und umgeben von braunem Rasen , herbstlich öde , wie die ganze Umgebung ringsum . An den Stamm des Baumes gelehnt , blickte sie unverwandt in das Gewässer . Unter einem der Bäume , die ihre Aeste weithin über diese Wiese streckten , stand Gräfin Morynska , ganz allein und ohne jede Begleitung . Ihre Zurückgezogenheit mußte wohl eine freiwillige sein . Verloren konnte sie die Jagd nicht haben , denn man hörte den Lärm derselben , wenn auch in einiger Entfernung , doch deutlich genug , auch lag ja die Försterei nahe , wo die junge Dame jedenfalls ihr Pferd zurückgelassen hatte , denn sie war zu Fuß . Sie schien absichtlich die Einsamkeit gesucht zu haben und auch festhalten zu wollen ; an den Stamm des Baumes gelehnt , blickte sie unverwandt in das Gewässer und sah doch offenbar nichts von ihm oder von der Umgebung . Ihre Gedanken waren ganz wo anders . Die schönen Augen Wandas konnten sehr finster blicken – das sah man jetzt , wo sie augenscheinlich mit irgend einer grollenden Empfindung kämpfte , aber die tiefe Falte auf der weißen Stirn , die trotzig aufgeworfenen Lippen zeigten , daß diese Empfindung sich nicht so leicht niederkämpfen ließ , sondern ihren Platz behauptete . Die Jagd mit ihrem Lärm entfernte sich mehr und mehr . Sie schien sich nach der Richtung des Flusses hinzuziehen und diesen Teil des Forstes völlig frei zu lassen , all die wirren Töne verklangen in immer weiterer Ferne , nur die Schüsse hallten noch dumpf herüber ; jetzt trat auch darin eine Pause ein , und es wurde still , totenstill im Walde . Eine ganze Weile mochte Wanda so regungslos gestanden haben , als ein Schritt und ein Rauschen in ihrer unmittelbaren Nähe sie aufschreckte . Unwillig richtete sie sich empor und wollte eben der Störung weiter nachforschen , als die Gebüsche sich teilten und Waldemar Nordeck daraus hervortrat . Auch er stutzte bei dem Anblick der Gräfin – die unerwartete Begegnung schien ihm ebenso unangenehm zu sein wie ihr , aber ein Zurücktreten war nicht mehr möglich ; dazu standen sie sich zu nahe gegenüber . Waldemar grüßte leicht und sagte : » Ich wußte nicht , daß Sie die Jagd bereits verlassen hatten . Gräfin Morynska ist doch sonst als unermüdliche Jägerin bekannt – und sie fehlt bei dem Schlusse des heutigen Tages ? « » Die Frage möchte ich Ihnen zurückgeben , « versetzte Wanda . » Sie , gerade Sie fehlen bei dem letzten Treiben ? « Er zuckte die Achseln . » Ich habe vollständig genug davon . Mir stört der Lärm und das Durcheinander eines solchen Tages die ganze rechte Jagdlust . Mir fehlt die Mühe , die Aufregung der Jagd und vor allem die Waldesstille und Waldeseinsamkeit . « Das war es nun gerade , was Wanda vorhin vermißt , was sie hier gesucht hatte , sie wollte das aber natürlich um keinen Preis zugeben , sondern fragte nur : » Sie kommen von der Försterei ? « » Nein ! Ich habe nur meinen Normann dorthin vorausgesendet . Die Jagd geht nach dem Flusse zu , sie muß aber bald zu Ende sein und kommt jedenfalls auf dem Rückwege hier vorüber . Das Rendezvous ist ja in unmittelbarer Nähe . « » Und was thun wir inzwischen ? « fragte Wanda ungeduldig . » Wir warten , « entgegnete Waldemar lakonisch , indem er seine Flinte abnahm und den Hahn in Ruhe setzte . Die Falte auf der Stirn der jungen Gräfin vertiefte sich . » Wir warten . « Das klang so selbstverständlich , als setze er auch ihr Bleiben voraus . Sie hatte große Lust , sofort nach der Försterei zurückzukehren , aber nein ! Es war seine Sache , den Platz zu räumen , auf dem er sie so ohne weiteres in ihrer Einsamkeit gestört hatte . Sie beschloß zu bleiben , selbst auf die Gefahr hin , ein längeres Zusammensein mit diesem Nordeck aushalten zu müssen . Er machte indessen gar keine Anstalten zum Gehen ; er hatte seine Flinte an einen Baum gelehnt und stand nun mit verschränkten Armen , die Umgegend betrachtend . Die Sonne hatte es heute nicht ein einziges Mal vermocht , den Wolkenschleier zu durchdringen , nur jetzt im Niedergehen färbte sie ihn mit hellerem Lichte . Am westlichen Horizont flammte ein gelber Schein , der fahl und ungewiß durch die Baume schimmerte , und auf der Wiese begannen die Nebel aufzusteigen , die ersten Vorboten des herannahenden Abends . Der Wald sah schon recht herbstlich aus mit seinen halb entlaubten Bäumen und den dürren Blättern , die den Boden bedeckten . Da war auch nicht ein Hauch mehr von jenem frischen Lebensodem , der ihn im Frühling und Sommer durchweht , von jener mächtigen Lebenskraft , die dann in allen Adern und Pulsen der Natur zu pochen scheint – überall nur schwindendes Dasein , langsames , aber unaufhaltsames Vergehen . Die Augen der jungen Gräfin hafteten wie in düsterem Nachsinnen auf dem Gesicht ihres Gefährten , als wolle und müsse sie dort irgend etwas enträtseln . Er schien die Beobachtung zu spüren , obgleich er abgewandt stand , denn er wendete sich plötzlich nach ihr um und sagte gleichgültig , wie man eine allgemeine Bemerkung hinwirft : » Es ist doch etwas Trostloses um solch eine abendliche Herbstlandschaft . « » Und doch hat sie ihre eigene schwermütige Poesie , « meinte Wanda , » Finden Sie das nicht auch ? « » Ich ? « fragte er herb . » Ich habe mit der Poesie von jeher nichts zu thun gehabt – das wissen Sie ja , Gräfin Morynska . « » Ja , das weiß ich , « versetzte sie in dem gleichen Ton . » Aber es gibt doch Augenblicke , wo sie sich unwillkürlich jedem aufdrängt . « » Romantischen Naturen vielleicht . Unsereiner muß schon zusehen , wie er ohne diese Romantik und Poesie mit