gebunden , um den rothen Bart darunter zu verstecken , den er sich nicht hatte entschließen können , der Kunst zum Opfer zu bringen . Den untern Theil des Körpers hatte er in einen langen Weiberrock gehüllt , dessen aufgenommene Falten er einstweilen um den linken Arm geschlagen trug . » Pst ! - François - François Bourdon ! « Der junge Corporal trat hinzu . - » Was giebt ' s , Bernaudin ? « » Sind sie da ? « » Wer ? « » Maudit ! Wen kann ich anders meinen , die Garden ? « » Nein - kein Einziger ! « » Das ist schön - que le diable les importe ! sie mögen bleiben , wo sie sind ; schade nur , daß sie unsere schöne Vorstellung nicht sehen können . Die hochnäsigen Narren hätten sich geärgert zum Schwarzwerden - ich bin göttlich als Fürstin Mulaschpulaschkin ! wir haben so eben meine große Scene probirt . « Ein schallendes Gelächter der Nächstsitzenden unterbrach die bärtige Actrice , deren Erscheinung man eben erst bemerkt . Der Kopf verschwand eilig hinter dem Vorhang und nur Mund und Nase waren noch zu sehen . - » Was habt Ihr zu lachen , Ihr Narren ? habt Ihr noch keine russische Dame im Negligée gesehen ? Fichtre ! Erobert Sebastopol , dann könnt Ihr sie im allerdurchsichtigsten haben aus erster Hand , wie unsere Kameraden die Bulls in Kertsch . Ihr thätet gescheidter , wenn Einer lieber den Saufaus Lebrigaud suchte , der sich noch immer umhertreibt , indeß sein Popencostüm längst bereit liegt . Ich wette drei Flaschen Wein gegen einen gestohlenen Schinken , das Publikum wird abgespeist und seine Plätze eingenommen haben und der Halunke ist noch immer nicht zur Stelle . « » Dort unten zieht er mit einem betrunkenen englischen Matrosen umher ! « » Ich will ihn holen , « sagte Bourdon und stand auf . » Ah - joli garçon ! Du verdientest einen Kuß , schöner Corporal , wenn die Fürstin Mulaschpulaschkin nicht schon engagirt wäre . Laß Dir ihn jetzt von anderer Seite geben , mein Junge , das Feld ist rein . « Während Bourdon unter dem Gelächter der Kameraden sich bereits entfernte , fragte der Sergeant-Major : » Was meinte der Kerl mit den Garden ? Morbleu , es ist wahr , ich habe heute noch keinen Einzigen von den goldbetreßten Narren in der Cantine gesehen , die sie sonst förmlich belagerten . « Die Umsitzenden schwiegen , indem sie sich anschauten , und ihre bedeutsam gewechselten Blicke verriethen , daß ihnen die Ursach ' nicht unbekannt war . » Parbleu ! werd ' ich Antwort bekommen ? Weiß Jemand , warum die Garde sich heute nicht blicken läßt ? « » Ei , Papa Fabrice , « sagte eine helle und heitere Stimme neben ihm , » sollten Sie wirklich die große Neuigkeit des Tages nicht wissen , die , wie man mir sagt , schon drei Duelle gekostet hat ? « Der Sergeant-Major hatte sich rasch und galant zu der hübschen Sprecherin umgewandt , indem er ein süßsaures Gesicht zu der ihm gewordenen Benennung schnitt . » Es ist wahr , Mademoiselle Nini , « sagte er , » daß ich recht gut Ihr Vater sein könnte , aber Sacristi ! die verteufelte Gewohnheit der Burschen da , mich Papa Fabrice zu nennen , klingt aus Ihrem hübschen Munde für einen Anbeter noch in den besten Jahren eben nicht angenehm ! - Doch - was ist denn geschehen und wissen Sie wirklich die Ursach ' ? - haben die Garden ihr Lager abgebrochen oder was ist passirt ? « » Ei , ei , Papa Fabrice , « lachte die Marketenderin schelmisch , » Sie müssen heute Morgen lange geschlafen haben ! « » Ich gestehe es zu meiner Beschämung , Mademoiselle . Wir sind nicht am Dienst - und Ihr Bruder spendirte gestern Abend noch spät einen Korb voll Brussawein , der so leicht durch die Kehle rollt ! Aber der Henker soll die Narren hier holen , daß sie mir nicht längst - - « » Ruhe im Glied , Papa Fabrice , sonst erfahren Sie Nichts ! Sie wissen ja , daß die Herren von der Garde keinen Dienst in den Trancheen zu thun brauchen ? « » Parbleu ! was werd ' ich nicht ? Die Faullenzer haben d ' rum Zeit genug , zu schniegeln und zu bügeln , von Morgens bis Abends sich hier umher zu treiben und den wenigen Damen , deren Anwesenheit allein uns hier den Dienst versüßt , die Köpfe zu verdrehen . « » Wenn Sie auf mich zielen , Papa Fabrice , « sagte Nini lachend , » so geht der Schuß vorbei . Mit meiner Freundin Celeste - das will ich nicht verschwören ! Seit der schöne Husaren-Aide-de-Camp getödtet oder gefangen ist , geht es ihr schlecht und sie braucht Zerstreuung . Es ist aber doch ein boshafter Streich , den man gegen die Herren von der Garde verübt hat . « » Ich bitte , sprechen Sie , Mademoiselle . « Die hübsche Marketenderin hatte ein Stück Kreide aus der Tasche geholt . - » Da , sehen Sie , Papa , das haben boshafte Hände in vergangener Nacht an die Zelte der Garden geschrieben . Man las es heute Morgen und es ist ein wahrer Aufruhr entstanden . « Der Sergeant-Major war den kecken Krähenfüßen des Mädchens gefolgt und las : » LA GARDE de MEURe ici , ET NE SE REND PAS aux tranchées ! « Ein allgemeines Hohngelächter begleitete den Vortrag der Worte , selbst der Sergeant-Major konnte , den bis über den Hals herabfallenden Schnurrbart streichend , ein wohlgefälliges Lächeln nicht unterdrücken , denn das Privilegium der Garden war allgemein verhaßt und hatte schon zu vielen Zänkereien Veranlassung gegeben . » Peste ! ich glaube wohl , daß ihnen da der Aerger zu Kopf gestiegen , denn der Spaß