etwas passiert ? “ „ Die Herzogin soll der Schlag gerührt haben . “ „ Ich weiß , wie gesagt , nichts – hoffentlich bewahrheitet sich die traurige Kunde nicht , “ sagte Günther und dann trennten sie sich mit einem Gruß . „ Lieber Gott “ sprach er vor sich hin , „ bei ihrem Alter – wär ’ s ein Wunder ? “ Und er stieg langsam hinab zu seinem Heim . Auf dem Schloßplatz lag frischer köstlicher Schnee wie eine eben erst gebreitete Decke , nur eine einzige Spur lief quer darüber , die Füße hatten den Pfad verschmäht , der an den Seiten mit Hilfe des Schneepflugs hergerichtet war – mitten durch den tiefen Schnee war man gelaufen , direkt zur Oberförsterei . Fast gedankenlos blieb er stehen vor der Treppe , die zu seiner Hausthür emporführte , und starrte die schmalen , zierlichen Stapfen eines Frauenfußes an , als betrachtete er droben im Walde die Spuren des Wildes in einer Neue . Sehr klein mußten sie sein , diese Füßchen zierlich gestellt , kaum aufgesetzt , so flüchtig und leicht- und diese Spuren führten in sein Haus ? Allein – was ging ihn das an ? Wer da gegangen , ihm hatte der Besuch gewiß nicht gegolten ! Er fühlte sich müde und einsam , er fror am Herzen und er fürchtete sich vor dem öden Heim , vor dem Lärm der tobenden , schlecht beaufsichtigten Kinder , die , seit Fräulein Stübken sein Haus verlassen hatte , wie die wilde Jagd dort hausten . Das alte , sonst so brave Mädchen verstand nicht , mit ihnen fertig zu werden , und er sollte strafen , beschwichtigen ! Und der Tisch war so liederlich hergerichtet , die Speisen schlecht bereitet – er konnte so nicht essen , er flüchtete sich verzweifelnd in sein Zimmer und nahm die Arbeit vor , seine Berichte und Rechnungen – um zu vergessen ! Aber das Kältegefühl und die Einsamkeit waren meist stärker als die Lust zur Arbeit . Er stand während dieser trüben Gedanken noch immer da , [ 167 ] auf die Fußspuren starrend , endlich schritt er die Stufen hinan , dabei unwillkürlich die kleinen Stapfen schonend . Wie immer ging er , nachdem er Büchse und Jagdtasche abgelegt , nach der Kinderstube . Unwillkürlich sah er , bevor er öffnete , nach der Uhr – es war Neun vorüber . Sollten die Kinder schon schlafen ? Es war so merkwürdig still dort innen . Er öffnete und trat ein . – Auf dem Tische unter der alten Hängelampe mit der zersprungenen Glocke die geleerten Suppenteller der Kleinen , ein großes Brot , ein Restchen Butter . Alles still ! Er wollte sich zurückziehen , da scholl ein Kinderlachen aus der halbgeöffneten Schlafstube , so ein recht jauchzendes , übermütiges Kichern , wie Finkenschlag im Frühlingswalde . Und gleich darauf vernahm er eine unendlich milde Frauenstimme . „ Bösewicht du , wirst du wohl still sein ? Ich gehe gleich wieder fort , wenn du nicht artig bist ! “ „ Nein ! Nein ! Nein ! “ riefen drei kleine Stimmen im Chor . „ Sei still , Mariechen , sonst verhau ’ ich dich ! “ fügte die Aelteste hinzu . „ Nun faltet die Hände und betet , “ ermahnte die Frauenstimme , und sie sprach das alte Kinderverschen . „ Müde bin ich , geh ’ zur Ruh ’ – . “ Er war leise eingetreten , wie gewaltsam hingezogen . Da , im schwachen Schein des Nachtlichtes , kniete am Gitterbette der Jüngsten eine weiße Gestalt , sie sah nicht den Späher , sie hatte die Hände über dem Bettchen verschlungen und den dunklen Kopf zu dem Kinde gesenkt . Dem Manne an der Thür ward wunderlich zu Mute , er begriff noch nicht recht – die kleinen Fußstapfen draußen , das Mädchen im weißen Gewand , als ob der Weihnachtsengel eingetreten sei ? Nur die Flügel fehlten , und die grobe blaue Schürze über dem lichte Kleid zeigte , daß sie nicht aus den engelhaften Sphäre stammte . „ Amen ! “ sagte sie jetzt laut , „ nun schlaft brav , morgen lernen und spielen wir miteinander , gelt , das wird schön ? “ Er trat jetzt mit ein paar Schritten näher , sie wandte sich und sah ihn an . „ Fräulein von Kerkow ? “ fragte er lächelnd . „ Verzeihen Sie , Herr Oberförster , daß ich schon heute gekommen bin , es – es ging nicht anders . “ Sie wurde erst jetzt verlegen unter den fragenden Blicken . „ Ich bin so fortgeeilt , wie ich stand und ging , “ stotterte sie , an ihrem Kleide niederblickend . „ Seien Sie herzlich willkommen Fräulein von Kerkow , ich fürchte nur , Ihr Zimmer wird noch nicht ganz in Ordnung sein . “ „ Sorgen Sie darum nicht , ich sprach schon mit dem Mädchen . “ Er trat jetzt an die Bettchen der Kinder . „ Gute Nacht “ , sagte er und gab dem Bube einen Kuß , „ ich hoffe , ihr seid immer brav und folgsam bei der neuen Tante . “ Ein einstimmiges „ Ja , Papa ! “ scholl ihm entgegen , und die Aelteste sagte altklug . „ Fräulein , nun mußt du mit Papa essen gehen , er ist immer sehr hungrig , wenn er von der Jagd kommt – gelt , Papa ? “ Er nickte lächelnd . „ Das wollen wir der Tante heute noch nicht zumuten – Sie werden abgespannt sein von dem Festtrubel und dem Schrecken zuletzt ? “ Hedwig Kerkow sah ihn erstaunt an , sie standen jetzt draußen in der Wohnstube . „ Wann geschah denn das Unglück ? “ fragte er . „ War denn Ihre Durchlaucht noch bei der Tafel zugegen ? “ „ Ich weiß nicht , was Sie meinen , Herr Oberförster , “ antwortete sie