes errichtet ward , ist ganz im Geschmack jener Zeit ausgeführt und erweist sich auf seinen Kunstwert geprüft als eine mit Munifizenz hergestellte Dutzendarbeit . Auf dem Steinsarkophage steht wie immer die Büste des Hingeschiedenen und Kriegstrophäen und Wappenschilde gruppieren sich drum herum ; ein Genius preßt den Lorbeerkranz auf die Allongeperücke , während die vergoldete Front des Marmorsarges in Schnörkelschrift die herkömmlich stilisierte Inschrift trägt . Diese Inschrift wiederzugeben , ist hier nötig , weil sie eine irrtümliche Angabe über den Todestag des tapferen Obersten beseitigt . Er fiel nämlich nicht bei Malplaquet , wie immer gedruckt wird , sondern ein Jahr früher bei Oudenarde . Die Inschrift lautet : Dem Hochwohlgebornen Herrn , Herrn Philipp Ludwig Freiherrn von Canstein , Herrn der Herrschaft Canstein , Schönberg , Neukirch , Blumberg , Eiche und Helmsdorf , Seiner Königlichen Majestät in Preußen Obristen zu Roß der Gensdarmes , welcher geboren A. D. 1669 den 11. April durch Geschlecht und Tugend , durch Gottesfurcht und Tapferkeit Ehr ' und Lob verdienet und erworben , und im Treffen bei Oudenarde wider die Franzosen im Lauf des glücklich erfolgten Sieges durch einen tödtlichen Schuß rühmlich und auf dem Bette der Ehren verstorben im Jahre des Heils 1708 den 11. Juli des Alters 39 Jahr und drei Monat , – hat dieses Denkmal zum Zeichen beständiger Liebe und Treue setzen lassen dessen hochbetrübteste Wittwe Ehrengard Maria Freifrau von Canstein , geborne v. d. Schulenburg , 1708 . Die » hochbetrübteste Wittwe « indes war ein Kind ihrer Zeit , d.h. sie verheiratete sich wieder , und zwar in kürzester Frist . Sie wurde dann abermals eine Witwe , aber nur um sich bald darauf zum dritten Male zu vermählen . Das war damals Landesbrauch in den Marken , und wir werden noch im Laufe dieses Aufsatzes die Bekanntschaft eines hervorragenden Mannes jener Epoche machen , der außer seinem Vater und Schwiegervater zwei Stiefväter und zwei Stiefschwiegerväter hatte , also sechs Väter im ganzen . Es war , als ob alles was lebte , sich einen Zustand der Ehelosigkeit nicht wohl denken konnte . Man hielt das Trauerjahr und war in aller Aufrichtigkeit ein tief betrübter Witwer oder eine » hochbetrübteste Wittwe « . Aber sobald die Trauerkleider fielen , gehörte man wieder dem Leben ; das Blut , das voll zum Herzen drang , forderte sein Recht . Das sinnliche Leben überwog noch das geistige , und die Welt feinen Empfindens war noch wenig erschlossen . Aber freilich auch die Irrwege nicht , zu denen die Feinheit der Empfindung so leicht verführt . Wie von unserem tapferen Obristen selbst , so findet sich auch von seiner betrübten Gattin ein Bildwerk im Anbau der Kirche vor , aber kein Grabdenkmal , nichts von Sensenmann und Sarkophag , sondern ihr Ölporträt in ganzer Figur , frisch blühend , voll . Es ist ein durchaus interessantes Bild , einmal als künstlerische Leistung überhaupt , ungleich mehr aber durch die ingeniöse Art , wie der Maler es verstanden hat , die drei Ehemänner der noch stattlichen Frau halb huldigend , halb dekorativ zu verwenden . Wie Macbeth in der bekannten Hexenkesselszene die Könige Schottlands an sich vorüber ziehen sieht und zwar so , daß die der Zeit nach am weitesten von ihm entfernten immer kleiner und blasser werden , so hier die drei Ehemänner . Den noch lebenden hält sie als Medaillonporträt mit dem Ausdruck ruhigen Besitzes fest in ihrer Rechten ; der zweite , noch klar erkennbar , zieht sich bereits in den Hintergrund des Bildes zurück ; unser Freund der Oberst aber , dessen ganze Schuld darin bestand , einige zwanzig Jahre vor Entstehung dieses Bildes den Heldentod gestorben zu sein , verliert sich völlig in nebelhafter Ferne und wirkt nur noch mit , um das Ensemble und die symmetrische Anordnung des Ganzen nicht zu stören . Möglich , daß solche Bilder öfter sich vorfinden , mir war es das erste der Art. Der alte Teil der Kirche . Johann von Loeben und Frau von Burgsdorf Der alte Teil der Kirche . Johann von Loeben und Frau von Burgsdorf Der Anbau weist noch manches andere von Bildwerken und Denkmälern auf , wir treten aber von dem Bildnis der stattlichen Frau hinweg in den alten Teil der Kirche zurück , darin wir , genau an der Stelle , wo des Anbaus halber die alte Giebelwand durchbrochen war , und zwar an ein paar pfeilerartig stehengebliebenen Mauerresten einigen Bildnissen aus dem Anfang und Schluß des 17. Jahrhunderts begegnen , Porträts , die , wenn man den Ausdruck gestatten will , der eigentlichen Zeit Blumbergs angehören . Diese Bilder geleiten uns durch drei oder vier Generationen einer und derselben Familie , doch ist es weibliche Deszendenz und so wechseln die Namen : Loeben , Burgsdorf , Kanitz . ( Johann von Loeben . ) Da haben wir zunächst , halb versteckt unter einem Behang von Spinnweb , die Bildnisse Johann von Loebens und seines Ehegemahls . Er ist ein alter Herr und die spanische Tracht von schwarzem Sammet , dazu die goldene Kanzlerkette , würden keinen Zweifel über die Vornehmheit des Mannes lassen , wenn auch die Züge weniger Entschlossenheit und die großen hellen Augen weniger Leutseligkeit und Würde verrieten . Die Umschrift des Bildes lautet : » Johann von Loeben , Kurfürstlich Brandenburgischer Geheimer Rath und Kanzler , hat 1602 die Güter Blumberg , Eiche , Dalwitz und Helmsdorf erkauft , christlich und weislich solchen vorgestanden und regieret 34 Jahr , und ist gewesen ein weiser und vortrefflicher Mann von seinem Geschlecht .