Dampfkocherei , der Maschinen beim Molkereiwesen . Siehst du , was letzteres anlangt , Röschen , das ist geradezu ideal , du hast es doch gelesen in dem Buche , das ich dir zu Weihnacht schenkte ? « Sie gingen bereits wieder im dicksten Gedränge auf dem Bürgersteige , und Röschen sagte , der Wahrheit gemäß , kleinlaut : » Nein , ich habe es nicht gelesen . « » Was ? Du hast so wenig Interesse für die Bücher , die ich dir auswähle , daß du nicht einmal einen Blick in › Die Frau als Landwirtin ‹ getan hast ? « » Sei nicht böse , Mama , ich hatte bis jetzt gar keine Zeit , und die wenigen Minuten , die ich erübrigen konnte , die habe ich benutzt , um an Tante zu schreiben . « » An Tante ? So ? « » Ja , sie dauert mich so , sie ist so schrecklich allein . « » Ihr Sohn ist doch bei ihr ! « » Das wird er wohl , Mama , aber – Fritz ist ein junger Mann und geht doch gewiß oft aus ! « » Na , sonst saß er wie angepflöckt im Hause , « murmelte Frau Amtsrat . Als sie in der Wohnung des Onkels anlangten , war ein Brief da für Fräulein Röschen Wendenburg , die Adresse von 222 der Hand derTante : ein dicker Brief mit einer Zwanzigpfennigmarke . Das junge Mädchen barg ihn , wie einen kostbaren Schatz , sofort in ihrer Tasche . Schrecklich , so irgendwo zum Besuch zu sein , bei einem Onkel zum Beispiel , der seine Nichte gern neckt , einer Tante , die so durchdrungen ist von dem Vorzug , in Berlin zu leben , daß sie jeden Satz anfängt : » Da ihr nun einmal hier seid , so denke ich , heute nachmittag respektive heute abend sehen wir uns dies oder das , oder noch etwas an – « » Ins Königliche Schloß müßt ihr aber jedenfalls , « bemerkte sie heute , als die Damen wieder ein Haushaltungsgeschäft als das Ziel ihres heutigen Ausganges nannten , » das Palais des alten Kaisers habt ihr auch noch nicht gesehen , das Zeughaus , Hohenzollernmuseum ebensowenig , und das Mausoleum . Herr Gott , Kinder , womit vertrödelt ihr nur die Zeit , wenn ihr ausgeht ? Ihr werdet nach Hause kommen und habt von Berlin keine Ahnung ! « Die großstädtische , etwas ältliche Cousine lächelte säuerlich geheimnisvoll : » Ach Mama , laß doch Tante Wendenburg zufrieden , die hat nur Sinn für Küchen und Wäschegeschäfte , – guck ' mal , Mama , wie Röschen rot wird . « » Mich berührt das gar nicht , was Mama vorhat , « erklärte Röse ärgerlich , » ich für meinen Teil ginge lieber in das Kaiserschloß . « Die Frau Amtsrat machte ein pfiffiges , wohlwollendes Gesicht und hütete sich , etwas zuzugestehen : sie wollte den Neid der verblühten Geheimratstochter nicht noch schüren . Armes Ding ! Sie war beinahe so alt wie sie und mußte noch immer die junge Dame spielen ! Erst als Mama nach Tische auf der Chaiselongue im Fremdenzimmer ihren Mittagschlaf hielt und Röschen auf einem Lehnstuhl am Fenster dämmerte , zog sie ihren Brief hervor und öffnete mit Herzklopfen das Schreiben aus der lieben Heimat . Ganz vorsichtig ging sie zu Werke , damit das Papier nicht knistere und die Schlafende wecke . Beinah hätte sie aufgeschrien , als aus dem Bogen , der mit der zierlichen Schrift der Tante 223 bedeckt war , ein zweiter kleinerer , aber sehr eng beschriebener fiel , von » ihm « : » Mein gutes Mutterchen ahnt nicht , daß ich diese Zeilen noch mit einschmuggele . Ich bat sie , ihr Schreiben an Dich lesen zu dürfen , Du süßer blonder Schatz ; wenn ich ihr den Brief wieder gebe , habe ich das Kuvert geschlossen , vulgo › zugeleckt ‹ . Das gute Muttel – ich sehe schon , wie sie mich mißtrauisch anblickt , aber mein dummes Gesicht kann ihr nichts verraten , und die erforderliche zweite Briefmarke werde ich heimlich aufkleben , wenn ich den Brief zur Post bringe . Liebste , wie öde ist ' s ohne Dich hier ! Aus purer Verzweiflung freundete ich mich vor ein paar Tagen mit dem Oberamtmann Bartenstein an , und er lud mich gestern zu einem kleinen Herrenessen nach Hilgendorf . Schatz , es ist ja famos dort ! Daß Deine Mutter Sehnsucht nach diesem Paradiese hat , verdenke ich ihr nicht ; und einen bösen Augenblick lang kam ich mir scheußlich vor , daß ich dich verhindern will , Dein Leben in diesem alten , behaglichen , vornehmen Hause zu verbringen ; aber der Edelmut hielt nicht lange vor . – Ach , Du Schatz , wenn ich mir dächte , Du säßest da neben dem alten Manne als Hausfrau in dem dämmerigen Eßsaal , von dessen hundertjähriger dunkler Wandvertäfelung sich ein gewisser Mondenschein so effektvoll abhebt – gräßlich ! um mit Dir zu reden , eine Geschmacklosigkeit zum Totschreien ! Der Herr Oberamtmann tat zuerst sehr schwermütig , aber nach ein paar Gläsern Rotwein und der Gänseleberpastete wurde er schon lebhafter , und bei dem Rehrücken mit gefüllten Tomaten und vollends beim Champagner war er großartig aufgeräumt und pries überschwenglich das Glück , in die Hilgendorfer Pacht gekommen zu sein . Eine Musterwirtschaft habe er vorgefunden , eine Musterwirtschaft bis ins Kleinste ! Und da setzte ich den Hebel an ; ich sagte , es sei nicht am wenigsten das Verdienst meiner lieben Tante , der Frau Amtsrat Wendenburg ; eine solch tüchtige Frau , die solle man erst noch suchen . Meine Worte fanden übrigens bei den versammelten Herren ein Echo , und ich sorgte , daß das Thema aufs 224 eingehendste variiert wurde . – Meiner lieben Schwiegermutter in spe Loblied erklang in allen Tonarten , süßer