den fremden Geistlichen jemals gesehen und daher gemeint haben könne , und die letzten Bedenken , welche ich über Bernhard ' s Charakter noch hätte hegen können , erstarben schnell , als ich vernahm , mit welcher Wärme man seine Opferwilligkeit und Umsicht pries , die er namentlich auf seinen Reisen an den Tag lege . » Wer hätte gedacht , daß sein verschlossenes , sogar abstoßendes Wesen nur eine klug gewählte Maske sei , « sagte ich sinnend zu dem an meiner Seite hinschreitenden Gefährten . » Und dennoch gehören gerade solche Leute , die , wie Bernhard , von geheimen , ehrgeizigen Plänen geleitet werden , mit zu den festesten Stützen unserer Verbindung . Ihr Ehrgeiz ist die sicherste Bürgschaft ebensowohl für ihre Treue , wie dafür , daß sie vor keinen Opfern und Anstrengungen zurückbeben , wenn es gilt , dem allgemeinen Besten zu dienen . « – In dem Gasthofe von Rolandseck verweilten wir nur lange genug , um uns durch einen Becher Wein zu erfrischen , und rüstig wanderten wir darauf dem in nächtliche Schatten gehüllten Bonn zu . Wie bei frühern Gelegenheiten heiterer Gesang dazu diente , uns die Zeit zu verkürzen , so gaben wir uns an diesem Abend , da nur Gleichgesinnte uns hörten , ausschließlich tief-ernsten Gesprächen und Berathungen hin . Dieselben wirkten förmlich berauschend auf mich ein , denn als ich gegen Morgen endlich mein Schlafgemach betrat , da war ich wie umgewandelt . Des Oberstlieutenants ehrwürdige Gestalt hatte nichts Drohendes , nichts Schreckenerregendes mehr für mich ; ich fühlte mich erhaben über alle Vorurtheile der bevorzugten Stände , und heiß ersehnte ich die Zeit herbei , in welcher ich stolzerfüllt vor meinen Vormund winde hintreten und ihm Rechenschaft über mein Thun und Lassen ablegen können , die Zeit , in welcher ich die goldigen Früchte meines kühnen Entschlusses , gewonnen unter Gefahren und im furchtbaren Kampfe um die höchsten Güter der Völker , Johanna zu Füßen legen durfte . 10. Capitel . Die Entscheidung Zehntes Capitel . Die Entscheidung . Der Sommer entschwand ; seine späten heißen Tage reiften die schwellenden Trauben auf den Abhängen der Berge und begünstigten den Ackerbauer beim Einbringen der letzten Getreidegarben ; herbstliche Nebel begleiteten den Aufgang und den Untergang der Sonne , und immer größer und immer umfangreicher wurden die gelben und braunen Schätzungen in den Laubmassen der Waldungen . Der Sommer entschwand , der Herbst trat an seine Stelle . Weißer Reif stahl sich unter dem Schutze der Dunkelheit auf die abgeernteten Felder und die grünen Herbstsaaten ; in den Scheunen klapperten im lustigsten Takt die Dreschflegel , in den dunkeln Kellern , eng eingeschlossen in schwere Fässer , gährte ungeduldig der Feuer bergende Most ; die Lieder der Lerchen wurden kürzer , und statt des melancholischen Gesanges der Nachtigallen ertönte das Zirpen , Schnarren und Zwitschern der Staare und Weinvögel durch die Wälder und über die Fluren . Der Rauch der zahllosen mit dürrem Kartoffelkraut genährten Feuer der Feldarbeiter stieg träge in den stillen Aether empor , träge , wie die weißen Spinnegewebe , die , zu formlosen Flocken und Bändern zusammengeballt , sich unbekümmert um das Wohin , den sanften Lüftströmungen zur Eintagsreise anvertraut hatten . Kürzer wurden die Tage , schärfer die tödtenden Nachtfröste , rauher die oftmals von Regen begleiteten Stürme , und in dichteren Massen schüttelten die Bäume ihre abgestorbenen Blätter auf den feuchten Boden nieder , während die Vögel in langen Reihen hoch oben , den Wolken nahe , jauchzend über sie hinzogen . Die befiederten Wanderer aber hatten im Gefolge ihre kräftig herangewachsenen Familien , und aus ihren Stimmen klang ein trautes » auf Wiedersehen « , während die Blätter sich niederlegten , um in Staub zu zerfallen , und ihr leises Rauschen und Lispeln einer letzten sanften Todtenklage glich . Alles erinnerte an den erstarrenden Winter , an die Vergänglichkeit des Irdischen . In meiner Brust dagegen herrschte der schönste Frühlingsonnenschein , ein Sonnenschein , den ich für so unvergänglich hielt , wie den ewigen Kreislauf der Gestirne , so unvergänglich , wie die treue Liebe , die in meinem Herzen wohnte . War es doch zur Zeit der rauhen Herbststürme , als der schöne Traum der letzten Monate , aus dem ich immer neue Lebenskraft trank , sich verwirklichte , als Johanna , die gute herzige Johanna , mir mit einem unbeschreiblich holden Erröthen gestand , daß meine Liebe sie beglücke , daß sie mir für das ganze , ganze Leben angehören , fortan Leid und Freude mit mir theilen wolle . Dann weinte sie an meiner Brust , aber nicht Thränen des Schmerzes waren es , die ihr über die zarten Wangen rollten , nein , gewiß nicht ; aus ihren großen , mildstrahlenden Augen , mit denen sie holdselig zu mir emporschaute , leuchtete es mir verständlich entgegen , daß nunmehr ihr ganzes Hoffen in mir allein liege , sie nur noch in mir ihr Lebensglück finde . Ich küßte ihr liebes gutes Antlitz , die rosigen Lippen , die treuen Augen und schwur , sie zu lieben , so lange mir der Athem vergönnt sei , sie zu lieben in alle Ewigkeit . Ich schwur , daß meine Liebe zu ihr mich zu übermenschlichen Anstrengungen antreiben , und die Erfolge meines redlichen Strebens nur ihr eigenstes Verdienst sein würden . Was ich dabei dachte und wie hoch meine ehrgeizigen Pläne hinausliefen , das ahnte sie nicht . Sie mochte sich aber wohl einzelner Neckereien ihres Onkels erinnern , der zeitweise wenigstens einen Regierungspräsidenten in mir zu entdecken vorgab , denn sie lächelte mir unschuldig zu , und sich fester an mich schmiegend , bat sie mich , keine zu vornehme Dame aus ihr machen zu wollen , woran sie die eifrige Versicherung schloß , daß das bescheidenste Loos an meiner Seite sie hinreichend beglücke , so sehr beglücke , daß Glanz und Reichthum sie nie glücklicher machen könnten . Doch je anspruchsloser das heißgeliebte engelgleiche Wesen sich zeigte , um