wie früher so die ganze Sippe in den Ferien um Großtante Malwinens Fleischtöpfe auf Welsin hockte . - Was sagst Du , Deine Mutter wohnt hier ? Aber nee - also meine schönsten Empfehlungen , und wenn ich mal Zeit hab ' - na , und Du ? Hast ' ne auskömmliche Stellung ? « Allert hatte die Ohren seiner Mutter und konnte großmütig und durchaus überlegen weghören , vorbei an den Menschlichkeiten des lieben Nächsten . » Fabrikbesitzer ! « sagte er wohlgelaunt . » Großindustrieller - wenn Du willst . Firma : Farbwerke A. von Hellbingsdorf u. Kompagnie . Kompagnon ein wohlhabender Chemiker . Mein Umgang also nicht genierlich . Kreditfähiger , junger Mann . Erste Referenzen . In die angesehensten Familien eingeführt . Verleugnung verwandtschaftlichen Zusammenhangs nicht vonnöten . « » Red ' keine Makulatur - na , darin warst Du ja schon als Junge groß . - Und Deine Mutter ? Was macht sie ? « » Dasselbe wie in Berlin . Da malte sie einen ganzen Teil der Hofgesellschaft - hier ist es im Handumdrehen in den ersten Kreisen Mode geworden , sich bei Frau von Hellbingsdorf malen zu lassen . « Sie waren über den Fahrdamm gegangen und schritten jetzt auf den Quadern dahin , die die Kaistraße oberhalb der Binnenalster breit pflasterten . Die Möwen flatterten , die Sonne schien , die großartigen Häusermassen standen , von durchglänztem Duft milde überhaucht , um das fröhlich wogende Wasser . Es war schon Vorahnung des Frühlings . » Sag mal , im Ernst : Ihr seid hier schon gut bekannt ? « » Meine Mutter fabelhaft . Ich erst wenig . Hab ' rasend zu tun . Jetzt noch mehr als in den ersten drei Anfängerjahren . Vor ein paar Wochen abgebrannt ! Na ja - man war versichert ! Aber wie viel Schaden , Aufenthalt , Rückschlag - es heißt schuften . Vorwärts will ich , soll ich , muß ich - wegen Mutter - wegen Onkel Just , von dem ich hunderttausend Mark habe - wegen meiner eigenen , mir höchst werten Person . « » Mensch , warum heiratest Du denn nicht reich ? Hier ist doch Gelegenheit in Hülle und Fülle . « » So ? « fragte Allert naiv . » Ich hab ' noch keine Zeit gehabt , mich danach umzutun . « » Sage mal : ich hab ' da so ' ne kleine Liste - von ' nem Kameraden entworfen , der hier sein Glück machte - ist zur Diplomatie übergegangen ... « Aha ! dachte Allert . Sein Vetter holte aus dem breiten Aermelaufschlag unter seinem Mantel einen Zettel hervor . Er warf einen Blick hinein und begann sein Verhör . » Kennst Du Vierbrincks ? « » Davon gibt ' s viele . « » Ja . Aber nur zwei sind so gestellt , daß se sich ' n Schwiegersohn meiner Art leisten könnten . Vierbrinck Sohn u. Kompagnie - Seniorchef Meno F. Vierbrinck mit Tochter Dory . Und Konsul F. M. Vierbrinck mit Töchtern Fanny und Mimi . « » Alle drei entzückend ! « sagte Allert , und sein Vetter wußte wieder nicht , ob es ernst oder mokant gemeint sei . » Kennst Du Ruhlos ? Tochter soll ' ne schneidige Sportsdame sein . Das paßte ja . « » Stimmt . « » Und Amsters ? « » Die Tochter ist doch schon verheiratet , an Herrn von Daister . « » Weiß - weiß - Daister von der Kriegsschule her alter Kamerad , ja , Freund von mir - hat mir extra gesagt : Onkel seiner Frau , Senator , habe schöne Tochter - soll ' ne grandiose Erscheinung sein . Aber hier hör ' ich nu ... « » Was hörst Du ? « fragte Allert hart dazwischen . » Das soll so ' ne Art Hallelujahmächen sein , bekämpft Prostitution , Mädchenhandel , Unsittlichkeit , schimpft auf den Mann als den Schuldigen , wenn wo Kinder kommen , mit denen es standesamtlich nicht propper ist - na , ganz kolossal modern . Das paßte ja nu nich . Mit Weibern , die mit allem Bescheid wissen , hat man ja genug zu tun gehabt . Wenn man heirat ' t , will man ' ne holde Unschuld - vom Lande braucht se nich grade zu sein , und ' ne runde Mitgift nimmt auch der holden Unschuld keinen Zauber . - Sage mal , kennst Du die Leute ? Bei diesen Hanseaten ist das so komisch . Bei uns sagt der Name alles . Hier kennt man die Namen ja nich . Und in ' n Kaffeeladen möcht ' ich och nich grade ' reinschliddern - das nimmst Du woll nich übel - Du hast ja keinen « - » Frage einen Heiratsvermittler , « sagte Allert schneidend . » Und hier steig ich ein . Du kostest mich ein Auto . Sonst hätt ' ich den Dampfer genommen - soll bei Mutter essen - wir haben uns gegenseitig an Pünktlichkeit gewöhnt . « » Du - halt - wo wohnt Deine Mutter ? « rief Patow . Aber Allert schlug schon die Tür zu . Wie beleidigt es , wenn andere uns die Karikatur unserer Empfindung zeigen , dachte er böse . Das macht sie uns nicht unsicher . Aber es dämmert einem so auf , wie schwer man die eigene Empfindung verteidigen , beweisen , klarmachen kann - - - Er gab sich alle Mühe , bei seiner Mutter die gewohnte frohe Zuversicht zu zeigen . An der Tür bekam Therese ihr Scherzwort , das sie strahlend machte . In den Zimmern fand er alles wunderhübsch - aber , was ließe sich einer Mutter verbergen . Er erzählte von Fritz Patow , wie der offenbar mit dem festen Vorsatz umhergehe , hier eine reiche Partie zu machen . » Ich habe noch keinen Offizier gesehen , der davon nicht als von einem feststehenden Programm gesprochen hätte