Sie die Schlucht erreicht ; sie mündet links in die Bergstraße , an dem Felsplateau , wo eine einzelne Tanne steht . Dort sind Sie bereits jenseits der Posten und weit genug von ihnen entfernt , um nicht mehr bemerkt zu werden . “ Henry war in athemloser Spannung gefolgt , als wolle er jedes Wort in seinem Gedächtniß festhalten , jetzt athmete er tief auf , ein Ausdruck düsteren Triumphes lag in seinen Augen , er nahm die Banknote vom Tische und reichte sie dem Franzosen . „ Ich danke Ihnen ! Hier nehmen Sie ! “ Der Alte zögerte . „ Ich that es nicht für Geld , Monsieur ! “ sagte er ernst . „ Ich weiß es ! Aus Haß gegen den Feind ! Seien Sie ruhig , “ um Henry ' s Lippen zuckte wieder der eiskalte Hohn , „ ich beschütze ihn heute Nacht sicher nicht ! Aber die Auskunft ist mir mehr werth , als dies Papier , nehmen Sie es , es wird Ihr Gewissen nicht beschweren . ” Der Hausmeister warf noch einen Blick auf die Banknote , man wagte schwerlich eine solche Summe , blos um ihn zu compromittiren , und von so hohem Werthe wie dem finsteren Fremden war den Preußen der Weg sicher nicht . Er nahm das Dargebotene und murmelte einige Worte des Dankes . Henry war im Begriff zu gehen , aber er wendete sich noch einmal um und blickte den Alten fest und drohend an . „ Ihre Mitschuld sichert mir das Schweigen , ich brauche es Ihnen wohl nicht erst anzuempfehlen . Die Deutschen würden Sie füsiliren , wüßten sie , wer mir durch ihre Posten geholfen . " „ Ich weiß es , Monsieur ! “ „ Wenn ich also gegen Morgen zurückkehren sollte , so war der Eintritt in ' s Gebirge unmöglich und ich habe die Nacht im Schlosse zugebracht . Sie wissen es nicht anders , Adieu ! “ – Auch in dem Zimmer Walther ' s brannte helles Licht , er fand aber bei seinem Eintritt Niemand dort als Friedrich . „ Herr Doctor Behrend war die ganze Zeit hier , “ berichtete dieser , „ und hat lange auf den Herrn Lieutenant gewartet , aber er wurde schnell in ' s Dorf gerufen . Ich glaube , es steht sehr schlecht mit unserem Gefreiten Braun . “ Walther schien unangenehm durch die Nachricht überrascht zu werden . „ Doctor Behrend ist schon fort ? Ah , ich hätte ihn gern noch gesprochen ! “ „ Das wollte der Herr Doctor auch . Er sagte , ich sollte immer den Mantel und die Pistolen bereitlegen , Sie müßten heute Abend noch fort , Herr Lieutenant , und , “ – es lag eine Art von Aengstlichkeit in der Stimme des Burschen , „ und Sie würden mich diesmal nicht mitnehmen , wie sonst immer , wenn Sie eine Patrouille führen . “ „ Nein , Friedrich , diesmal nicht ! “ sagte Walther zerstreut . Er ging einige Mal auf und nieder , und blieb dann plötzlich stehen . „ Es ist ja jetzt Alles eins ! “ murmelte er vor sich hin . „ Warum ihm nicht sagen , was ich Robert verrathen wollte ! Friedrich ! “ „ Herr Lieutenant ! “ „ Es ist möglich , daß heut ’ Nacht ein Ueberfall versucht wird , Ihr habt Befehl erhalten , auf einen Alarm gefaßt zu sein ? “ „ Ja . Ich soll von zehn Uhr ab mit noch zwei Mann im Park patrouilliren , Es wäre der Sicherheit wegen , meint der Herr Hauptmann , weil er nicht besetzt ist . “ „ Gut ! Du siehst jedenfalls vorher noch den Doctor , es lag mir sehr viel daran , ihn noch zu sprechen , aber ich muß fort und kann nicht erst in ' s Dorf hinunter . Du wirst ihm meinen Auftrag mittheilen , Wort für Wort , so wie ich ihn Dir sage , aber nur ihm allein , keinem Anderen , hörst Du ? “ „ Keinem Anderen ! “ Die nächsten Worte schienen Walther unendlich schwer zu werden , er kämpfte erst noch einige Sekunden mit sich selber . „ Wenn es zum Kampfe kommen sollte , er ist der Einzige , der nicht daran theilzunehmen hat , und die Franctireurs hier herum sind aus dem schlimmsten Gesindel zusammengesetzt , dem nichts heilig ist – er soll Miß Forest schützen , so viel in seiner Macht steht . “ „ Die amerikanische Miß ? “ wiederholte Friedrich langsam . „ Ja ! “ Walther zögerte wieder , dann aber brach es auf einmal voll und heiß von seinen Lippen , „ Sage ihm , ich fordere es von ihm als eine letzte Freundespflicht , Miß Forest sei mir das Liebste gewesen auf der ganzen weiten Welt ! Er soll sie schützen – wenn es sein muß , mit seinem Leben ! “ Friedrich stand stumm in vollem Entsetzen da . Das also war die Auflösung jener räthselhaften Feindschaft zwischen seinem Herrn und der amerikanischen Miß ! Der Kopf des Burschen begann zu wirbeln , er war völlig unfähig , den Zusammenhang zu begreifen . „ Du wirst das bestellen Wort für Wort ? “ „ Zu Befehl , Herr Lieutenant ! “ antwortete Friedrich mechanisch . Er stand noch immer wie festgewurzelt an seinem Platze und sah zu , wie sein Herr die Pistolen untersuchte und den Mantel umwarf , erst als dieser schon an der Thür war , stürzte er ihm auf einmal nach . „ Herr Professor ! “ Walther blieb betroffen stehen und blickte sich um . Friedrich hatte ihn während des ganzen Krieges nicht so genannt , er vergaß nie den militärischen Titel seines Herrn , den mit großer Ostentation zu betonen stets seine höchste Wonne war . Wie kam er jetzt auf einmal mit dieser Erinnerung an B. ? Befremdet von dem altgewohnten und doch