zu ersparen ! “ „ Wir wollen hoffen , daß es nicht zum Aeußersten kommt , “ lenkte der Oberst ein , der nichts weniger wünschte , als den Freiherrn zu erzürnen . Er rechnete gerade jetzt sehr auf dessen Freundschaft , und da er voraussah , daß das bisherige Gesprächsthema [ 326 ] nur Gelegenheit zu neuer Reizung geben werde , ließ er es fallen und ging zu einem anderen über , das ihm nahe am Herzen lag . „ Ich kehre jedenfalls morgen auf meinen Posten zurück , “ begann er wieder . „ Mein Albrecht ist schon seit einigen Tagen wieder in der Stadt ; es ist ihm freilich schwer genug geworden , sich loszureißen und den Pflichten seines Dienstes zu folgen . Er liegt ganz und gar in den Fesseln einer gewissen jungen Dame . “ Raven schwieg ; er blieb wie zufällig an der Balconthür stehen und blickte halb abgewendet in den Garten hinaus . „ Ich darf wohl annehmen , daß Ihnen die Wünsche und Hoffnungen meines Sohnes nicht mehr unbekannt sind , “ fuhr Wilten fort , „ Wünsche , die meine Frau und ich im vollsten Maße theilen . Wenn wir dabei auch auf Ihre Unterstützung rechnen dürften – “ „ Hat sich Lieutenant Wilten bereits erklärt ? “ unterbrach ihn der Freiherr , noch immer in seiner Stellung verharrend . < „ Noch nicht ! Fräulein von Harder nahm eine etwas zurückweisende Haltung an , und Albrecht wagte es daher nicht , sogleich mit seiner Bitte hervorzutreten . Ihnen gegenüber wird er das aber schon in den nächsten Tagen thun . Er darf doch wohl auf Ihre Fürsprache rechnen , das Wort eines Vaters ist ein mächtiger Beistand . “ „ Eines Vaters ! “ wiederholte Raven ; es klang wie die herbste Ironie . „ Nun , oder dessen , der die Stelle des Vaters vertritt . Auch die Frau Baronin meint , daß Ihre Autorität bei ihrer Tochter schwer in ’ s Gewicht fallen werde . “ Raven fuhr mit der Hand über die Stirn und wandte sich langsam um . „ Sobald Lieutenant Wilten sich mir erklärt hat , werde ich Gabrielen seinen Antrag mittheilen und ihre Antwort fordern . Beeinflussen kann und will ich mein Mündel nicht . “ „ Davon ist ja auch keine Rede , “ fiel der Oberst ein . „ Wenn die junge Baroneß aber einwilligt , so handelt es sich doch vor allen Dingen um die Zustimmung des Vormundes . Die Frau Baronin hat meinem Sohne Hoffnung darauf gemacht . “ „ Ich habe meiner Schwägerin bereits erklärt , daß ich nichts einzuwenden habe , “ sagte der Freiherr , dessen Lippen zuckten , als erduldete er eine innere Marter , während seine Stimme die gewohnte Ruhe behielt . „ Die Entscheidung aber hängt einzig und allein von Gabriele ab . Will die Mutter sie beeinflussen , so mag sie es thun – ich enthalte mich jedes persönlichen Eingreifens . “ Der Oberst schien betroffen und ein wenig beleidigt durch diese kühle Aufnahme seiner Pläne , aber er schrieb sie der Verstimmung zu , in welche die Ereignisse in der Stadt den Gouverneur versetzt hatten . „ Ich begreife , daß Sie jetzt den Kopf voll von ganz anderen Dingen haben , “ erwiderte er . „ Aber wenn solch ein junger Hitzkopf , wie mein Albrecht , verliebt ist , so fragt er nicht viel darnach , ob Zeit und Umstände seiner Werbung auch günstig sind , und will sich durchaus nicht zum Warten bequemen . – Um aber wieder auf die Abreise zu kommen ; wäre es nicht besser , Sie ließen die Damen noch eine Zeitlang hier ? Der Aufenthalt in R. ist jetzt nicht angenehm , und meine Frau würde sich mit Freuden entschließen , um ihrer lieben Gäste willen den Landaufenthalt zu verlängern . “ „ Ich danke , “ lehnte Raven ab . „ Es soll nicht heißen , daß meine Verwandten der Stadt fern bleiben , weil ich die Lage für bedrohlich erachte . Dergleichen Gerüchte sind bereits aufgetaucht , und es ist die höchste Zeit , daß sie widerlegt werden . “ Oberst Wilten sah ein , daß er diesem Grunde weichen müsse , und fügte sich . Es blieb also bei der beschlossenen Abreise , und einige Stunden später kehrte der Freiherr mit Gabriele nach der Stadt zurück , wo der Oberst mit den beiden anderen Damen am nächsten Mittag eintreffen wollte . Es war ein kühler , etwas stürmischer Herbsttag , wo Regenschauer und Sonnenblicke beständig abwechselten . Die ersteren hatten zwar gegen Mittag aufgehört , aber die jetzt schon sinkende Sonne kämpfte noch immer mit dem Gewölk , das den ganzen Himmel umzogen hielt . Raven war trotz der wenig einladenden Witterung , seiner Gewohnheit gemäß , im offenen Wagen gekommen , und die schönen , in ganz R. wegen ihrer Schnelligkeit berühmten Pferde trugen das leichte Gefährt wie im Fluge dahin . Von Seiten der beiden Insassen wurde die Fahrt größtenteils schweigend zurückgelegt . Der Freiherr schien ganz mit seinen Gedanken beschäftigt , und Gabriele sah gleichfalls stumm in die Gegend hinaus . Der Wind blies schärfer von den Bergen her , und das junge Mädchen zog den Mantel fester um die Schulter . Raven bemerkte es . „ Dich friert , “ sagte er . „ Ich hätte bedenken sollen , daß Du bei solcher Witterung nicht an die Fahrt im offenen Wagen gewöhnt bist . Ich werde das Verdeck schließen lassen . “ Er wollte dem Kutscher einen Befehl geben , aber Gabriele hielt ihn zurück . „ Ich danke . Ich ziehe selbst diese rauhe Luft dem geschlossenen Wagen vor , und der Mantel schützt mich ja vollkommen . “ „ Wie Du willst . “ Der Freiherr beugte sich nieder ; er hob die Wagendecke empor , die herabgeglitten war , und legte sie um die schlanke Gestalt seiner jungen Begleiterin , die jetzt leise und