Mund . » Nein « , sagte ich , ohne recht zu wollen ; » ich hab schon ein bißl was . « Da wollte sie mich abermals umarmen , indes mich die andern wie ein heiligs Bild begafften und die schöne Jungfer ganz nah zu mir trat und mich lieblich ansah ; aber ich fuhr fort und sagte : » Drent beim Stiefelwirt hab ich mein Sach . Ich geh und werds holen . « Und hörte also auf nichts mehr und lief geraden Wegs zur Tür hinaus auf die Gassen . Ein wüstes Durcheinander von Gedanken stürmte durch mein Hirn ; ich rannte ohne Besinnen dahin und fand mich schließlich vor dem Tor des Stiefelwirts . Da kam es über mich : Kehr um und geh wieder zum Vater Thomas ! - Geh nimmer zurück zu der Komödiantenbrut ! - Es ist ja unmöglich , daß diese grausliche Alte deine leibhaftige Mutter sein sollt ! Und schon war der Entschluß , wieder zum Bildlmacher zurückzukehren , nahezu in mir fest worden , als mich ein silberns Lachen aufschreckte , ein weicher Arm sich in den meinen schob und die Theatermamsell mit süßer Stimm sagte : » Ich bin dir nachgelaufen , ohne daß es die Alten wissen ! - Ich möcht ein wenig allein sein mit dir ! - Ich hab dich sehr lieb ! « Ei ! Da fuhr ich herum ! - Faßte sie bei den Händen , verdrehte meine Augen und war vor Seligkeit und Glück ganz närrisch ! Vergessen war der gut Thomas , vergessen die schreckliche Alte , die sich meine Mutter nannte ; - ich hatte nur noch einen Gedanken : mit ihr zu gehen - bei ihr zu bleiben ! Und ich sagte mit vor Freuden zitternder Stimm : » Dirndl ! - Gern habn tust mich ! - Ja , Himmel Herrgott ! ... Geh ! Wart nur grad a Weil , bis ich mein Ranzl hol ; nachher ghör ich dein , so lang als d ' mich magst ! « Lief also eilends hinein zum Wirt und fragte um mein Ränzlein . Der aber gab mir auch noch ein verschnürts Päcklein und sagte : » Das hat dir der Beham noch zruckglassen ; wirst es wohl brauchen können , meint er ! - Und ' n Auftrag soll ich dir noch ausrichten von ihm : Wannst wieder kimmst , hat er gsagt , bist da . Und was sein ghört , das ghört auch dein . Und viel Glück zu der Wanderschaft ! « Ach , zu jeder anderen Zeit meines Lebens hätt ich eine solche Red wohl anders hingenommen denn jetzt ! - Wär wohl mit beschämtem Herzen wieder eilends zurückgelaufen zu dem herzguten alten Vater und hätt gesagt : » Da bin ich wieder . Nimm mich wieder auf ! « Aber leider Gott war in diesem Augenblick der heilige Geist samt allen seinen Gnaden von mir gewichen , und ich , so voller närrischer Lieb zu der Mamsell , konnt dem Wirt nicht einmal einen gerechten Dank geben für seine Red , geschweige denn ein verständigs Werk vollbringen . Mein Sinnen und Trachten ging nur noch auf den Besitz der feinen Jungfer , und ich gab mich schon dem Traum hin , mit ihr bald ein lieblichs Eheleben zu führen . Also nickte ich bloß etlichemal mit dem Kopf , schob das Päcklein geschwind in den Ranzen , hing mir diesen um und lief mit kurzem Gruß hinaus zu dem Mädchen , das mich verwundert ansah und fragte : » Ist das alles , was du hast ? « » Nein , nein ! « lachte ich voll Lust . » Hab schon noch was anders auch ! - Dich ! « Und wollt sie also gleich auf offener Gassen an mich reißen . Aber sie schien gar nicht mehr so liebreich wie ehvor und wehrte mir meine Narrheit mit gemessenem Ernst ; doch folgte sie mir nach langem Sträuben zu der Steinbank hinter dem Friedhof , daselbst ich ihr sogleich das karmisinrote Seidentuch und auch das Büchlein als Verehrung gab . Sie dankte mit kargen Worten und sah kaum drauf hin ; und über eine Weil fragte sie , ohne mich anzusehen : » Bist du bloß ein Handwerksbursch ? Hast du kein Geld ? « » Was ? Kein Geld ? « rief ich da protzig . » Geld grad gnug hab ich ! « Und zog meinen Beutel und ließ die Kreuzer scheppern . » Mir langts leicht , was ich hab , und für dich verdien ich schon was , wannst mitgehst mit mir ! « Damit steckte ich das Geld wieder ein und kramte in dem Ranzen . Da griff ich das Päcklein vom Thomas und zog es eilig heraus , indes die Mamsell neugierig fragte : » Was ist denn da drin ? « » Ah , nix Bsunders ! « erwiderte ich ; denn obgleich ich mir selber gar nicht denken konnt , was es sei , so wollt ich mir doch nicht merken lassen , daß es ein Geschenk des Bildlmachers wär . Doch öffnete ich es mit Hast und hatte im nächsten Augenblick harte Müh , einen lauten Schrei zu unterdrücken ; in dem Päcklein lagen Gulden und Kreuzer , österreichisch und bayrische Münz , ein reichlicher Batzen , und dabei ein Zettel , darauf stand : » Gsegn dirs Gott und komm bald wieder . « In meine Augen stieg es brennend heiß . Ich starrte auf das Geld und auf das Blättlein Papier und spürte ein Würgen im Hals . Da fuhr die Mamsell kichernd mit der feinen Hand in das Häuflein Münz und jubelte : » O , wie hell das klingt ! - Wie ich mir so was wünschte ! - Schenk mir doch ein paar von den herrlichen Stücken ! « Gedankenlos sah ich ihr zu und gab ihr etliche Gulden ; dann schob ich alles seufzend in den Ranzen ,