lachen machte ... Resi stritt mit ihm über den Charakter der Deutschen und nannte Hamlet einen Dänen , auf den die Malicen ihres Nachbars nicht im mindesten paßten ... Ma questo strofinaccio ha frequentato una universitâ tedescha ! sagte der Italiener ... Benno verstand und sprach das Italienische wie seine Muttersprache ... Er durfte annehmen , daß der Professor , der Hamlet seiner Thatlosigkeit wegen einen » Waschlappen « genannt hatte , ein Musiker war . Resi lenkte ihre jetzt zorniger werdenden Erwiderungen immer auf das musikalische Gebiet ... Sein Führer , der endlich den Theaterzettel bekommen hatte , las diesen laut , lachte dabei über den Streit , blinzelte Benno zu und sagte : Der Laërtes - der soll engagirt werden ... Eine Empfehlung aus München ... Der ganze Hof ist deshalb zugegen ... Resi , wie kommt ' s , daß heute der Dalschefski seinen Platz abgetreten hat ? ... Herr Professor , eine seltene Ehre für die deutsche Kunst ! ... » Müller « heißt der Debütant ... Die allerhöchsten Herrschaften sind so außerordentlich gnädig ... Der Mensch kann aber seine Beine noch nicht halten ... Benno würde an dem kleinen Kriege auf den Bänken vor ihm , wo sich noch eine ältere Dame und ein anderer Herr befanden , seine harmlose Freude gehabt und sein schmerzlich zerrissenes , hochgespanntes und sozusagen überbürdetes Gemüth erleichtert haben , wenn nicht plötzlich im Lauf der Neckereien sein Begleiter mit einem Namen wäre angeredet worden , der ihm das Blut erstarren machte ... Und mehr noch ... Kaum hatte er die Anrede : » Herr von Pötzl « zum zweiten mal vernommen , da stieg sein Schrecken bis zur Besinnungslosigkeit , denn im weitern Verfolg der wieder neubegonnenen Handlung auf der Bühne reichte ihm sein Führer das Perspectiv mit den geheimnißvoll geflüsterten Worten : Jetzt aber ! Jetzt schauen ' s ! ... O ich bitt ' ! ... Da - Das ist merkwürdig ! ... Unser Schicksal ! Im Hamlet ! ... Dieser Herr Müller ist gut empfohlen ... Nein , schauen ' s doch , Resi ! ... Beim Staatskanzler - Alle die römischen Herrschaften ... Der Principe Rucca ... Und die Dame da ... Das ist die Herzogin von Amarillas ... Benno lehnte das ihm dargereichte Perspectiv ab ... Seine Hand zitterte ... Sein Athem versagte ihm ... Bald richtete er sein Auge starr auf den Träger eines Namens , der - er wußte es jetzt - seiner Schwester Angiolina gehörte , bald auf die ihm noch im fernen Lampen- und Lichtdunst schwimmende Erscheinung - seiner Mutter - - Das Spiel ging indessen weiter ... Aber es wogte ein Rauschen und Flüstern durch den Saal ... Die eben eingetretenen fremden Herrschaften , die mit dem aus Rom gekommenen Cardinal Ceccone in Verbindung gebracht wurden , erregten das allgemeinste Aufsehen ... Es kamen immer mehr ... Der Principe Rucca war ein junger Mann im rothen , gestickten Kleide ... Auch der Name Maldachini wurde genannt ... Alle Gläser richteten sich nach jener Logenreihe und Resi ' s Frage sogar : Ja , mein Gott , trägt denn der kleine Rothrock nicht gar ein schwarzes Pflaster überm Auge ? mehrte Benno ' s Aufregung ... Denn nach einem erst heute früh erlebten Vorfall sah er , daß er mit den Personen , die er mit heißester Sehnsucht suchte und - mit Entsetzen und Grauen floh , bereits zusammengetroffen war , ja mit ihnen schon in einer Verbindung stand ... Zweimal erwiderte er , auf alles Erläutern und Zeigen seiner Umgebungen . Wessen - Loge - ist das ? ... Des Staatskanzlers ! hieß es ... Doch auch die Logen neben jener hatten sich inzwischen gefüllt ... Benno kämpfte mit sich , ob er bis zu Ende bleiben sollte ... Hamlet ' s Lage war seine eigene ... Auch mit ihm sprachen ja Geister , die außer ihm hier niemand sah ... Auch ihm sträubten Enthüllungen das Haar zu Berge ; auch ihn hätten sie wach rufen sollen zu Thaten der Sühne und Gerechtigkeit ... Aber auch ihm lähmten hundert Erwägungen den Arm ... Wahnwitz , das fühlte er jetzt , kann den ergreifen , der ein Ungeheueres machtlos im Busen bergen soll ... Auflodern , allen zurufen hätte er mögen : Das ist ja meine Mutter ! ... Er hätte seinen Nachbar anrufen mögen : Wie trägst du , du nur den Namen meiner Schwester ? ... Ophelia , angeredet von Hamlet mit dem unendlich schön gesprochenen Abschiedswort : » Geh ' in ein Kloster ! « verwandelte sich ihm in die Trägerin seiner eigenen Leiden ... Daß man dann sagte , die Gräfin Olympia Maldachini sähe so keck sich um , wie in einem Ballsaal , ließ ihn vollends erbeben ... Auch sie kannte er ja ... Sie schon ihn ... Die Loge war zu entfernt für sein Auge ohne Bewaffnung durch ein geschärftes Glas ... Dennoch bog er sich schwindelnd über , um zu sehen - um starren zu können ... Wieder war inzwischen der Vorhang gefallen ... Wieder begann eine Zwischenmusik ... Der Professor , der inzwischen ebenfalls in große Aufregung gerathen war , erklärte , nur eben dieser » Römer « wegen hätte er den Platz des Professors Dalschefski übernommen ... Er zankte mit Theresen ... Er war aufgestanden und sprach jetzt mit höchster Lebendigkeit seiner bisher so starr gewesenen Gesichtszüge die italienischen Worte : Ja ! Das sind sie ! ... Die Herzogin kenn ' ich nicht ... Aber sehen Sie nur den Grasaffen , den Rucca ! ... Und das , das ist die kleine Gräfin Olympia ! ... Corpo di Bacco ! ... Als zehnjähriges Kind schon hatte der Fratz sich in einen Apollino im Braccio nuovo verliebt , verlangte vom Cardinal Ceccone , ihrem - Onkel , ihm einen Kuß geben zu dürfen , springt selbst an den jungen marmornen Gott hinauf , umschlingt ihn und beide stürzen vom Postament herunter ... Thorwaldsen hat ihn restauriren müssen ... Und ein ander